Allgemeine Berichte | 06.11.2015

Konzert der Mundartgruppe Brennessel in Mülheim-Kärlich

„Mier schwätzen jähr Platt“ - ein außergewöhnlicher Abend

Mit selbst komponierten Liedern leisten die Musiker einen Beitrag zum Erhalt der „Moddersprooch“

Schlagzeuger Jonas Becker und die Gitarristen Hans Baulig und Herbert Anheier bilden die Gruppe Brennessel. Günther Mallmann

Mülheim-Kärlich. Mier schwätzen jähr Platt: das sagt die Mundartgruppe „Brennessel“ aus Mülheim nicht nur so, sondern singt es auch mit Begeisterung. Nun erfolgte in Zusammenarbeit mit dem Mandolinenclub ein bemerkenswerter Auftritt in dem mit rund 90 Personen voll besetzten Saal der Mülheimer „Alten Kapelle“, der die Besucher restlos begeisterte. Mal rockig, fetzig, mal sanft und einfühlsam, mal derb und frech, mal nachdenklich, aber immer mit einem hintergründigen Humor wussten die drei Musiker Hans Baulig, Herbert Anheier (mit ihren Gitarren) und der Drummer Jonas Becker die Zuhörer bestens zu unterhalten. Müllemer Platt kann so schön und unheimlich aussagefähig sein! Dieser Meinung waren zum Schluss des Konzertes alle. Mit ihren selbst komponierten Liedern boten die Musiker einen Querschnitt durch das Dorf- und Stadtleben von Mülheim-Kärlich. So wurden alte Bräuche musikalisch wiedererweckt, typische Redewendungen (Ber bess denn dau?, Trääd datt da daar?) und Schimpfwörter (Dreidrohd on Tränedäer) in Noten gepackt. Ebenso tauchten Mülheimer Originale (Lindemann und Schrupps Liesel) und die Verkehrsverhältnisse in der alten Kabellejass (Raschauer in de Kabellejass) in den Liedern auf. Sie sangen von Heimatverbundenheit, alten Zeiten (Wenn de Uba vezehlt), Wetter (Müllem em Rähn) und Liebesglück auf der Boddelwiss. Aber sie stellen auch fest, dass die Zeiten sich geändert haben und Mülheim-Kärlich mittlerweile eine weltoffene, multikulturelle Stadt geworden ist, die sich auch um die Integration der ausländischen Mitbürger bemüht. Das alles in lupenreinem „Müllemer Platt“ mit einer Vielfalt von Ausdrücken, die man leider nur noch selten hört und die man überhaupt nicht oder nur schwer ins Hochdeutsche übersetzen kann. Alles in allem war die Darbietung ein sehr originell vorgetragenes Stück Mülheimer Heimatgeschichte, das man gerne vor einem größeren Publikum wiederholen sollte. Was begeistert die Mülheimer Musik-Mundartgruppe am „Musselfränkisch“? So nennt man den Dialekt hier in der Gegend, in der Eifel und die Mosel entlang, der sich bis ins luxemburgische hineinzieht. Man könnte sich fragen: Ist Mundart überhaupt noch „in“? Oft hört man: „Kinder müssen in Hochdeutsch erzogen werden, Mundart ist etwas für das einfache Volk“ und dazu will natürlich niemand gehören, also spricht man lieber Hochdeutsch. Doch das Hochdeutsch ist schließlich auch nichts anderes als eine Sammlung verschiedener Dialekte, zur Vereinheitlichung und Einführung einer Amts-, Standard- und Schriftsprache. Und was macht nun die Mundart aus? Die Gruppe Brennessel findet, es gibt kaum etwas Stärkeres, worüber man seine Heimatverbundenheit erfahren und erleben kann. Hans Baulig findet: „In meiner Mundart kann ich vor allem emotionale Angelegenheiten oft viel besser ausdrücken. Zum Beispiel wird das Wort Liebe nie direkt verwendet, sondern umschrieben: ,,Esch hann desch jähr. Esch hann desch leef. Esch maach desch“. Dialekt ist variantenreicher und im Dialekt kann man vieles kurz und klar benennen. Viele weitere Beispiele finden man im Buch von Winfried Henrichs: Mülheim-Kärlicher Mundart. In diesem Sinn war das Konzert ein hervorragender Beitrag zum Erhalt unserer „Moddersprooch“.

Schlagzeuger Jonas Becker und die Gitarristen Hans Baulig und Herbert Anheier bilden die Gruppe Brennessel. Foto: Günther Mallmann

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Kommentare
Bildergalerien
Neueste Artikel-Kommentare
  • Mirko Walden: Es ging doch darum, dass nicht gewarnt wurde und die Lage nicht erkannt wurde. Ebenfalls wurden keine Maßnahmen umgesetzt. Was ist hierzu passiert? Was bringen neue Sirenen, wenn nicht evakuiert wird?...
  • Dieter Borrmann: Der landschaftlich großartige Weg unterhalb Brauselay über den Conder Kreuzweg nach Cond ist teils unbefestigt, teils sehr glatt, teils steil. Sehr gutes, rutschfestes Schuhwerk (Profilsohle) wird unbedingt angeraten.
  • Bertram: Das ist mittlerweile der 4. Bus der von dieser Marke vollkommen ausbrennt. Des Weiteren berichte die Rhein Zeitung darüber, dass der VREM 37. Busse der ersten Generation vorsichtshalber außer betrieb...
  • Fabian F: Nichts Neues gefühlt ein Bus pro Woche
Dauerauftrag 2026
Hausmeister, bis auf Widerruf
Image Anzeige
Dauerauftrag Imageanzeige
Wohnträume
SO 2 - Wohnträume Sonderseiten, Wohnen
Sonderseite Geschäftsführungswechsel
Anzeige Radiologie & Nuklearmedizin
Empfohlene Artikel
Diese prächtige Aussicht bietet sich Besucher des Olivenhains. Foto: ROB
47

Oliven neigen dazu, die Gemüter zu spalten. Irgendwie gibt es kein Zwischending zwischen „Lecker“ und „Bah“. Die Steinfrüchte werden entweder geschätzt oder mit Missgunst gestraft. Dabei wird die Olive an manchen Stellen möglicherweise unterschätzt. Denn die Qualitäten liegen auf der Hand: Sie pimpt jede noch so schnöde Pizza außerordentlich, schmeckt zum Aperetif und ist irgendwie etwas zum Wohlfühlen: fettig, vollmundig, kräftig.

Weiterlesen

Weitere Artikel
Dauerauftrag Imageanzeige
Wir helfen im Trauerfall
Anzeige "Rund ums Haus"
Rund ums Haus "Baustellen / Wertstoffhöfe"
Titelanzeige KW 15
Wohnträume
Anzeigenauftrag #PR106350-2026-0220#
SO 2 - Wohnträume Sonderseiten- Modernisieren
SO 2 - Wohnträume Sonderseiten -bitte beim Text vom Gartenmarkt
Leiter/in (w/m/d)
Anzeigenauftrag #PR106350-2026-0220#
Anzeige Lagerverkauf
Stellenausschreibung: Betriebshof
10 Jahre Bella Vita Frauenfitness
online Anzeige Konekt Wirges