Allgemeine Berichte | 25.11.2013

Die Orgel in der Weißenthurmer Pfarrkirche Hl. Dreifaltigkeit muss völlig umgebaut werden

Förderverein mit Pia Zeyen als Vorsitzende gegründet

Anstehen für die Eintragung als Mitglied des neuen Orgelfördervereins. HEP

Weißenthurm. „Wenn drei Deutsche zusammen sind, gründen sie einen Verein“. So hieß es vor etwa 30 oder 40 Jahren. Heute ist das anders, viel zu wenige sind in Vereinen und daher sind auch Neugründungen eher selten. Eine solche Seltenheit gab es jetzt in Weißenthurm, nur kamen hier keine drei, sondern 30 Bürger zusammen, um einen Verein für die Orgel in der Weißenthurmer Pfarrkirche Hl. Dreifaltigkeit zu gründen. Denn nicht nur einige Orgelpfeifen, sind, wie der Volksmund sagt zu „Pfeifen“ geworden, sondern auch viele mechanische Teile wie zum Beispiel einige Windläden.

Reparatur ist nicht möglich

Wie wichtig ein Umbau - eine Reparatur geht nicht mehr - dieses 1910 vom Bonner Orgelhersteller Klais produzierte Instrument ist, machte der Orgelsachverständige für das Bistum Trier Josef Still auf der Gründungsversammlung im katholischen Vereinshaus deutlich. Ihn, zahlreiche Mitbürger und die Mitglieder des Orgelausschusses hatte zuvor Pastor Johannes Steffens als Hausherr begrüßt. „Die prächtige Weißenthurmer Kirche mit dem dominanten Turm hat eine große Klais-Orgel mit 320 Registern (Pfeifen) auf zwei Manualen. 17 Pfeifen bzw. Register sind im Original noch erhalten, auch die Windladen, auf denen die Pfeifen draufstehen. 1910 war ein dunkler orchestraler Klang beliebt. Dann änderte sich der Geschmack und die Orgeln sollten einen und hellen silbrig glitzernden Klang bekommen. So wurde die Orgel 1972 umgebaut, die Register raus genommen und durch kleinere ersetzt.“

Still kritisierte den Umbau 1972, denn da wurde massiv ausgewechselt, Register rausgeworfen, Pfeifen abgeschnitten, ein drittes Manual dazugebaut und das alles in die Orgel gepresst, obwohl ihre Fasse - um mehr Platz zu bekommen - zurückgeschoben wurde. Jetzt waren Reinigung und Wartung der Orgel sowie das Stimmen der Pfeifen kaum mehr möglich, da den Technikern der Zugang in die Orgel verbaut war.

Eine Fehlkonstruktion

„Eine unverzeihliche Fehlkonstruktion mit der Folge: Töne gehen nicht mehr oder jaulen. Das ist nicht zu ändern, denn man kommt nicht dran, ohne die halbe Orgel zu zerlegen“, beklagte Josef Still und empfahl, die Orgel auf ihren ursprünglichen Zustand von 1910 zurückzuführen. „Außer in Maria Laach gibt es in dieser Region keine so große romantische Orgel“, schwärmte der Sachverständige und weiter: „Windladen und Pfeifen sind noch da. Verloren sind der originale Spieltisch und die Windanlage. Ferner müsste man fünf Register rekonstruieren. Das alles wäre kein großes Problem, da die Baupläne bei Klais in Bonn noch vorhanden sind.“

Schließlich sind auf der Klais-Webseite alle von der Firma gebauten Instrumente aufgeführt, so auch die Weißenthurmer mit folgendem Eintrag: „Weißenthurm, Heilige Dreifaltigkeit II/25, 1911 Johannes Klais, 1972 Hugo Mayer elektrifiziert und erweitert auf III/3“.

Umbau auf den Urzustand

Der Orgelumbau auf den Urzustand dürfte laut Still etwa ein halbes Jahr dauern, von den Kosten wurde nicht gesprochen, sie dürften aber mehrere 100 000 Euro betragen. Das Geld hat die Pfarrgemeinde Weißenthurm nicht und auch das Bistum kann den Betrag nicht aufbringen. Die Lösung heißt Orgelförderverein, der vielleicht nicht den gesamten Betrag, jedoch soviel reinholen kann, dass das Bistum den Rest drauflegt.

Aber so einfach, wie man früher meinte, dass Vorsitzender, Schriftführer und Kassierer schon ein Verein sind, ist das heute nicht. Vor allem wenn, wie in Weißenthurm, der Förderverein gemeinnützig ist, das heißt, er Spendenquittungen ausstellen kann, die vom zu versteuernden Einkommen abgezogen werden dürfen. Also muss die Satzung hieb- und stichfest und sogar vom Finanzamt abgesegnet sein. Für die Fördervereinssatzung war sogar ein Jurist aktiv, der Erste Beigeordnete der Verbandsgemeine Weißenthurm Thomas Przybylla.

Zwar wollten einige der Anwesenden ein paar redaktionelle Satzungsänderungen, doch davor warnte der Jurist, schließlich habe das Finanzamt dieses Werk abgesegnet und Änderungen seien später immer noch möglich. Natürlich wurde der Jurist von den 19 Anwesenden, die spontan per Unterschrift ihre Mitgliedschaft erklärt hatten, zum Versammlungsleiter bestimmt.

Vorstandswahl

Die Vorstandswahl per Handzeichen ergab: Vorsitzende Pia Zeyen, Stellvertreterin Petra Meyer, Protokollführer Udo Weber, Kassierer Joachim Pätzold, Beisitzer Martin Breuer und Werner Schumacher sowie die durch ihre Funktion geborenen Vorstandsmitglieder Pastor Johannes Steffens und Organist Tristan Kusber. Wenn der Orgelförderverein Hl. Dreifaltigkeit Weißenthurm in den nächsten Tagen ins Vereinsregister eingetragen ist, will der Vorstand sich massiv an die Arbeit machen. Über zahlreiche Aktionen und Möglichkeiten in der Advents- und Weihnachtszeit wurde bereits nachgedacht.

Anstehen für die Eintragung als Mitglied des neuen Orgelfördervereins. Foto: HEP

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