Wettbewerb der Wirtschaftsjunioren wurde im Raiffeisencampus in Dernbach ausgetragen
Pfiffige Schüler kennen sich in der Wirtschaft aus
40 Finalisten kämpften um den Bundessieg – Junge Unternehmer wollen Interesse wecken
Montabaur. „Wirtschaftswissen im Wettbewerb“ wird seit über 20 Jahren von 60 Wirtschaftsjuniorenkreisen in Deutschland ausgetragen, mit jeweils zwischen 3.000 und 5.000 Teilnehmern. Teilnehmer sind Schüler der neunten Klassen von Gymnasien und Realschulen. Ihre Aufgabe ist es, passend zum Lehrplan Fragen zur Wirtschaft in einem Quiz zu beantworten. In diesem Jahr fand das Bundesfinale in Rheinland-Pfalz statt, genau gesagt im Westerwaldkreis.
Der Wettbewerb wird zunächst auf Kreisebene ausgetragen und steigert sich dann bis zum „schlauesten Schüler Deutschlands“. Zu dem Finale am vergangenen Wochenende in Montabaur und Dernbach reisten 40 Schüler aus ganz Deutschland an. Sie wurden im Schloss Montabaur beherbergt. Der Test fand am Samstagmorgen auf dem Raiffeisencampus in Dernbach statt. Der Sinn des Wettbewerbs ist es, das Interesse an wirtschaftlichen und politischen Themen zu wecken.
Wirtschaftsjunioren sind aktiv in den Schulen
Bernhard Meffert, Leiter des Raiffeisencampus Dernbach, sagt aus eigener Erfahrung: „Die Wirtschaftsjunioren engagieren sich sehr für die Schulen, ohne dass sie direkt etwas davon haben. Die regionalen Vertreter kommen in die Schulen und arbeiten dort zusammen mit den Schülern. In den letzten beiden Jahren waren wir mit Teilnehmern im Bundesfinale vertreten, diesmal leider nicht.“ Die Region wurde aber vertreten, nämlich von einem Schüler des Kannenbäckerland-Gymnasiums in Höhr-Grenzhausen und einem aus dem Kreis Ahrweiler.
Gewonnen hat jedoch ein Schüler aus Bayern: Das beste Ergebnis im Wirtschaftswissen-Test erzielte Jannick Heidler aus Bayreuth. Zweiter wurde ebenfalls ein bayerischer Schüler, nämlich Leonard Quedrau aus Nürnberg. Auf dem dritten Platz demonstrierte Karlotta Blume aus Wuppertal das gute Fachwissen der weiblichen Teilnehmerinnen und der Finalisten aus den nördlicheren Bundesländern.
Florian Glossner ist Bundesvorsitzender der Wirtschaftsjunioren Deutschland. Auf der Pressekonferenz in Montabaur sagte er: „Wir bemühen uns, alle Schulformen anzusprechen.“ Und Nils Passau aus Kiel, Mitglied im Deutschland-Vorstand, ergänzt: „Wir sehen das als gesamtgesellschaftlichen Auftrag, Wissen zu vermitteln.“
Gut informiert in das Berufsleben starten
Roland Walta ist Kreissprecher der Wirtschaftsjunioren Westerwald. Er verweist auf die vielen anderen Aktivitäten der Wirtschaftsjunioren mit ihren Jugendprogrammen: „Wir vermitteln auch Praktika, Ausbildungsplätze und Integrationsplätze. Diese Programme setzen aber erst für ältere Jahrgänge ein.“
In dem Test „Wirtschaftswissen“ geht es um allgemeine wirtschaftliche Fragen, zum Beispiel, was eine Umsatzsteuer ist und was eine Mehrwertsteuer. Roland Walta: „Es geht darum, Interesse zu wecken, auch Interesse an den Unternehmen in der Region. Wir haben hier im Westerwald viele Hidden Champions, die sehr interessante Karrieren anbieten können.“
Schulleiter Meffert beugte möglicher Kritik an dem Wettbewerb und dem Engagement der Jungunternehmer vor: „Es geht nicht um unkritischen Ökonomismus – behandelt werden durchaus auch kritische Aspekte von Wirtschaft und Unternehmertum. Aber: Wettbewerb, Wirtschaft und Unternehmertum sind nicht grundsätzlich unsozial.“
IHK-Regionalgeschäftsführer Richard Hover sieht ebenfalls viele Vorteile in dem Wettbewerb: „Viele Unternehmen hier aus der Region – fast 30 – unterstützen den Wettbewerb. Der Westerwaldkreis und die Wirtschaftsförderungsgesellschaft ebenfalls.“
Kluge Köpfe in Montabaur
Die 40 Finalteilnehmer reisten am Freitagabend in Montabaur an. Für sie fand auf Schloss Montabaur ein Abendprogramm mit VG-Bürgermeister Ulrich Richter-Hopprich, Vertretern der Wirtschaftsförderungsgesellschaft und der ADG-Business-School statt. Nach dem gemeinsamen Abendessen bestand Gelegenheit zum Kennenlernen.
