Politik | 24.06.2014

Abriss-Arbeiten am Grundschulgebäude Urmitz-Bahnhof beginnen am Donnerstag

Ein Schulgebäude sagt „Auf Wiedersehen“

Eine Ansicht, die bald Geschichte ist: Rund 82.000 Euro kostet der Abriss des Urmitz-Bahnhofer Schulgebäudes, das gravierende statische Mängel aufweist.GH

Mülheim-Kärlich. Die Tage der Grundschule im Stadtteil Urmitz-Bahnhof sind gezählt: Am kommenden Donnerstag beginnen die ersten Arbeiten für den Abtrag des Gebäudes durch ein Abbruchunternehmen aus Urmitz-Rhein. Der Stadtrat hatte in einer seiner letzten Sitzungen den Abriss des Schulgebäudes beschlossen. Ein Erhalt des Gebäudes, das große statische Schwächen aufzeigte, war nach Meinung der Ratsmitglieder aus wirtschaftlichen Gründen nicht mehr darstellbar. Im Schuljahr 2013/14 besuchten 71 Jungen und Mädchen die Schule. Unterrichtet werden sie schon seit geraumer Zeit in mobilen Klassenräumen, die im Baugebiet „Lehpfad“ aufgestellt sind. Die Vorbereitungen für den Abriss des leer stehenden Schulgebäudes laufen schon seit einigen Wochen. In den letzten Tagen waren die Mitarbeiter des städtischen Betriebshofes damit beschäftigt, vor Ort die letzten Einrichtungsgegenstände zu sichern.

Eine bewegende Geschichte

Neben den mobilen Gegenständen legen sie auch auf zwei fest eingebaute Gegenstände ein besonderes Augenmerk: Die beiden Grundsteine im Anbau (1964) sowie im Altbau (1899). Vor allem Letzterer ist historisch gesehen besonders interessant. Er trägt die Aufschrift „Lasset die Kleinen zu mir kommen“ sowie die Jahreszahl 1899. Der Stein erinnert an die Einweihung der Schule durch den ersten Mülheimer Pfarrer Heinrich Rödelstürtz. Die Stadt Mülheim-Kärlich ist bemüht, insbesondere diesen Stein zu erhalten. Ein Mitbürger hat die Anregung gemacht, dieses Zeitdokument im Stadtmuseum auszustellen oder (optimalerweise) im Neubau der Grundschule an exponierter Stelle anzubringen. Die Grundschule Urmitz-Bahnhof hat eine über 100-jährige Geschichte. Der Stadtteil hat bekanntlich keine eigene Gemarkung. Der Bereich östlich der Straße „Rheinau“ gehört zu Kärlich, der westliche (und damit wesentlich größere Teil) gehört zur Gemarkung Mülheim. Vor der Errichtung der Grundschule in Urmitz-Bahnhof besuchten die Kinder größtenteils die Volksschule in Mülheim, vereinzelt aber auch in Kärlich oder in Urmitz-Rhein. Der Bevölkerungszuwachs, der insbesondere auf die Industrialisierung (Bimsbetriebe, Gewerbegebiet Rheinau und Bahnlinie) zurückzuführen war, führte schließlich dazu, dass der Wunsch nach einer eigenen Grundschule laut wurde. Im Jahr 1899 war es schließlich soweit: Die Einweihung des ersten Schulgebäudes erfolgte. In einem Klassenraum wurden 63 Kinder unterrichtet - alle acht Jahrgänge oft zur gleichen Zeit. Im Jahr 1908 wurde ein zweiter Schulsaal fertiggestellt. Eine weitere Vergrößerung erfolgte 1964/65. In Spitzenzeiten wurden in Urmitz-Bahnhof über 200 Kinder unterrichtet. Im Jahre 1989 fasste der Mülheim-Kärlicher Rat den Beschluss, der Grundschule Urmitz-Bahnhof den Namen „St. Peter und Paul“ zu geben.

Im Jahre 1990 stellte der Schulelternbeirat einen Antrag auf Umbenennung: Die Mehrheit der Eltern habe sich für den Namen „St. Barbara“ ausgesprochen, da die heilige Barbara die Schutzpatronin der Berg- und Eisenbahnleute sei und so ein Bezug zum Ort hergestellt würde. Mehrheitlich sprach sich der Rat jedoch dafür aus, den 1989 gefassten Beschluss zur Namensgebung nicht zu ändern. Aufgrund rückläufiger Schülerzahlen bestand in den letzten Jahrzehnten mehrere Male die Befürchtung, dass die Schule geschlossen wird. Dies konnte jedoch verhindert werden. Auch beim Bürgerentscheid zur Grundschulfrage am 22. September 2013 wurde deutlich, dass die Bevölkerung mehrheitlich den Erhalt der Schule in Urmitz-Bahnhof wünscht. Auch wenn mit dem nun anstehenden Abriss das erste Urmitz-Bahnhofer Schulgebäude sowie der 1965 realisierte Anbau verschwinden, so bedeutet das nicht das Ende der Grundschule „St. Peter und Paul“. Die Schule sagt im wahrsten Sinne des Wortes „Auf Wiedersehen“, denn voraussichtlich soll an gleicher Stelle auch der Neubau realisiert werden. Wie dieser genau aussieht und wann mit dem Beginn der Bauarbeiten begonnen werden kann, steht derzeit noch nicht fest. Der neu gewählte Stadtrat wird hierüber die notwendigen Entscheidungen treffen.

Eine Ansicht, die bald Geschichte ist: Rund 82.000 Euro kostet der Abriss des Urmitz-Bahnhofer Schulgebäudes, das gravierende statische Mängel aufweist.Foto: GH

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