Positive Bilanz nach einem Jahr Zusammenarbeit von Kreis und Arbeitsagentur
Start des neuen Jobcenters Kreis Ahrweiler ist hervorragend gelungen
Jeder Partner brachte seinen Kompetenzen und Stärken bürgernah und bedarfsorientiert ein
Kreis Ahrweiler. Seit nunmehr einem Jahr bündelt das „Jobcenter Landkreis Ahrweiler“ sämtliche bis dahin bei der Arbeitsagentur Mayen und den Sozialämtern angesiedelten Leistungen unter einem Dach. In den drei Geschäftsstellen in Bad Neuenahr-Ahrweiler, Sinzig und Adenau betreuen insgesamt 72 Mitarbeiter (unter ihnen sieben kommunale Mitarbeiter, sechs davon vom Kreis) die aktuell knapp 5000 im Kreisgebiet lebenden Hartz-IV-Empfänger in allen Fragen rund um die Themen „Arbeitsvermittlung“, „Arbeitslosengeld II“ und „Kosten der Unterkunft“.
Auf einer gemeinsamen Pressekonferenz zogen jetzt die Chefin der Agentur für Arbeit Koblenz-Mayen, Ulrike Mohrs, Landrat Dr. Jürgen Pföhler und der Geschäftsführer des Jobcenters, Theo Krayer, eine erste Bilanz. Dabei stand weniger die Entwicklung des Arbeitsmarktes und der Arbeitslosenzahlen im Fokus als vielmehr der „politische Umstellungsprozess“, der - so zeigten sich die Verantwortlichen einig - dank des Engagements aller Beteiligten zu einem erfolgreichen Abschluss gebracht worden sei.
Mammutaufgabe gemeinsam bewältigt
„Jeder Partner bringt seine Kompetenzen und Stärken bürgernah und bedarfsorientiert ein“, lobte Mohrs den Übergang zum gemeinsamen Jobcenter, der nahtlos und ohne Einschränkungen für die Betroffenen habe vollzogen werden können. Landrat Pföhler ergänzte: „Vor uns lag eine Mammutaufgabe, die wir gemeinsam bewältigt haben. Der Start des Jobcenters ist gelungen.“ Einen ausdrücklichen Dank richtete Pföhler auch an die Mitarbeiter der Sozialämter, die den Umstellungsprozess begleitet hätten.“ Für den Kreis bringe das neue System allerdings erhebliche Mehrkosten: Der Kreisanteil für die Personal- und Sachkosten habe im vorigen Jahr 625.000 Euro betragen und liege 2013 bei voraussichtlich 640.000 Euro, so Pföhler.
„Die Menschen, die häufig sehr unterschiedliche und spezifische Hilfen benötigen, profitieren von einem breiten Instrumentarium sozialintegrativer und beschäftigungsorientierter Kompetenzen des Jobcenters“, ergänzte Theo Krayer. Für Bürger, die Leistungen nach dem SGB II bezögen, habe sich nichts geändert, außer, dass es nur noch eine Anlaufstelle für sie gebe.
Alles aus einer Hand
Außerdem verfügten das Jobcenter und die Agentur für Arbeit über einen gemeinsamen Arbeitgeberservice, so dass die Anliegen der Arbeitgeber aus einer Hand betreut würden - egal, um welchen Rechtskreis es sich handele. „Für den Arbeitgeber ist es gleich, woher der potenzielle Mitarbeiter kommt. Wichtig ist, dass er oder sie die bestmögliche Qualifikation und geeignete persönliche Voraussetzungen mitbringt“, so Mohrs.
Gut gelungen sei auch die Integration der sechs neuen Mitarbeiter aus der Kreisverwaltung. „Wir haben von Beginn an das Wir-Gefühl im Jobcenter gefördert“, erklärte Krayer. Dass die Mitarbeiter des Jobcenters ihre Aufgaben hoch motiviert und kompetent erfüllten, belege eine aktuelle Kundenbefragung, bei der die allgemeine Zufriedenheit mit der Note 2,6 und die Zufriedenheit mit den Mitarbeitern mit 2,4 bewerten worden sei.
