Politik | 14.01.2013, 15:28 Uhr

Landessynode der Evangelischen Kirche im Rheinland in Bad Neuenahr

Manfred Rekowski ist neuer Präses

Wuppertaler setzte sich im dritten Wahlgang gegen zwei Mitbewerberinnen durch

Der neue Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Manfred Rekowski, möchte die Ökumene stärken sowie Themen wie Bildungs- und Teilhabegerechtigkeit anpacken.
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Bad Neuenahr. Manfred Rekowski wird neuer Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland. Die Landessynode der rheinischen Kirche wählte den 54-jährigen Theologen vergangenen Donnerstag bei ihrer Tagung in Bad Neuenahr. Im dritten Wahlgang erhielt der Oberkirchenrat, der seit 2011 hauptamtliches Mitglied der Kirchenleitung und Leiter der Personalabteilung im Landeskirchenamt ist, 116 Stimmen. Auf seine Mitbewerberin, Vizepräses Petra Bosse-Huber, entfielen 93 Stimmen. 211 stimmberechtigte Synodale waren beim ersten Wahlgang anwesend gewesen. Die nötigen 106 Stimmen zum Gewinn der Wahl bekam keiner der Kandidierenden. Es stimmten 80 Landessynodale für Rekowski, 75 für Bosse-Huber und 54 für Dr. Ellen Ueberschär, Pfarrerin und Generalsekretärin des Deutschen Evangelischen Kirchentags. Im zweiten Wahlgang gab es 212 Stimmberechtigte. Die nötigen 107 Stimmen zum Gewinn der Wahl erreichte auch beim zweiten Wahlgang niemand. Neben einer Enthaltung fielen 89 Stimmen auf Rekowski, 84 auf Bosse-Huber und 38 auf Ueberschär, die damit beim dritten Wahlgang nicht mehr dabei war. Der künftige Präses tritt am 3. März die Nachfolge von Präses Nikolaus Schneider an, der in den Ruhestand geht. Er wird ein Kirchengebiet mit rund 2.700 Pfarrerinnen und Pfarrern sowie mehr als 85.000 in Kirche und Diakonie Beschäftigten und fast 115.000 im Ehrenamt tätigen Menschen leiten. „Ich spüre das Vertrauen, aber auch die Last der Verantwortung dieses Amtes“, sagte Rekowski in einem ersten Statement. Er sehe sich als „erster Sprecher einer Kirche des Gottes, der sich für Befreiung, Versöhnung, Frieden und Gerechtigkeit einsetzt“. Der neue Präses verwies auf die Herausforderungen und Probleme, vor denen die rheinische Kirche intern steht. Nötig sei eine „Konzentration der Wirkung nach innen, um damit eine Wirkung nach außen entfalten zu können. „Wir freuen uns, Sie als neues Mitglied der Kirchenkonferenz begrüßen zu dürfen“, gratulierte Landesbischof Jochen Bohl, stellvertretender Vorsitzender des Rats der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), dem neu gewählten Präses. Manfred Rekowski verfüge über Erfahrungen mit Strukturveränderungen und über die in Umbruchsituationen nötige Konzentration auf Christus als Mitte und Quelle kirchlichen Tuns. Auch Dr. Markus Dröge, Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, verwies auf Rekowskis Erfahrungen mit Strukturveränderungsprozessen, die dieser sicher konstruktiv in die Kirchenleitung werde einbringen können. Er wünschte ihm „Mut und Freude, das Evangelium in den vielfältigen Aufgaben des Präsesamts zu bezeugen“. NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft wünschte dem designierten Präses Schaffenskraft, Ausdauer und persönliche Zuversicht. Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck sandte seine Glückwünsche. Er hoffte, dass es Rekowski gelinge, das „Zusammenwirken von Glauben und der heutigen Lebenswirklichkeit fortzuführen“.

Lange Erfahrung mit Kirchenämtern

Vor seinem Wechsel ins Landeskirchenamt war Rekowski erster Superintendent des Kirchenkreises Wuppertal, der durch die Fusion der Kirchenkreise Barmen und Elberfeld zu Beginn des Jahres 2005 entstand. Rekowski hat in Bethel, Marburg, Bochum und Wuppertal Theologie studiert. 1986 wurde er Pfarrer in der Kirchengemeinde Wichlinghausen in Wuppertal, wo er seit 1981 lebt.

