Warnung der Polizei vor Betrugsmasche „Schockanrufe“
Polizei warnt: Erst der Anruf, dann der Schock
Region. Auf die Betrugsmaschen „Enkeltrick“ und „Schockanruf“ hat die Polizei in den zurückliegenden Jahren immer wieder aufmerksam gemacht, leider sind sie wohl nicht auszumerzen. Das liegt insbesondere bei den „Schockanrufen“ auch daran, dass die potenziellen Geschädigten - vorwiegend handelt es sich um ältere Mitbürger mit russischen Wurzeln - aufgrund ihrer teilweise recht abgeschotteten Lebens- und Kulturkreise für die polizeiliche Präventionsarbeit nur schwer erreichbar sind.
Seit Februar sind allein bei der Andernacher Polizei rund 20 dieser Schockanrufe bekannt geworden – und die Dunkelziffer ist aufgrund der Scham der Opfer mutmaßlich hoch. Kennzeichnend ist, dass die Anrufe wellenartig in einer Stadt oder Region registriert werden. Im Raum Andernach war dies am 7./8. sowie 18./19. Februar der Fall und aktuell über die komplette Osterzeit hinweg. In den meisten Fällen bleibt es beim Versuch, aber in mindestens drei Fällen kam es zu Übergaben von vierstelligen Bargeldbeträgen, so auch am Mittwoch, 3. April:
Gegen 9.15 Uhr wurde eine 75-Jährige in Andernach am Telefon so massiv unter Druck gesetzt („Die Schwiegertochter hat einem Unfall verursacht, bei dem ein Kind schwer verletzt wurde. Die Verhaftung kann nur durch Hinterlegung eines hohen Bargeldbetrages vermieden werden…“), dass sie innerhalb weniger Minuten gleich zweimal Geld übergeben hat – an einen ihr völlig unbekannten Mann!
Opfer werden massiv psychischem Druck ausgesetzt
Besonders perfide: Der psychische Druck wurde während des kompletten Telefonates u.a. auch dadurch hoch gehalten, dass die vermeintliche Schwiegertochter schreiend und schluchzend am Telefon zu hören war. Der Geldabholer klingelte noch während des Telefonates an der Haustür, so dass die 75-Jährige überhaupt keine Chance hatte, die Situation in Ruhe zu überdenken, Kontakt zu Angehörigen oder gar der Polizei aufzunehmen.
Gerade dieser nochmals erhöhte zeitliche Druck bzw. der enge zeitliche Ablauf zwischen Anruf und Geldübergabe lässt kaum noch Raum für Hilfe von außen: Wenn der/die Angerufene die Masche nicht sofort erkennt, wird er/sie fast zwangsläufig auch Opfer. Damit hat diese Betrugsmasche eine neue Qualität erreicht, denn der Unsicherheitsfaktor „Gang zur Bank“ - wie etwa beim Enkeltrick - fällt für die Täter damit weg.
Von daher wundert es nicht, dass die Masche „Schockanrufe“ in Rheinland-Pfalz seit 2012 dem „Enkeltrick“ sowohl quantitativ als auch was die Schadenssummen betrifft den Rang abgelaufen hat.
Bei den Präventionsbemühungen setzt die Polizei in erster Linie auf die (jüngeren) Angehörigen der potenziellen Opfer, die die Senioren ihres Familienkreises wappnen.
Was tun, wenn Sie einen solchen Anruf erhalten:
Seien Sie misstrauisch, wenn sich Personen am Telefon als Verwandte oder Bekannte ausgeben, die Sie als solche nicht erkennen.
Gehen Sie nicht auf die Forderungen ein, prägen Sie sich jedoch die Stimme und sprachlichen Besonderheiten des Anrufers ein.
Notieren Sie sich die Telefonnummer des Anrufers, wenn Sie in Ihrem Telefon angezeigt wird.
Wenn Sie zu einem Rückruf aufgefordert werden: Notieren Sie sich die Rufnummer. Sie beginnt meistens mit der Vorwahl für Litauen 0037….
Rufen Sie nicht zurück!
Geben Sie kein Geld in fremde Hände!
Wenden Sie sich unverzüglich an Ihre nächste Polizeidienststelle: Notrufnummer 110.
Da die Geschädigten fast ausnahmslos dem russischen Kulturkreis angehören, hält die Polizei die Präventionsflyer und -hinweise inzwischen auch in russischer Sprache vor.
Weitere Informationen zum Hintergrund der Betrugsmasche und mehr Präventionstipps finden Sie auch im Internet unter www.polizei-beratung.de
Pressemitteilung der
Polizeiinspektion Andernach
