Ökumenischer Gemeindetag in Weißenthurm
Einheit in der Vielfalt
Weißenthurm. Für den ökumenischen Arbeitskreis Weißenthurm bedeutet Ökumene geschwisterliches Zusammenleben der Konfessionen: Freude an Übereinstimmungen und respektvoller Umgang mit Unterschieden im Glauben, in der Lehre und im praktizierten Christentum.
Das wurde deutlich beim ökumenischen Gemeindetag, der kürzlich im katholischen Vereinshaus in Weißenthurm stattfand. Trotz fast tropischer Hitze lauschten über 40 Interessierte aus katholischen und evangelischen Gemeinden aufmerksam den Statements der beiden Referenten Dechant Michael Rams und Superintendent Rolf Stahl und brachten sich fragend und kommentierend in eine lebendige Diskussion ein. Schon die Strukturen in den beiden großen Konfessionen unterscheiden sich: Der Superintendent wird von der Synode gewählt, der Dechant vom Bischof ernannt. So ist laut Stahl die Evangelische Kirche von unten nach oben, die Katholische Kirche von oben nach unten organisiert. Das äußert sich auch in einer skeptischen Sicht des Papsttums, das im ausgehenden Mittelalter durch Machtstreben und Prachtentfaltung einen Anlass für die Reformation bot. Heute gilt: Je menschlicher und bescheidener der Papst auftritt – sei es Papst Franziskus oder der Konzilspapst Johannes XXIII. - desto mehr Achtung und Zustimmung findet er auch bei den evangelischen Mitchristen. Unterschiede zwischen den Bekenntnissen wurden andiskutiert: der Vorrang von Schrift und Auslegung (Predigt) im evangelischen Gottesdienst, die unterschiedliche Sicht von Eucharistie und Abendmahl, die Lehre von Schuld und Vergebung in der Rechtfertigungslehre. Diesen unterschiedlichen Positionen muss mit Geduld und Toleranz begegnet werden. Die Mitglieder des ökumenischen Arbeitskreises stellten zufrieden fest, dass genau diese Themen für die folgenden Abendveranstaltungen im Herbst 2015 und Frühjahr 2016 vorgesehen sind. Impulse der Referenten und die Diskussion wurden sachkundig und souverän moderiert durch Pastoralreferent Günter Leisch. Nach einer gut bestückten Kaffeetafel folgte als Abschlussgottesdienst ein „Evensong“ mit Pfarrer Manfried Rademacher, Diakon Gerd Klein und einer Vorsängergruppe des Kirchenchores „Cäcilia“ unter Leitung von Dekanatskantor Markus Lamprecht.