Parallel dazu war er von 1993 bis 2011 Superintendent in Wuppertal, zunächst des Kirchenkreises Barmen und dann, nach der von ihm vorangetriebenen Kirchenkreisfusion, des Kirchenkreises Wuppertal. Von 2000 bis 2007 hat Manfred Rekowski schon einmal in der rheinischen Kirchenleitung mitgearbeitet - als nebenamtliches theologisches Mitglied. Manfred Rekowski, Vater zweier erwachsener Kinder, ist seit 1980 mit Birgit Rekowski verheiratet, einer Realschullehrerin. Dem Amt des Präses komme eine „Takt gebende Rolle“ zu, betonte Rekowski. Er werde gern initiativ, liebe das offene Wort und Klartext. Als Superintendent in Wuppertal managte er die Fusion der Kirchenkreise Barmen und Elberfeld. Er habe gelernt, „mit Vertrauen ist fast alles möglich“, wie er der Landessynode sagte. Und auch dies ließ er die Synode wissen: „Ohne Schere im Kopf Neues zu denken, ist mir ein Anliegen.“ Seine kirchenleitende Aufgabe sieht er darin, die Kirchenkreise und Gemeinden in ihrer Arbeit zu unterstützen und Lösungen zu ermöglichen. „Erster Sprecher einer vitalen Kirche, die nahe bei den Menschen ist und vielfältige, gute Arbeit leistet“, so beschrieb der gewählte Präses Manfred Rekowski sein neues Amt. „Ich empfinde auch ein wenig Stolz, Sprecher einer solchen Kirche zu sein.“ Denn die rheinische Kirche sei gut aufgestellt, leiste ausgesprochen gute Arbeit, sei nahe bei den Menschen und sehe die gesellschaftlichen Herausforderungen, so Rekowski. Konkrete Schwerpunkte seiner Arbeit nannte der gewählte Präses nicht. „In der Kirche läuft es nicht so, dass der Präses mit einem Masterplan um die Ecke kommt.“ Er müsse stattdessen hinhören, Themen wahrnehmen und Akzente setzen. „Ich bin ein Mensch, der dann situationsgerecht aktiv wird.“ Natürlich sei er von seiner Arbeit in Wuppertal geprägt, wo ein Drittel der Kinder von Hartz IV leben. Und das sei ja an anderen Orten auch so. „Die Themen Bildungsgerechtigkeit und Teilhabegerechtigkeit sind sicher dran“, betonte er.

„Reformbereite und reformfähige Kirche“

Zwar trage seine Wahl gegen zwei Mitbewerberinnen nicht zur Frauenförderung bei, aber dennoch sei er sensible in Genderfragen, versicherte Rekowski. Er ging auf kircheninterne Schwierigkeiten ein, so den Vertrauensverlust durch den Millionenskandal bei der kircheneigenen Firma BBZ (Beihilfe-und-Bezüge-Zentrum) in Bad Dürkheim/Pfalz nach einem missglückten Fondsgeschäft. Dort ist die rheinische Landeskirche alleinige Gesellschafterin. „Großorganisationen, wie auch wir eine sind, haben immer wieder Phasen, in denen sie sich neu sortieren und organisieren müssen. Aber wir sind lernfähig, die rheinische Kirche ist eine reformbereite und reformfähige Kirche“, führte er aus. Rekowski sprach von einer „Ökumene der Umkehrbereiten“. Nicht nur auf Defizite sollte geschaut werden, sondern auf den Grund des Glaubens und damit auf das, was die Kirchen miteinander verbinde. „Wir sollten auf die Wurzeln des gemeinsamen Glaubens scheuen und sehen, was uns verbindet - und das ist eine Menge.“ Allerdings brauche Ökumene viel Geduld. „Das ist ein Langstreckenlauf, gegen den ein Marathon eine Kurzstrecke ist.“ Im Miteinander sollten die Kirchen konkret handeln und könnten so in ökumenischer Gemeinschaft viel bewegen, erklärte er. In Wuppertal sei beispielsweise unlängst ein ökumenisches Hospiz gegründet worden, was keiner zuvor für möglich gehalten habe. „Ich werde keine Kopie von Nikolaus Schneider sein, den ich als Person und Präses sehr schätze“, versicherte er. „Er hat seine Akzente gesetzt und war immer authentisch.“ Auch wenn ihn mit dem noch amtierenden Präses „eine situationsgerechte Präsenz“ verbinde, werde er das Amt auf seine eigene Weise führen und auch in der Evangelischen Kirche in Deutschland das Rheinland vertreten. BÜN

Der neue Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Manfred Rekowski, möchte die Ökumene stärken sowie Themen wie Bildungs- und Teilhabegerechtigkeit anpacken.

Der neue Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Manfred Rekowski, möchte die Ökumene stärken sowie Themen wie Bildungs- und Teilhabegerechtigkeit anpacken.

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