Jakobsweg von Nickenich nach Santiago de Compostela erfolgreich beendet
Auf den Spuren der Nickenicher in Lothringen
Hans-Josef Odenthal meisterte die letzte Etappe in 54 Pilgertagen
Nickenich. Der Weg ist das Ziel. Wer geht, findet seinen Weg. Den Traum vom Jakobsweg zum Grab des Apostels Jakobus in Santiago de Compostela hatten die Nickenicher Horst-Jakob Degen und Hans-Josef Odenthal. 2005 und 2006 machten sie sich auf den Weg von der Haustür in Nickenich über den Eifelcamino Mayen, Trier (heute Bischof Stefan Ackermann), Schengen (Luxemburg), Metz (hl. Arnulf Schutzpatron in Nickenich, Bischof in Metz, 614), Toul (Bischof Udo von Toul, ihm gehörte die Hälfte der Kirche zu Nickenich) durch Lothringen, Burgund zum Pilgerort Vézelay mit der Basilika Sainte-Marie-Madeleine (UNESCO-Kulturerbe). Dort beginnt die Via Lemovicensis, einer der vier französischen Jakobswege. Weiter ging es über Nevers bis Saint-Amand-Montrond, wo im Jahr 2006 die gemeinsame Pilgerreise nach circa 800 km endete.
Traum wurde 2007 verwirklicht
Vom Pilgervirus befallen, setzte Hans-Josef Odenthal am 20. August 2014 den Weg in Saint-Amand-Montrond fort. Hier traf er auf den Mitpilger Maurice, gebürtiger Elsässer, der bereits am 8. Juli 2014 in Münster gestartet war. Sie pilgerten auf der Via Lemovicensis, auch Vézelay-Weg genannt, durch die Region Limousin, historische Pilgerstädte wie Saint-Léonard-de-Noblat, Limoges, Periqueux, Mussidan, La Reole, Bazas. Ab hier begann eine der schwierigsten Passagen, das Gebiet Les Landes (Bordeaux). Ehemalige Sümpfe und Dünen wurden durch Napoleon III trockengelegt und sind heute mit über 1 Million ha eine der größten zusammenhängenden Waldflächen Europas.
Über eine ehemalige versandete Bahntrasse, bei großer Sommerhitze, vorbei an der Stele in Retjons sind es noch 1.000 km bis Santiago. Weiter ging es zur Stadt Mont-de-Marsan. Hier musste eine englische Pilgerin wegen Hundebiss ihren Weg beenden. Maurice setzten Fußprobleme zu. Er musste einen Ruhetag einlegen. In Spanien kreuzten sich wieder ihre Wege. In dem Ort Saint-Palais wurde das Baskenland betreten, vorbei an der Stele von Gibraltar, markiert die Stelle, wo drei der vier französischen Jakobswege zusammentreffen. Die Pyrenäen vor Augen betrat er einen Tag später durch die Porte Saint-Jaques, das Nadelöhr der Jakobspilger, die Altstadt von Saint-Jean-Pied-de-Port, die letzte Pilgerstation auf französischen Boden. Hier beginnt der Camino de Francs.
Anspruchsvolle Strecken forderten die Pilger
Während durch Frankreich nur wenige Pilger auf dem Weg waren, begann jetzt der große Pilgertross. Pilger aus der ganzen Welt treffen hier zusammen, um das große Ziel Santiago de Compostela zu erreichen. Mit vielen anderen internationalen Pilgern wurde ein anspruchsvoller und langwieriger Anstieg über den Cisa-Pass (1.430m), die Grenze zu Spanien, nach Roncesvalles bewältigt. Steile Serpentinen, die es in sich hatten, haben einige Tropfen Schweiß abverlangt. Froh und glücklich, bis hierher heil gekommen zu sein, dankten die Pilger bei der abendlichen Pilgermesse in einer beeindruckenden Abtei.
Am nächsten Tag ging es noch vor Sonnenaufgang durch die Region Navarra zu den nächsten Pilgerstätten Pamplona, Estella. Der Camino Francs wurde weiter fortgesetzt durch das bekannte Weinanbaugebiet La Rioja mit den Städten Logrono, Näjera und Santo Domingo de la Calzada. Tages-Etappen wurden bewältigt zwischen 26 und 35 km, je nach Herbergsunterkunft.
Morgens um 7 Uhr war Hans-Josef Odenthal bei aufgehender Sonne mit anderen Pilgern unterwegs, sodass bald nach Villafranca und San Juan de Ortega, Burgos, die größte Stadt auf dem Camino, erreicht wurde.
Zwischenzeitlich wurde er von Terence, einem Neuseeländischen Schafscherer und Ursula aus Budapest begleitet. Sein Weg führte ihn jetzt in die von allen Pilgern gefürchtete Meseta, die spanische „Wüste“. Sie erstreckt sich über 200 km zwischen Burgos und Leön. Es ist die heißeste Gegend Nordspaniens. Die Horizonte der Meseta wandern mit. Es gibt nichts, was Blick oder Geist ablenken könnte. Der Kopf war leer, die Gedanken drehten sich im Kreis. Endlich war Leön, die alte Königsstadt mit der schönsten gotischen Kathedrale Spaniens, erreicht. Jetzt waren es nur noch 300 km bis Santiago de Compostela.
Nach drei Tages-Etappen stand Hans-Josef Odenthal am bekanntesten Kreuz des Camino, dem Cruz de Feim. Hier legen seit über 1000 Jahren Pilger mitgebrachte Steine als Zeichen menschlicher Last und Loslassenkönnens ab. Zu den vielen Steinen aus aller Welt legte er hier je einen Bims- und Mendiger-Basaltstein.
Bald war Galizien erreicht. Plötzlich standen sie überwältigend davor: die Kathedrale von Santiago de Compostela. Das große Ziel war erreicht.
Im Pilgerbüro nahmen sie stolz nach Vorlage des Pilgerausweises ihre Compostelas entgegen. Vor der Pilgermesse folgte dann noch traditionsgemäß die Umarmung des hl. Jakobus. Nach 54 Pilgertagen und 1.550 km ging eine beeindruckende Pilgerreise zu Ende, deren Erlebnisse das Leben von Hans-Josef Odenthal bereichern werden.
Wohlbehalten in der Heimat angekommen. stand ihm ein kleiner Empfang im Kreise seiner Familie und Freunden bevor.
