Historischer Verein Andernach
Exkursion nach Weißenthurm
Weitere Touren am 6. und 9. Mai nach Oberwesel und ins Marienstift
Andernach. Geschichte wird erst lebendig in Geschichten und Anekdoten. Das erlebten die Mitglieder des Historischen Vereins Andernach einmal mehr dank ihres sachkundigen Führers Hermann Doetsch. In einem Rundgang besuchten sie in Weißenthurm den Weißen Turm, das Hoche-Monument und die Pfarrkirche Heilige Dreifaltigkeit. Zur engen Beziehung der „alten“ Stadt Andernach und der „jungen“ Stadt Weißenthurm – seit 1866 – wusste Hermann Doetsch ebenso viel anschaulich und kurzweilig zu erzählen wie zu den bemerkenswerten Bauwerken. Der Weiße Turm, erbaut um 1400, war Befestigung und Zollstelle an der Grenze von Kurtrier und Kurköln. Andernach reichte bis an diesen Turm, auf der anderen Seite lagen die Ortschaften Kettig und Kärlich. Heute enthält das fünfgeschossige Gebäude ein Heimatmuseum. Es zeigt Exponate zur allgemeinen Geschichte und zur Entwicklung der Wirtschaft in Weißenthurm. Dazu gehören ein Modell von Caesars Rheinbrücke, Abbildungen der Orte Kettig, Kärlich, Neuwied und Andernach. Die drei „B’s“, nämlich Bier, Bims und Blech, durch die Weißenthurm im 19. und 20. Jahrhundert geprägt wurde, finden sich in unterschiedlichsten Ausstellungsstücken wieder. Von den drei „B’s“ blieb im 21. Jahrhundert nur noch die Blechindustrie übrig.
Geblieben ist auch der Karneval, dem ein eigenes Geschoss gewidmet ist. Die Andernacher nahmen mit Wohlgefallen zur Kenntnis, das Weißenthurm noch zur „Alaaf-“ und nicht zur „Helau-Zone“ gehört. Vom obersten Stockwerk des Turmes geht der Blick über das Rheintal und das Neuwieder Becken. Einen ähnlichen Ausblick hatte der französische General Lazare Hoche 1797. Von seinem Feldherrnhügel in Weißenthurm beobachtete er die Schlacht von Neuwied, in der seine französischen Truppen die Österreicher besiegten. Noch im selben Jahr starb Lazare Hoche mit 30 Jahren.
Die sterblichen Überreste dieses jungen, charismatischen Heerführers liegen seit 1919 in der Totengruft unter dem Monument, das die Soldaten seiner Sambre-und-Maas-Armee erbauen ließen: Sie verehrten ihren General so, wie heute Fans ihre Popstars bewundern. Totengruft, Denkmal und Parkanlage beeindrucken noch heute die Besucher von Weißenthurm. Neben Weißem Turm und Hoche-Denkmal beherrscht vor allem die weiße Pfarrkirche Heilige Dreifaltigkeit das Stadtbild. Sie wurde 1837/38 nach Plänen von Johann Claudius von Lassaulx erbaut und 1900 bis 1902 nach Plänen von Caspar Clemens Pickel erweitert und mit dem markanten Turm versehen. Im Inneren des bemerkenswerten Bauwerkes finden sich unter anderem auch Fresken von Georg Kau aus den Jahren 1904 bis 1907, eines Künstlers, der Ende der 1920er Jahre auch die Marienfresken in der Chorapsis des Andernacher „Mariendomes“ schuf. Die nächste Exkursion findet am Samstag, 6. Mai nach Oberwesel statt. (Anmeldungen bis 15. April bei Günter Haffke.) Die für Dienstag, den 11. April vorgesehene Veranstaltung im Marienstift muss verschoben werden auf Dienstag, den 9. Mai , 16 Uhr. Dieter Kamptz und Guido Seifert zeigen historische Aufnahmen von Andernach zum Thema „Andernach im Wechsel der Jahreszeiten“, die die schönen jedoch auch bedrohlichen Seiten des Lebens in der Stadt am Rhein beleuchten. Noch ein Hinweis für alle Mitglieder des Historischen Vereins Andernach und alle interessierten Mitbürger: Es gibt seit jüngster Zeit eine überarbeitete, verbesserte und aktuelle Homepage: www. historischer-verein-andernach.de.
