Ausflug der Casino–Gesellschaft Andernach von 1819 e.V.
Führung durch die Schatzkammer des Kölner Domes
Andernach. Eine erwartungsfrohe Gruppe der Casino-Gesellschaft von 1819 machte sich per Bahn auf den Weg nach Köln. Dort erwartete die Teilnehmer eine Führung durch die Schatzkammer des Domes. Vorsitzender Josef Nonn versprach den Teilnehmern ein beeindruckendes Erlebnis. Pünktlich um 10 Uhr wurden die Andernacher von einem Kunsthistoriker der Dombauhütte begrüßt. Er verwies einführend auf die Entstehung des Domschatzes bereits im 10. Jahrhundert. Die Sammlung sakraler Kostbarkeiten entstand durch Anschaffung liturgischer Geräte, Gewänder und Bücher für den Gottesdienst. Kostbare Reliquien wurden dem Dom übertragen, wie etwa der Petrusstab und einige der Kettenglieder aus der Kette, mit der Petrus gefesselt worden war. Die Reliquie gilt als Ausdruck der engen Verbundenheit der Kölner Erzdiözese mit der Kirche in Rom. Der Erwerb der Gebeine der Heiligen Drei Könige im 12. Jahrhundert wirkte sich auf die Vermehrung des Domschatzes aus. Dazu zählten Kostbarkeiten wie Insignien und Liturgiken der Erzbischöfe und Domgeistlichen, aber auch zahlreiche Schenkungen und Erbschaften reicher Bürger. Die Führung startete dann in der Heiligtumskammer, in der verschiedene Monstranzen und kostbare Gefäße für Reliquien zu bestaunen waren. Dominiert wurde der Raum durch den Schrein des heiligen Engelberts aus dem 17. Jahrhundert. Engelbert, im frühen 13. Jahrhundert Erzbischof und Kurfürst in Köln, wurde beim Besuch seiner Ländereien 1225 ermordet. Er galt den Gegnern der Reformation als Heiliger und der katholische Partei im 30-jährigen Krieg als Schutzpatron. Der Schrein zeigt Reliefs von insgesamt zwölf heilig gesprochenen Kölner Erzbischöfen. In Silberreliefs ist die Lebensgeschichte des heiligen Engelberts dargestellt. Als nächstes wurden die Besucher ins 1. Untergeschoss geführt, wo sie eine Reihe liturgischer Gerätschaften aus edlem Metall und mit vielen Edelsteinen verziert bewundern konnten.
Prunkmonstranz aus reinem Gold
Besonders ins Auge fiel die Prunkmonstranz aus reinem Gold mit 24 Arten unterschiedlicher Edelsteine geschmückt. Diese Monstranz wurde vom Kölner Erzbischof Maximilian Heinrich gestiftet, die beiden Kronen über dem Schaugefäß vom Domdechanten Franz Egon von Fürstenberg. Sie gilt als eine der schönsten Arbeiten aus der Barockzeit. Als Insignien weltlicher und geistlicher Macht galten das Kurschwert und der Bischofsstab. Besonders schöne Exemplare waren aus dem 14. (Stab) und dem 15. Jahrhundert zu bewundern. Das Schwert wurde bei öffentlichen Auftritten dem Erzbischof vorangetragen. Weiter ging es in das zweite Untergeschoss, wo im Paramentenraum liturgische Gewänder aus unterschiedlichen Stilepochen zu besichtigen waren. Augenfällig war das prunkvolle Ornat, das Kurfürst und Erzbischof Clemens August von Wittelsbach anlässlich der Krönung seines Bruders Kaiser Karl VII in Paris anfertigen ließ. Die dazu gehörenden fünf Mitren repräsentierten seine fünf Bistümer. Eine ebenfalls beeindruckende Kreation liturgischer Gewänder und Stoffe zeigten die im Art deco Stil gearbeiteten Stücke der sogenannten Grünen Kapelle. Waren bislang für solche Gewänder eher klassische Motive bevorzugt worden, nahmen sich die modernen Künstler heraus, ihre Werke mit Vogelpaaren und Fabelwesen (Einhörnern) zu schmücken.
Integrierte römische Stadtmauer
Im anschließenden Lapidarium konnte ein Teil der römischen Stadtmauer bewundert werden, die in den Dombau einbezogen war. In einer Vitrine waren Grabbeigaben einer jungen Fränkin ausgestellt, die im 6. Jahrhundert verstorben war. Auffällig dabei, dass die bereits christianisierten Franken keine christlichen Symbole ins Grab gelegt hatten.
Schmuckstücke aus Edelmetall, ein goldener Stirnreif als Ausdruck eines hohen Ranges und Hausrat waren der Verstorbenen mitgegeben worden. Hier endete die Führung durch die Schatzkammer des Kölner Domes. Anschließend marschierte die Gruppe zur nahe gelegenen Kirche St. Ursula. Dort war im benachbarten Kölschbrauhaus ‚Schreckenskammer‘ eine Stärkung vorbereitet. Bei traditionellen Kölner Gerichten und einem Glas von dem erfrischenden Kölsch ließen die Andernacher das im Dom Erlebte noch einmal Revue passieren.