Nach dem Frühstück am Samstagmorgen um 7 Uhr begann auf dem Raiffeisencampus in Dernbach der circa eine Stunde dauernde Test. Im Verlauf des Tages hatten die Schülerinnen und Schüler anschließend Gelegenheit, vier Unternehmen der Region zu besichtigen: Systemceram, das Aldi Zentrallager, die Firma Huf-Haus und das Unternehmen Modultechnik. Am Nachmittag wurde wieder der Sportsgeist gefördert mit einer Stadtrallye durch Montabaur. Zum Abendprogramm mit Preisverleihung hielt Landrat Achim Schwickert eine Ansprache vor den Wettbewerbsteilnehmern und ein Zauberer beeindruckte mit seiner Magiershow. Schwickert sagte: „Ihr habt viel Spezialwissen angesammelt. Aber wir brauchen in Zukunft immer weniger Spezialisten. Das sind immer häufiger Aufgaben, die von Maschinen übernommen werden können. Was wir brauchen, sind Generalisten, die noch Zusammenhänge verstehen und anwenden können.“
Bundesvorsitzender Glossner sagte im Gespräch mit „BLICK aktuell“ zu den aktuellen Themen der Wirtschaftsjunioren: „Wir wollen die Einführung des Fachs Wirtschaft in den Schulen. Außerdem ist unsere junge Generation im Bundestag unterrepräsentiert. Es muss auch der Politik klar werden, dass wir mit unseren Unternehmen uns um Fachkräfte viel mehr kümmern müssen als große Dax-Konzerne. Ein ganz großes Thema für uns ist die neue Arbeitswelt mit der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Aber das sind Fragen, die lösen wir nicht mehr national, sondern nur noch international. Deshalb schafft der Wettbewerb eine Grundlage für unsere Arbeit.“
Eine Frage im finalen Wettbewerb war, wieviel die Kantenlänge des gesamten Goldes auf der Erde beträgt. Eine weitere Frage war regionaler Natur: Wie hoch ist der höchste Berg im Westerwald (die Antwort: die Fuchskaute mit 656 Meter). Die wenigsten richtigen Antworten gab es auf die Frage, in welchem Geschäftsfeld ein Buchmacher tätig ist.
Gold für junge Wirtschafts-Profis
Alle 40 Finalteilnehmer bekamen eine Urkunde ausgehändigt. Für die drei Erstplatzierten lohnte sich der Erfolg auch materiell: Gestiftet von der Westerwald-Bank erhielt jeder ein kleines Stück Gold, der Erstplatzierte 6 Gramm, der Zweite 4 Gramm und für Platz Drei gab es 2 Gramm Gold. Aktuell liegt der Wert bei ca. 36 Euro pro Gramm. Andreas Veith von der Westerwald-Bank, der im Rahmen der Schulpatenschaften des Instituts den Raiffeisen-Campus betreut, sagte gegenüber „BLICK aktuell“: „Uns als Mitsponsor des Wettbewerbs war es wichtig, dass die Erstplatzierten auch ein wertiges Souvenir mit nach Hause nehmen können.“ Nach der Preisverleihung hatten die Schülerinnen und Schüler mit den Wirtschaftsjunioren beim Abendessen noch ausreichend Gelegenheit, Erfahrungen und Informationen auszutauschen.
Bayern und Nordrhein-Westfalen hatten die Nase vorn im Bundesfinale des Schülerwettbewerbs „Wirtschaftswissen“: (V.l.) Bundessieger Jannick Heidler, Zweitplatzierter Leonard Quedrau und die Drittplatzierte Karlotta Blume.
