Politik | 15.09.2014

Auftaktveranstaltung „Arbeitgebermarke Landkreis Ahrweiler“

Arbeitgeber werden zum Bewerber

Fachkräfte schwinden durch den demographischen Wandel

Heimische Arbeitgeber stehen vor großen Herausforderungen - nun gilt es, alte Strukturen abzulegen. GNATH

Kreis Ahrweiler. Im großen Sitzungssaal des Kreishauses trafen sich die Arbeitgeber des Landkreises Ahrweiler zur Auftaktveranstaltung der „Arbeitgebermarke Landkreis Ahrweiler“. Grund hierfür ist, dass die heimischen Arbeitgeber vor großen Herausforderungen stehen, die letztlich durch den demografischen Wandel entstehen.

Alte Strukturen ablegen!

Es gilt ab sofort, alte Strukturen abzulegen, sich neu zu positionieren und in den Wettkampf um Arbeitnehmer, Fachkräfte und das Halten sowie Abwandern von Fachkräften gemeinsam im Landkreis Ahrweiler zu bestehen. Die Voraussetzungen hierfür sind im Landkreis Ahrweiler blendend. Mit einer Arbeitslosenquote von 4,2 Prozent liegt der Kreis Ahrweiler 1,5 Prozent unter dem Landesdurchschnitt und 2,5 Prozent unter dem Bundesdurchschnitt. Auch den Vergleich zur nahe gelegenen Stadt Bonn mit 7,3 Prozent Arbeitslosenquote braucht der Kreis Ahrweiler nicht zu scheuen. Durch den gesunden Branchenmix aus Handwerkern, Dienstleister, der Industrie dem Handel sowie dem Tourismus bei guter Infrastruktur sind auch positive Einflüsse vorgegeben, auf die ein Arbeitgeber als Einzelner keinen Einfluss hat. Auch die Freizeitmöglichkeiten und der hohe naturnahe Wohnwert sind Grundlage dafür, dass die Gewinnung und der Erhalt von Fachkräften möglich bleibt, wenn die Arbeitgeber vermitteln können, wie attraktiv und familienfreundlich ihrer Unternehmen ist. Während in früheren Jahren Markennamen vermeidlich auf gute Arbeitsbedingungen hinwiesen, steht heute fest, dass eine gute Marke nicht unbedingt etwas mit Arbeitnehmerfreundlichkeit zu tun hat. Da im Jahre 2030 rund acht Prozent weniger Einwohner im Landkreis Ahrweiler leben werden - also etwa 10.000 Menschen weniger - wird die Fachkräftelücke immer größer.

Unbesetzte Ausbildungsstellen

Zur Zeit fehlen bereits 3,4 Prozent Fachkräfte, die Zahl der unbesetzten Ausbildungsstellen wird immer höher und wird sich bis 2020 mindestens verdoppeln. Um die Fachkräfte im Landkreis Ahrweiler halten zu können, ist ein erstes Instrument der Arbeitgeber der „Taltentpool“ des Kreises Ahrweiler. Unternehmer haben hier die Möglichkeit, Bewerber - die im Bewerbungsverfahren die Silber- oder Bronzemedaille erhalten haben, an andere Betriebe der Region zu empfehlen. Durch diese Empfehlung haben andere Unternehmer bereits die Erkenntnis, dass Bewerber bereits anderweitig „für gut“ befunden wurden, jedoch durch nur geringe Nuancen beim ersten Unternehmer nicht als Erstplatzierten unter Vertrag genommen wurden. Mit großer Wahrscheinlichkeit kann der suchende Unternehmer dann - bei seiner eigenen Entscheidung für einen Arbeitnehmer - diese Nuancen sogar vernachlässigen und im Einstellungsverfahren einen Volltreffer erzielen. Wenn alle Arbeitgeber bei diesem Talentpool mitmachen, schaffen sie es gemeinsam, qualifizierte Bewerber in der Region zu halten oder möglicherweise auch neue Fachkräfte für die Region zu gewinnen.

Die Seniorexperten

Das zweite Instrument ist das SEK-Ahrweiler, also die Seniorexperten des Kreises Ahrweiler die bei der Kreiswirtschaftsförderung angesiedelt sind. Diese Truppe unterstützt durch die Beratertage am Rhein Ahr Campus in Remagen und die Beratung von Jungunternehmen sowie Betreuung bei Unternehmensnachfolgern, bei deren Scheitern eine Vielzahl an Arbeitsplätzen auf dem Spiel steht. Der Arbeitgeber wird sich ab sofort nur im Wettbewerb um qualifizierte Mitarbeiter durchsetzen können, wenn er es schafft das Gefühl zu wecken: „Hier will ich arbeiten!“ Vor diesem Hintergrund konnte die im Kreishaus anwesende Unternehmerschaft dann den gemeinsamen Vortrag der Marketingagentur Marc Ulrich aus Bad Neuenahr-Ahrweiler, sowie von Astrid Braun-Höller, selbständige Managementtrainerin aus Bad Bodendorf verfolgen. Der mit Spannung verfolgte Impuls-Vortrag präsentierte ihnen, was eine gute Arbeitgebermarke ausmacht und wie dies auf eine ganze Region übertragbar ist. So erhielten die Arbeitgeber Antworten auf Fragen „Wie gewinne ich die besten Talente und binde langfristig meine Mitarbeiter an mein Unternehmen“ oder „Welche konkreten Instrumente kann ich sofort umsetzen um passende Bewerber zu finden.“ Durch diesen Vortrag können sich die aufgeschlossenen Unternehmer darauf einlassen, neue Wege zu gehen und sich trauen, Ideen mit ihren Mitbewerbern und Unternehmerkollegen im Kreisgebiet zu teilen. Der Nutznießer ist die heimische Wirtschaft und somit die Region.

Wie kann der "Fisch an der Angel" sicher an Land gezogen werden?

Wie kann der "Fisch an der Angel" sicher an Land gezogen werden?

Heimische Arbeitgeber stehen vor großen Herausforderungen - nun gilt es, alte Strukturen abzulegen. Fotos: GNATH

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