Allgemeine Berichte | 01.10.2013

Veranstaltungsreihe zu den UN-Millenniumszielen in der VG Adenau

Zwischen Faszination und Irritation

Trommelgruppe „Abarakaza“ aus Ruanda trat in der Adenauer Hauptstraße auf

Die ruandische Trommelgruppe „Abarakaza“ während des Workshops in Adenau.privat

Adenau. Ungewohnte Klänge drangen durch den Verkehrslärm an der Adenauer Hauptstraße: Auf Einladung der evangelischen Kirchengemeinde Adenau präsentierte die ruandische Trommelgruppe „Abarakaza“ im Rahmen eines Straßen-Workshops ihr Können und lud Passanten zum musikalischen Grenzgang ein. Dieser war Teil der erneuten Veranstaltungsreihe zu den UN-Millenniumszielen in der VG Adenau mit dem diesjährigen Thema „Migration“. Die Reaktion der Angesprochenen war gemischt: begeistertes Mittun und irritiertes Wegschauen. Die Früchte des zweistündigen Auftritts konnten während des Konzertes „Nord-südlicher Dialog“ in der evangelischen Erlöserkirche begutachtet werden. Im Umfeld der Trommelperformance konnten sich Interessierte an den Ständen der Ökumenischen Flüchtlingshilfe Bad Neuenahr und des Migrationsdienstes der „caritas“ über deren Arbeit informieren.

„Willkommen in Deutschland“

„Willkommen in Deutschland“ hieß der Film, der den wenigen Besuchern große Freude, aber auch Nachdenklichkeit bescherte.

Die Geschichte hangelte sich am ergreifenden Schicksal eines türkischen Paares von Großeltern aus Anatolien aus dem Anfang der 1960er Jahre und seiner Nachkommen bis heute entlang. Deutlich wird in dem Film die allmähliche Entfremdung aller Beteiligten von ihrem „Heimatland“, besser: Ursprungsland, der Türkei, das nur noch als Urlaubsziel und als Beerdigungsort für den (Groß-)Vater eine, wenn auch wichtige, Rolle spielt. Gleichzeitig ist die neue Heimat Deutschland zwiespältig: Eine andere Kultur mit einer anderen Sprache, die erst beim Enkel vollkommen perfekt ist, aber zum Verlust der türkischen Sprache führt. Zudem bereiten Arbeitslosigkeit und andere soziale Normen (zum Beispiel Schwangerschaft, ohne verheiratet zu sein; Auflösung der Ehe durch Scheidung; Rauchen von Frauen in der Öffentlichkeit) allen Beteiligten in Deutschland gleichzeitig soziale Spannungen, die nur über das menschliche Verständnis für- und miteinander angemessen gelöst werden können. In der sich anschließenden Diskussion war die Betroffenheit der Zuschauer über das Schicksal von Menschen ausländischer Herkunft mit Händen greifbar.

Die ruandische Trommelgruppe „Abarakaza“ während des Workshops in Adenau.Foto: privat

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