Gesetz in die Praxis umgesetzt
Mit der Gründung des Jobcenters hatten Kreis und Arbeitsagentur vor einem Jahr die gesetzliche Neuerung in die Praxis umgesetzt. Denn mit der vom Deutschen Bundestag beschlossenen Änderung des Sozialgesetzbuches zweiter Teil (SGB II, „Hartz IV“) war die getrennte Trägerschaft von Arbeitsagentur und Sozialämtern nicht mehr zulässig. Wurde etwa die Miete von Hartz-IV-Empfängern bis dahin im Auftrag des Kreises von den Sozialämtern der Städte und Verbandsgemeinden überwiesen, übernimmt das Jobcenter - neben der Arbeitsvermittlung und der Zahlung der Leistungen zum Lebensunterhalt - seit Januar 2012 auch diese Aufgabe.
„Von der Neuorganisation unberührt geblieben ist dagegen das Bildungs- und Teilhabepaket für Kinder und Jugendliche, die in Hartz IV-Haushalten leben. Für entsprechende Leistungen ist nach wie vor die Sozialabteilung der Kreisverwaltung in Bad Neuenahr-Ahrweiler zuständig“, führte Krayer weiter aus.
Örtliche Beiräte entscheiden mit
Aufsichts- und Entscheidungsgremium der von der Agentur für Arbeit Koblenz-Mayen und dem Kreis Ahrweiler getragenen Einrichtung ist die Trägerversammlung, die sich im Januar vergangenen Jahres konstituiert hat. Zum Vorsitzenden wurde Landrat Dr. Jürgen Pföhler gewählt. Zudem sieht das Sozialgesetzbuch bundesweit die Bildung „örtlicher Beiräte“ vor. So hat sich der Beirat des Jobcenters Landkreis Ahrweiler im vergangenen Oktober zu seiner konstituierenden Sitzung getroffen. Das neue Gremium, dem Vertreter des Deutschen Gewerkschaftsbundes, der Liga der freien Wohlfahrtsverbände, der Kirchen, der Kreishandwerkerschaft und der Kommunalpolitik angehören, berät das Jobcenter bei der Auswahl und Gestaltung der Eingliederungsmaßnahmen.
Stolz sind alle Beteiligten auch auf die aktuellen Zahlen: Die Arbeitslosenquote im Kreis Ahrweiler beträgt 4,2 Prozent (Dezember 2012) und setzt sich zusammen aus Personen, die Leistungen nach SGB III beziehen (2,0 Prozent) sowie Menschen, die auf eine nach SGB II gewährte Grundsicherung angewiesen sind (2,2 Prozent). Die Jugendarbeitslosigkeit lag zuletzt bei 3,1 Prozent. Damit weist der Landkreis Ahrweiler nach wie vor eine deutlich geringere Arbeitslosenquote als der Bund (6,7 Prozent) und das Land Rheinland-Pfalz (5,1) auf. Zudem ist die Zahl sozialversicherungspflichtig Beschäftigter im Kreis Ahrweiler bis zum zweiten Quartal 2012 um 623 auf 29.666 gestiegen. Im gleichen Zeitraum konnte die Zahl der Langzeitleistungsbezieher von 2.013 auf 1.980 gesenkt werden.
An die Erfolge anknüpfen
„An die Erfolge des letzten Jahres wollen wir auch 2013 anknüpfen. Hier stehen wir allerdings vor dem Hintergrund der konjunkturellen Risiken und sich weiter reduzierender Bundesmittel vor neuen Herausforderungen“, so Krayer. Mit dem Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2013, das in der Trägerversammlung beraten wurde, werde die geschäftspolitische Ausrichtung des Jobcenters Ahrweiler festlegt. Fest stehe, dass die Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit weiterhin einen sehr großen Stellenwert einnehmen solle. So gelte es insbesondere, den Beginn der Erwerbsbiografie mit Arbeitslosigkeit zu vermeiden. Außerdem solle die Netzwerkarbeit weiter intensiviert werden. Weitere Ziele des Programms sind die Verringerung der Hilfebedürftigkeit, die Verbesserung der Integration in Erwerbstätigkeit und die Vermeidung von langfristigem Leistungsbezug. Zielgruppen des Arbeitsmarktprogramms sind weiterhin Jugendliche unter 25 Jahren, Langzeitbezieher, Arbeitslose 50-plus, Frauen und Alleinerziehende sowie Geringqualifizierte.
VJ
