Siegfried Pater aus Bonn zu Gast in Adenau
„Angst vorm schwarzen Mann“
(Vor-)Urteile zur Dritten Welt in kritischer Betrachtung
Adenau. Lateinamerika, Afrika und Asien. Winfried Sander konnte als einer der Koordinatoren der diesjährigen Millenniums-Woche in der Verbandsgemeinde Adenau einen weit gereisten und vielfach engagierten Mann in der Komturei in Adenau begrüßen, nämlich Siegfried Pater aus Bonn: 40 Bücher, etliche Filme, Arbeiten als Journalist und Entwicklungshelfer, Menschenrechtler, die Liste seiner Aktivitäten ist lang. „Die Angst vorm schwarzen Mann - unsere (Vor-)Urteile zur Dritten Welt in kritischer Betrachtung“, war der Titel seines Vortrags. Pater ist der sicher richtigen Auffassung, dass alle - ob weiß oder schwarz - wechselseitig von Vorurteilen befallen sind, ja: Vorurteile sind aus einer Sicht sogar nötig, um sich in der Welt zurechtzufinden. Jeder Mensch beäugt das, was ihm fremd ist, zunächst mit äußerster Vorsicht, es könnte ihm ja schaden. Erst die notwendige Auseinandersetzung mit dem Neuen, dem „Fremden“ führt nach einem Abwägungsprozess zur Entscheidung, ob es gefällt. Pater hatte viele Bereiche und viele selbst erlebte Beispiele zur Hand, um seine Auffassung konkret zu untermauern: Unterschiedliche und teils abstruse wechselseitige Vorstellungen zu Krankheiten, zur Sauberkeit im Alltag, zur Religion, zur Bildung prägen aus seiner persönlichen Erfahrung das Bild vom und über den jeweils anderen. Eine besondere Rolle spielen inzwischen dabei die Massenmedien, die über das RTL-Satellitenfernsehen oder das Internet ungefiltert über Abertausende von Kilometern hinweg Bilder in die „letzten Winkel der Erde“ liefern, wenn Menschen in Europa, in Deutschland in Containern leben, sich dort beim Duschen oder anderen intimen Verrichtungen zuschauen lassen - absolutes Unverständnis ist die Folge für das Verständnis der deutschen Kultur.
Aber auch vor Ort, zum Beispiel in China, wenn Pater in Diskussionen mit dortigen Germanistik-Studenten erfährt, dass keiner von ihnen den ihm persönlich gut bekannten deutschen Literatur-Nobelpreisträger (Heinrich) Böll kennt, (Dieter) Bohlen aus den Medien allerdings sehr wohl kennen.
Unsere Vorstellungen von anderen Religionen, beispielsweise unsere gängigen stereotypen Vorstellungen vom Islam, der Pater dagegen in Indonesien, dem größten islamischen Land, als ein offenes und friedliches Bekenntnis begegnet ist, war ein weiterer Aspekt der Betrachtungen - Hilfen zum Abbau der eigenen Vorurteile durch Auseinandersetzung. Als Fazit der Veranstaltung, die ein paar Teilnehmer mehr verdient gehabt hätte, lässt sich festhalten: Es ist wohl ein großer Irrtum, dass wir mit unserem europäischen Fortschritt grundsätzlich und überall offene Türen einlaufen. Ebenso sicher ist allerdings auch, dass die Ängste auf beiden Seiten, die durch Migration - Thema der Millenniumswoche - entstehen, nur dann abgebaut werden können und zu einer fruchtbaren Integration führen, wenn beide Seiten hinreichend Offenheit zur wechselseitigen (besseren) Information entwickeln. Dann ist die Angst vorm weißen oder vorm schwarzen Mann in dieser allgemeinen Formulierung unbegründet.
