Allgemeine Berichte | 08.11.2015

Mandolinenclub und Mundartgruppe "Brennessel" spielten ganz besonderes Konzert

Mier schwätzen jähr Platt, ein wahrhaft außergewöhnlicher Abend!

Das Fazit lautete "Müllemer Platt kann so schön sein"

Amüsiert und konzentriert lauschte das Publikum den Vorträgen.Günther Mallmann

Mülheim-Kärlich. Mier schwätzen jähr Platt: das sagt die Mundartgruppe “Brennessel“ aus Mülheim nicht nur so, sondern singt es auch mit Begeisterung. Nun erfolgte  in Zusammenarbeit mit dem Mandolinenclub ein bemerkenswerter Auftritt im mit rund 90 Personen voll besetzten Saal der Mülheimer „Alten Kapelle“, der die Besucher restlos begeisterte. Mal rockig, fetzig, mal sanft und einfühlsam, mal derb und frech, mal nachdenklich, aber immer mit einem hintergründigen Humor wussten die drei Musiker Hans Baulig, Herbert Anheier (mit ihren Gitarren) und der Drummer Jonas Becker die Zuhörer bestens zu unterhalten. Müllemer Platt kann so schön und unheimlich aussagefähig sein. Dieser Meinung waren zum Schluss des Konzertes alle. Mit ihren selbst komponierten Liedern boten die Musiker einen Querschnitt durch das Dorf- und Stadtleben von Mülheim-Kärlich. So wurden alte Bräuche musikalisch wiedererweckt, typische Redewendungen (Ber bess denn dau?, Trääd datt da daar?) und Schimpfwörter (Dreidrohd on Tränedäer) in Noten gepackt. Ebenso tauchten Mülheimer Originale (Lindemann und Schrupps Liesel) und die Verkehrsverhältnisse in der alten Kabellejass (Raschauer in de Kabellejass) in den Liedern auf. Sie sangen von Heimatverbundenheit, alten Zeiten (Wenn de Uba vezehlt), Wetter (Müllem em Rähn) und Liebesglück auf der Boddelwiss. Aber sie stellen auch fest, dass die Zeiten sich geändert haben und Mülheim-Kärlich mittlerweile eine weltoffene, multikulturelle Stadt geworden ist, die sich auch um die Integration der ausländischen Mitbürger bemüht.

Viele alte Worte wiederentdeckt

Das alles in lupenreinem „Müllemer Platt“ mit einer Vielfalt von Ausdrücken, die man leider nur noch selten hört und die man überhaupt nicht oder nur schwer ins Hochdeutsche übersetzen kann.  Was begeistert die Mülheimer Musik-Mundartgruppe am „Musselfränkisch“? So nennt man den Dialekt hier in der Gegend, in der Eifel und die Mosel entlang, der sich bis ins luxemburgische hineinzieht. Sie könnten sich fragen: Ist Mundart überhaupt noch „in“? Oft hört man: ,,Kinder müssen in Hochdeutsch erzogen werden, Mundart ist etwas für das einfache Volk“ und dazu will natürlich niemand gehören, also sprechen sie lieber Hochdeutsch. Doch das Hochdeutsch ist schließlich auch nichts anderes als eine Sammlung verschiedener Dialekte, zur Vereinheitlichung und Einführung einer Amts-, bzw. Standard- und Schriftsprache. Und was macht nun die Mundart aus? Die Gruppe Brennessel findet, es gibt kaum etwas stärkeres, worüber man seine Heimatverbundenheit erfahren und erleben kann. Hans Baulig findet: In meiner Mundart kann ich vor allem emotionale Angelegenheiten oft viel besser ausdrücken. Zum Beispiel wird das Wort Liebe nie direkt verwendet, sondern umschrieben: ,,Esch hann desch jähr. Esch hann desch leef. Esch maach desch“. Dialekt ist variantenreicher und im Dialekt kann man vieles kurz und klar benennen.

Pressemeldung

Mandolinenclub

Mülheim-Kärlich e.V.

"Brennessel" lieferten einen tollen Auftritt.

"Brennessel" lieferten einen tollen Auftritt.

Amüsiert und konzentriert lauschte das Publikum den Vorträgen.Fotos: Günther Mallmann

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