Bischöfliche Pressestelle in Trier
„Gott und ich, wir waren als Jugendliche nicht so eng“
Weihbischof Dr. Helmut Dieser firmte während eines Gottesdienstes 29 Erwachsene im Trierer Dom
Trier. Weihbischof Dr. Helmut Dieser hat 29 Erwachsenen das Sakrament der Firmung gespendet. Im Vorfeld des Gottesdienstes traf der Weihbischof mit den Firmbewerbern zu einem Gespräch zusammen. „Gott und ich - wir waren damals nicht so eng“, erinnert sich Markus Best an die Zeit seiner Jugend. Mit 14 hätte er eigentlich, wie viele seiner Altersgenossen auch, gefirmt werden sollen. Aber mit Kirche hatte er seinerzeit wenig am Hut. „Ich habe darum auf die Firmung verzichtet“, sagt Best. 34 Jahre später, mit nun 48 Jahren, will der Saarlouiser diesen Schritt nachholen.
„Zunehmend lassen sich auch Erwachsene firmen, die sich als Jugendliche nicht dazu entschließen konnten oder wollten“, erklärt Dr. Bernhard Fresacher von der Abteilung „Pastorale Felder“ im bischöflichen Generalvikariat in Trier. Dennoch sei es für Erwachsene nicht selbstverständlich, ein Sakrament zu empfangen, das den meisten anderen Gläubigen schon als Jugendliche gespendet wurde. Das weiß Weihbischof Dieser: „Warum wirst du erst jetzt gefirmt? Machst du jetzt auf fromm? Solche Fragen haben Sie wohl oft zu hören bekommen“, mutmaßt der Weihbischof. Dieser will in dem Gespräch die verschiedenen Glaubenswege kennenlernen und die Firmlinge geben Auskunft über ihre Beweggründe. Mal steckt ein äußerer Anlass dahinter: Einige Bewerber wollen das Sakrament empfangen, weil sie Patenonkel oder -tante werden. Andere hatten als Jugendliche einfach keinen Bezug zur Kirche und stellen als Erwachsene fest, dass sie jetzt zu diesem Schritt bereit sind.
Ein 28-Jähriger erklärt: „Ein Aha-Erlebnis gab es bei mir nicht. Aber ich habe mich in den letzten Jahren intensiv mit vielen Fragen auseinandergesetzt und das System des Glaubens hinterfragt. Als Jugendlicher versteht man vieles davon nicht.“ Der 24-jährige Mario Cardinale aus Trier sagt: „Für mich ist meine Firmung ein Symbol der Vollkommenheit: Nach Taufe und Kommunion will ich nun dieses Sakrament empfangen, für das ich als Jugendlicher nicht bereit war.“ Die 24-jährige Kathrin Jessica Paluschek aus Weißenthurm sagt: „Ich bin katholisch, das gehört einfach dazu.“ Als Jugendliche habe sie ihre Firmung „verpasst“; weil sie jetzt eine Taufpatenschaft übernehmen möchte, hat sie sich zu diesem Schritt entschieden, intensiv mit dem Glauben befasst sowie mit ihrem Pfarrer gesprochen.
Weihbischof Dieser hört sich die 29 verschiedenen Wege, die die Erwachsenen zu diesem Sakrament geführt haben, an. „Es ist faszinierend und wunderbar, diese vielen Wege zum Glauben kennenzulernen“, sagt er und ermutigt sie: „Die Inhalte des Glaubens sind ein Fundament, das ihnen als Navi für das ganze Leben dienen kann.“ Nach dem Gespräch versammeln sich die Firmlinge zur Eucharistiefeier um den Altar des Trierer Doms. Im Mittelpunkt der Firmfeier stehen das Glaubensbekenntnis sowie die Segnung und die Salbung mit Chrisamöl, die der Weihbischof an jedem einzelnen Firmling vornimmt. „Durch den Glauben“, führt Dieser in seiner Predigt aus, „sind wir mit Gottes Ewigkeit verbunden - jeder von uns persönlich ist von Gott angenommen.“ Es gelte, den Frieden, der Jesus verheiße, anzunehmen und auf andere auszustrahlen. Christsein sei kein „abwartendes Standby, sondern ein Online-Sein mit Gott und den Menschen“. Nach dem Pontifikalamt treffen sich die Neugefirmten bei einem Empfang im romanischen Saal, darunter ist auch der sichtlich gut gelaunte Markus Best mit seiner künftigen Ehefrau. Mit ihr, einer Firmkatechetin, hatte er in den vergangenen Wochen die Unterlagen für ihre Jugend-Firmgruppe durchgearbeitet. Es sei eine würdige Feier gewesen, stellt er fest und er bereue es nicht, sich so spät für die Firmung entschieden zu haben: „In den vergangenen Jahren ist eine viel engere Bindung zum Glauben entstanden, ich bin inzwischen praktizierender Christ. Deshalb ist es auch eine viel bewusstere Entscheidung als mit 14 Jahren.“ Weitere Informationen zur Erwachsenenfirmung gibt Dr. Bernhard Fresacher, Tel. (06 51) 7 10 54 46, E-Mail: bernhard.fresacher@bistum-trier.de.
