Becker Hörakustik feierte 90-jähriges Firmenjubiläum
Hören macht Freude
Operngala für Feunde, Geschäftspartner und Kunden im Görreshaus
Koblenz. Das Familienunternehmen Becker Hörakustik blickt in diesem Jahr auf neunzig Jahre Firmengeschichte zurück. 1925 wurde das Unternehmen durch Andreas Becker zunächst als „Brillen-Becker“ gegründet. Die ersten Hörgeräte kamen auf den Markt und Becker wurde zum Mitbegründer des Berufsstandes „Hörgeräteakustiker“. Heute wird das seit 1982 als Becker Hörakustik firmierende Unternehmen von der Tochter des Firmengründers, Brigitte Hilgert-Becker, und ihren Kindern, Dan Hilgert-Becker sowie Eva Keil-Becker, geführt - immer das Ziel im Auge, den Kunden durch besseres Hören eine bessere Lebensqualität zu ermöglichen. Zusammen mit „all denen, denen wir zu mehr Freude am Hören verhelfen konnten“ und denen, die einen Beitrag dazu leisteten, feierte das Hörakustik-Unternehmen nun sein Jubiläum mit einer als „Hören macht Freude“ betitelten Operngala im Görreshaus. Als Solisten bestritten das Konzert das aus Südafrika stammende Ehepaar Estelle Kruger (Sopran) und Jaco Venter (Bariton). Letzterer hatte die Idee zu dieser Operngala eingebracht, wie Brigitte Hilgert-Becker erzählte. Er, der selbst hörgeschädigt ist und ein Hörgerät trägt, weiß genau, welch hohen Stellenwert Musik für die Lebensqualität vieler seiner Leidensgenossen hat. Ein guter Grund für die beiden Sänger, ihren musikalischen Beitrag dem Unternehmen Becker zum Geburtstag zu schenken. Damit möglichst viele das Konzert erleben und das Jubiläum mitfeiern konnten, wurde die Veranstaltung nachmittags und abends angeboten, beide Male war sie bis auf den letzten Platz besetzt. Aber leichte Kost war es nicht, die das Unternehmen seinen Gästen da bot. Die Gesangsstücke handelten von Intrigen, Eifersucht, Rachsucht und Verzweiflung. Jaco Venter sang den Prolog aus Leoncavallos „Pagliacci“ und monologisierte singend als Sir John Falstaff (Verdi) über die Ehre. In mehr stürmischen als harmonischen Duetten mit Estelle Kruger pendelten die Arien von Verdi (Simon Boccanegra und Rigoletto) und Donizetti (Lucia di Lammermoor) zwischen Einklang und Zwietracht. Estelle Kruger, manch einem noch aus der Zeit (2001 bis 2011) bekannt, als sie am Theater Koblenz engagiert war, erfreute das Publikum mit den Arien „Der Hölle Rache“ aus Mozarts Zauberflöte und „Je veux vivre“ aus Gounods „Roméo et Juliette“. Dabei brillierte die Sängerin besonders mit dem Facettenreichtum ihrer Stimme und einem scheinbar mühelosen Erreichen von Spitzentönen. Ihr Gesangspartner Jaco Venter begeisterte das Publikum mit seiner kräftigen Baritonstimme sowie einer leidenschaftlichen, schauspielerisch begleiteten Interpretation der Lieder, die seine große Spielfreude zum Ausdruck brachte.
Ohne Orchester
Die vokale Darbietung erzielte umso mehr Aufmerksamkeit, da die beiden erfahrenen Sänger ohne Orchester konzertierten. Einzige, dafür aber höchsten Hörgenuss bietende musikalische Begleitung war der Flügel, gespielt von dem Pianisten Karsten Huschke, Studienleiter des Theaters Koblenz. Immer dezent, immer passgenau - schlichtweg hervorragend. Eine, im wahrsten Sinne des Wortes große Bühne hatten die Musiker nicht. Denn der Görressaal bot ihnen an diesem Tag nur einen kammermusikalisch intimen Rahmen, der gewährleistete, dass das Publikum nicht nur mit dem Ohr ganz nah bei den Musikern war. Dennoch konnte die Überzahl der Zuhörer das Gesungene nicht verstehen, denn die Arien und Duette wurden vorwiegend italienisch vorgetragen. Im Theater oder an großen Opernhäusern helfen bei fremdsprachigen Operntexten die Übertitel. Die gab es im Görressaal jedoch nicht. Dafür gab es Barbara Harnischfeger, die vormalige Koblenzer SWR-Studioleiterin. Dank Ihrer Moderation erfuhr das Publikum, warum und worüber gesungen wurde, was sich anderenfalls nur eingefleischten Opernfreunden erschlossen hätte. Harnischfeger gab kurze und kurzweilige Einführungen zu den jeweiligen Arien-Szenen und übersetzte relevante Textzeilen in Deutsch. Außerdem stellte sie die Musiker vor und reicherte die Gala mit Informationen zur Unternehmensgeschichte sowie verschiedenen Interviews an. Zu den Interviewpartnern gehörten natürlich Mutter, Tochter und Sohn Becker, die in wenigen Sätzen ihren jeweiligen Beruf skizzierten. Da Firmentreue, ähnlich wie Tradition, im Hause Becker groß geschrieben wird, erwähnten sie drei der langjährigsten Mitarbeiter sogar namentlich. Jubiläums-Gratulant Jakob Stephan Baschab, Hauptgeschäftsführer der Bundesinnung der Hörgeräteakustiker, bedankte sich besonders für das umfangreiche Engagement des Hauses in Selbsthilfegruppen und berufsständischen Organisationen. Joachim Seuling, Behindertenbeauftragter der Stadt Koblenz, selber stark hörgeschädigt, gab eine kurze Erklärung zu der Funktion von Hörimplantaten. Seinen Eindruck des Konzerts kommentierte er mit „schön, aber anstrengend“, denn die Komplexität der Musik zu erfassen, ist für Implantatträger nur mit viel Training und Erfahrung möglich. Die leichtere Musik der drei Zugaben aus Operette und Musical war vermutlich weniger anstrengend. Das Paar im Duett „Lippen schweigen“ aus Lehars Lustiger Witwe singen zu hören, ihnen beim Walzertanz zuzuschauen, war ein anrührender Höhepunkt des Konzerts. Estelle Kruger machte das träumerische Verzücken perfekt, indem sie das berühmte Vilja-Lied aus der selben Operette mit sehnsuchtsvoll gefärbter Stimme interpretierte. „The impossible dream“ aus dem Musical „Man of la Mancha“ träumte Jaco Venter zum krönenden Konzertabschluss. Ein Lied, das auf ihn und seine Stimme wie zugeschnitten erschien. Die Musik ist für den großartigen Sänger ganz offenbar die Sprache der Leidenschaft, um es mit Richard Wagner zu sagen.
Im Interview mit (r.) Barbara Harnischfeger: (v.li.) Eva Keil-Becker, Brigitte und Dan Hilgert-Becker.
Mit ihrer wunderbaren Stimme beeindruckte Estelle Kruger das Publikum.
Estelle Kruger und Jaco Venter in einem von Zorn und Verzweiflung geprägten Duett, begleitet von Karsten Huschke am Flügel.