Morsche Bäume in der Weißenthurmer Bahnhofstraße
„Wir handeln, wie es unsere Pflicht ist“
Bürgermeister Gerd Heim weist Untätigkeitsvorwurf zurück
Weißenthurm. Mit Argwohn blicken einige Weißenthurmer Bürger auf den Zustand der Lindenbäume in der Bahnhofstraße. Diese Sorge brachte ein Anwohner in einem Leserbrief zum Ausdruck (siehe BLICK aktuell Weißenthurm Nr. 32/2015). Faul, krank und teilweise hohl seien die Linden und stellen somit durch herunterfallende Äste eine Lebensgefahr dar. Hintergrund dieser Annahme ist ein Fall aus Trier: Im November 2012 starb dort eine Passantin, nachdem sie von einem herunterfallenden Ast einer morschen Kastanie getroffen wurde. Das Landgericht Trier stellte fest, dass der zuständige Gärtner versäumt hatte, den Baum gründlich zu untersuchen und wurde der fahrlässigen Tötung schuldig gesprochen. Solch ein Unglück soll in Weißenthurm vermieden werden, doch wirft der Autor des Leserbriefs nun Bürgermeister Gerd Heim vor, dass diese Versäumnisse bereits geschehen seien.
„Die Stadt handelt nicht“, lautet der Kernsatz. Und: „... die Sicherheit der Bevölkerung ist ein Fremdwort.“ Zur Untermauerung der These, dass sich die Bäume in sehr marodem Zustand befinden, zeigt ein Leserfoto den Pilzbefall einer gefällten Linde. Diese besteht nur noch aus Rinde; das Bauminnere ist völlig „zerfressen“. Die sofortige Fällung aller Bäume in der betreffenden Straße wird gefordert. Bürgermeister Heim sieht die Situation allerdings völlig anders und die Sorgfaltspflicht der Stadt erfüllt. „Die Bäume in unserer Stadt sind natürlich ein ständiges und wiederkehrendes Thema“, so der Weißenthurmer Stadtchef, der sich der Baumthematik besonders angenommen hat. Dies gelte nicht nur für das Stadtgebiet. Auf Heims Anregung hin wurde auf Verbandsgemeindeebene ein Baumkataster eingeführt. Dieses Kataster stellt für alle Städte und Ortsgemeinde eine Baumbestandsliste zur Verfügung, die in kommunaler Verantwortung stehen.
Stadt überwacht Bäume
Daraus resultiert auch die Pflicht, die Bäume zu überwachen und bei Bedarf entsprechende Pflege- und Rückschnitte durchzuführen. Die Baumbestände stehen also im Fokus, das gelte auch für die Linden in Bahnhofstraße. Dass unerwarteter Astbruch dennoch nie zu vermeiden ist, weiß auch Gerd Heim. Und geht ein massiver Ast plötzlich zu Boden, muss ein Baumgutachter bestellt werden. „Wir haben in solchen Fällen wenig Spielraum und sind immer gezwungen zu handeln.“ Als an anderer Stelle im Stadtgebiet ein Astbruch einen Baumfachmann auf den Plan rief, stellte dieser einen Pilzbefall an 19 Bäumen fest, was einen massiven und kostenintensiven Rückschnitt zur Folge hatte. Für Heim hat der geäußerte Vorwurf der Untätigkeit von Seiten der Stadt also keinen haltbaren Hintergrund. Das Gegenteil sei der Fall und besonders die Linden in der Bahnhofsstraße werden überwacht: Im Dezember 2014 hatte ein durch die Stadt beauftragter Gutachter die Bäume der Bahnhofstraße untersucht. Auf dessen Ergebnis hin wurden Rückschnitte durchgeführt und drei Bäume sofort gefällt. „Wir kommen den Erkenntnissen des Baumgutachters nach. Wir handeln, wie es unsere Pflicht ist“, so Heim. Und diese Pflichterfüllung kommt laut Heim ziemlich genau den Forderungen in dem Leserbrief nach.
Gerd Heim ist sich bewusst, dass Baumfällarbeiten eine Diskussion mit sich bringen, die emotional geführt wird. Dies übrigens nicht nur von den Befürwortern des kompletten Kahlschlags. Städtische Mitarbeiter, die mit Rückschnittmaßnahmen beschäftigt waren, wurden in unverschämter Weise beleidigt und gar körperlich attackiert. Gerd Heim ist jedoch nicht gewillt, ein solches Verhalten zu tolerieren und kündigt Sanktionen an, sollte dies wiederholt geschehen. „So eine Vorgehensweise werden wir nicht hinnehmen und in Zukunft zur Anzeige bringen.“
Umso mehr wünscht sich der Weißenthurmer Stadtchef mehr Sachlichkeit bei dieser Diskussion und bietet dazu auch eine Möglichkeit.
Bürger können sich über Problematik informieren
„Mit den Anliegern der Bahnhofsstraße wird im Herbst ein Gespräch stattfinden, bei denen sich die Bürger über die Problematik eingehend informieren können.“ Einladungen mit dem genauen Termin werden bald an die Anwohner zugestellt werden.
Um das Baumproblem zu lösen, schlägt Heim noch ein Motto vor, welcher er in der Stadt gerne verinnerlicht haben möchte: „Nur gemeinsam macht nicht einsam.“
ROB
