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Tagsüber Pflegeeinrichtung – abends wieder ins gewohnte Umfeld
Seniorenzentrum Ignatius-Lötschert-Haus eröffnet Tagespflege und feiert ein Sommerfest
Horbach. „Jesus war für die Menschen da, die Hilfe brauchen.“ Mit diesem Satz würdigte der ehemalige Bezirksdekan Pfarrer Heinz-Walter Barthenheier die tätige Nächstenliebe des seit 50 Jahren bestehenden Ignatius-Lötschert-Hauses in seiner Predigt in der Heiligen Messe anlässlich der Eröffnung der Tagespflege. Der jetzige Träger, die „Dernbacher Gruppe Katharina Kasper“, und vorher viele Jahrzehnte lang die „Barmherzigen Brüder“, hätten mit ihrer Sorge um die älteren und pflegebedürftigen Menschen einen wichtigen Dienst an der Gesellschaft geleistet.
Christliche Motivation
„Das Alter hat seinen eigenen Wert.“ – Das Leitbild des Ignatius-Lötschert-Hauses betone die Einheit von Leib und Seele und Geist. Deshalb gelte es, den Bewohnern einen Lebensraum zu gestalten, in dem sie Lebenssinn erfahren und sich im Rahmen der Möglichkeiten entfalten könnten, strich Barthenheier heraus. Für diese Hilfestellung bedürfe es christlich motivierter Mitarbeiter. „Wer den Willen Gottes erfüllt, der ist für mich Bruder und Schwester und Mutter.“ Wer Bruder oder Schwester Jesu sei, verpflichte sich, mit allen Menschen geschwisterlich umzugehen. „Er ist bereit, mütterlich, sorgend und achtsam auf die Mitmenschen einzugehen. Letztlich ist es der Wille Gottes, den Nächsten anzunehmen, wie einen Bruder, wie eine Schwester.“
Bedarfsorientierte Tagespflege
Elisabeth Disteldorf beleuchtete als Geschäftsführerin des Ignatius-Lötschert-Hauses in ihrem Grußwort die demografischen Herausforderungen und den gravierenden Pflegekräftemangel, auf den das Haus seit der Übernahme durch die „Dernbacher Gruppe Katharina Kasper“ im Jahr 2017 mit einer „pflegerischen Versorgungskette“, das heißt „ambulant – teil-stationär und stationär inklusive einer Vernetzung im Quartier“ reagiere. „Wir bieten unseren Kunden nicht das an, was wir haben, sondern das, was sie brauchen.“ Am Standort Horbach würden nun tagsüber ältere Menschen betreut, die ansonsten zuhause lebten und zum Beispiel von Familienmitgliedern versorgt würden. Diese könnten nun an einem oder mehreren Tagen in der Woche von morgens bis zum späten Nachmittag die Tagespflege besuchen. Durch aktivierende Pflege und soziale Betreuung solle die Selbständigkeit der Menschen aufrechterhalten bleiben und die pflegenden Angehörigen entlastet werden. „Ein Seniorenzentrum wie unseres hier in Horbach lebt durch die Menschen, die dort tätig sind. Ohne unsere engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wäre das Ignatius-Lötschert-Haus nicht das, was es heute ist“, lobte Disteldorf die Dienstgemeinschaft.
Gegen Einsamkeit
Uli Schmidt freute sich als Vorsitzender des Fördervereins des Ignatius-Lötschert-Hauses über die Tagespflege, die jetzt im Buchfinkenland angeboten werde. „Wenn wir gesellschaftlich eines nicht brauchen können, dann ist es Stillstand“, lobte er die Weiterentwicklung des Hauses bei gleichbleibenden hohen Qualitätsstandards. „Wir haben als Förderverein zwar nicht viel Geld, aber Ideen für die Zukunft und sind auch dann wie in der Vergangenheit dabei, diese Ideen für die Zukunft umzusetzen. Und wir sagen auch ab und zu einmal was, was nicht allen passt“, charakterisierte er das Selbstverständnis des Fördervereins. Die Tagespflege sei eine wichtige Initiative gegen die Einsamkeit. „Sie schafft Begegnung, sie schafft Abwechslung, Geselligkeit und vor allem soziale Kontakte – und das alles in einer pflegerisch betreuten Umgebung.“ Ein wichtiges Ziel sei auch für den Förderverein, in der Tagespflege die Alltagskompetenz für die zu pflegenden Menschen zu erhalten, um möglichst lange zuhause wohnen zu können. Die Ankündigung der Bundesregierung, 13.000 Pflegefachkräfte neu einzustellen, bewertete Schmidt pessimistisch. Diese Fachkräfte seien in dieser Zahl gar nicht vorhanden. „Das ist ungefähr so, als wenn ich zum Radrennen gehe, und ich habe kein Fahrrad!“ Zwei Drittel der Pflege in Deutschland werde von den Angehörigen geleistet. „Wenn es die nicht gäbe, würde die ganze Pflege zusammenbrechen.“ Deshalb sei deren Entlastung ein ganz wichtiger Aspekt.
Wohnortnähe und Ehrenamtlichkeit
Ortsbürgermeister Christoph Büttner betonte in seinem Grußwort die Bedeutung des Ignatius-Lötschert-Hauses für die Gemeinden im Buchfinkenland, das heißt für Hübingen, Gackenbach und Horbach. „Eine wohnortnahe Pflegeversorgung ist wichtig. Die Erweiterung des Hauses durch die Tagespflege kommt den Bürgerinnen und Bürgern unserer Gemeinden ganz stark zugute.“ Einrichtungsleiter Franz Schmitz freute sich über die bis auf den letzten Platz gefüllte Hauskappelle und lobte neben dem Engagement der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter das Engagement der 30 Ehrenamtler.
Entlastung für Angehörige
Für Krankenschwester Theresa Zimmer ist die Arbeit in der Tagespflege die Erfüllung eines lang gehegten Traumes, verrät sie im Gespräch mit BLICK aktuell. Vorher hatte sie 28 Jahre im normalen Stationsalltag im Krankenhaus in Montabaur gearbeitet. „Ich habe festgestellt, dass es mit den alten Menschen oft Schwierigkeiten gibt, sie zu beschäftigen. Da fehlte irgendwas.“ Deshalb habe sie sich weitergebildet in Richtung Betreuung Demenzkranker. „Die Arbeit in der Tagespflege ist da das Ideale.“ Angehörige bluteten langfristig aus, wenn sie ständig ihre Angehörigen betreuten. „Wenn dann zum Beispiel ein Tag in der Woche wäre, an dem sie mal in Ruhe zum Arzt oder zum Frisör gehen könnten, nähme das richtig viel Stress heraus. Das tut den Angehörigen richtig gut!“ Ganz viele sagten: „Hätte ich das mal früher gewusst, dann hätte ich das schon lange gemacht.“
Ein einfaches Lied kann das Strahlen erwecken
Oft müsse man Blockaden und Mauern in den Köpfen „ein bisschen niederreißen“, findet Zimmer. „Sie denken, sie schieben die Menschen ab, aber das ist ja nicht so!“ Wichtige Werte sind für Zimmer auch die Milieugestaltung, das heißt zum Beispiel auch die Einrichtung der Tagespflege mit Möbeln, die der Generation vertraut sind, sowie das biografieorientierte Arbeiten. „Erinnerungsarbeit spielt da mit hinein, alte Musik zu hören zum Beispiel.“
Erst säßen viele in sich gekehrt da, und wenn dann ein ihnen bekanntes Lied, wie zum Beispiel „Wir wollen niemals auseinandergehen“, gespielt werde, hebe sich der Blick, ein Lachen trete in die Augen. „Das ist faszinierend zu sehen, was man da mit einfachen Mitteln alles erreichen kann.“
Vorbild Katharina Kasper
Weil Zimmer in der Tagespflege sehr viel Wert auf die Beziehungspflege legen kann, sei das Arbeiten dort für sie sehr befriedigend. „Dadurch, dass ich auf jeden individuell eingehen kann, erlebe ich als Pflegekraft sehr viele wertvolle Momente.“ Gefragt nach einem Vorbild, antwortet Zimmer: „Die Katharina Kasper begleitet mich schon lange in meinem Leben. Die hat mich sozusagen motiviert, diese Ausbildung als Krankenschwester zu machen, weil sie den Menschen so nah war. Das hat mir sehr imponiert. Dem wollte ich nachfolgen.“
Umfangreiches Angebot in der Tagespflege
Die Tagespflege des Ignatius-Lötschert-Hauses kann an bis zu fünf Werktagen genutzt werden. Bei Bedarf gibt es einen behindertengerechten Fahrdienst. Der Tag wird strukturiert durch gemeinsame Mahlzeiten (Frühstück, Mittagessen, Kaffee und Kuchen und Zwischenmahlzeiten), sowie ganzheitliche Betreuung und Pflege durch Fachpersonal. Deren Dienst umfasst die Durchführung ärztlicher Verordnungen (zum Beispiel Medikamentenversorgung und Verbandswechsel), aber auch regelmäßige Angebote wie Gymnastik, Spiele, Singen, Kochen und vieles mehr. Auch Ausflüge und Marktbesuche werden gemacht. Die Freizeitangebote des Ignatius-Lötschert-Hauses stehen auch den Teilnehmern der Tagespflege offen. Nach einem Erstgespräch und einem Kennenlernen zuhause gibt es die Möglichkeit für einen kostenlosen Probetag.
Weitere Dienstleistungen sind die Beratung in Fragen der ambulanten und stationären Pflege, die Vermittlung von Krankengymnastik, Ergotherapie und Logopädie, die Vermittlung von Frisör, Fußpflege, Podologin und Schneiderin sowie eine seelsorgerliche Betreuung und Begleitung zu Gottesdiensten.
Die Tagespflege ist montags bis freitags von 8 bis 16 Uhr geöffnet.
Ansprechpartner ist Franz Schmitz (Einrichtungsleiter), Tel. (0 64 39) 89 0, Fax (0 64 39) 89 48, E-Mail info@seniorenzentrum-horbach.de, www.seniorenzentrum-horbach.de.
Das Haus ist modern ausgestattet, aber das Mobiliar ist gezielt so gehalten, dass es dem gewohnten Umfeld der Tagespflege-Gäste entspricht.
Geschäftsführer Manfred Sunderhaus (li.) freut sich, zur Eröffnung der neuen Tagespflege im Ignatius-Lötschert-Haus zahlreiche Ehrengäste begrüßen zu dürfen: Verbandsbürgermeister Ulrich Richter-Hopprich, Geschäftsführerin Elisabeth Disteldorf, Ortsbürgermeister Christoph Büttner, Einrichtungsleiter Franz Schmitz und Fördervereinsvorsitzender Uli Schmidt. Fotos: -GBA-
