Jahreshauptversammlung des Hospiz Vereins Rhein-Ahr: Mitgliederzahl auf 768 angestiegen
Baubeginn stationäres Hospiz im Sommer
Kreis Ahrweiler. Seit mehr als 20 Jahren hat der Hospiz-Verein Rhein-Ahr mit Hochdruck an der Initiierung eines stationären Hospizes im Ahrkreis gearbeitet; so mancher Rückschlag musste dabei verarbeitet werden. Ende 2012 platzte die Projektierung eines stationären Hospizes im Altenheim St. Maria Josef in Ahrweiler. „Aber es geht weiter“, gab sich die Vorsitzende des Hospiz-Vereins Ulrike Dobrowolny damals kämpferisch - mit Erfolg.
Intensive Vorarbeit
Erst im Dezember 2012 hatte es einen Tag intensiver Vorarbeit der drei potenziellen Träger: von Bodelschwinghsche Stiftungen Bethel, der Marienhaus GmbH und dem Hospiz-Verein Rhein-Ahr gegeben. Die Verantwortlichen der drei möglichen Träger übernahmen kurzerhand nach dem gemeinsamen Gespräch Prüfaufträge, die dann im März 2013 in einer zweiten Gesprächsrunde zusammengetragen wurden, um im weiteren Verlauf eine gemeinsame Projektgruppe aus allen drei Trägervertretern zu bilden. „Der gute Wille und die Bereitschaft zur Zusammenarbeit ist deutlich geworden“, lautete damals das positive Resümee des Vereinsvorstandes. Jetzt ist der Weg für den Bau einer solchen Einrichtung in der Nachbarschaft des Krankenhauses Maria Hilf in Bad Neuenahr frei. Die drei Träger, der Hospiz-Verein, die Marienhaus-Holding GmbH und die Von-Bodelschwinghschen-Stiftungen Bethel haben für dieses Projekt eigens die „Hospiz im Ahrtal GmbH“ gegründet. Das stationäre Hospiz war eines der Kernthemen der Jahreshauptversammlung des Hospizvereins Rhein-Ahr. Das nördliche Rheinland-Pfalz ist in Sachen Hospiz chronisch unterversorgt. Das nächste Hospiz befindet sich in Koblenz. In Vergangenheit sind viele Patienten aus dem Kreis Ahrweiler daher nach Nordrhein-Westfalen ausgewichen. Ulrike Dobrowolny unterstrich, dass mit dem Bau des Hospizes eine Versorgungslücke geschlossen wird, die auch im Hinblick auf die demografische Entwicklung im Kreis Ahrweiler von großer Bedeutung sein wird.
Ein „ökumenisches Projekt“
Dobrowolny freute sich, dass das Hospiz im Ahrtal ein „ökumenisches Projekt“ sei. „Durch die beiden Mitgesellschafter sind beide Kirchen beteiligt. Die Einrichtung steht allen Menschen, jedweder Konfession oder Weltanschauung offen“, sagte die Vorsitzende des Hospizvereins. Der Hauptfokus liege aber weiterhin auf der ambulanten Versorgung, wie sie klarstellte. 295 Menschen wurden allein 2013 im häuslichen Umfeld begleitet. Als Standort für das stationäre Hospiz soll das Gelände hinter dem Maria-Hilf-Krankenhaus dienen. Dafür werde die alte, baufällige Villa auf dem Klinikgelände abgerissen, wie Ulrike Dobrowolny erklärte.
Der ganze Himmel überm Bett
Dass das alte Haus komplett abgerissen werden soll, hat freilich einen Grund: „Das entstehende Gebäude wird barrierefrei und so konzipiert sein, dass sich ein Bett auch in den angrenzenden Garten fahren lässt“, so die Vorsitzende. Zudem werde es einen Raum geben für den Rückzug, aber auch Platz für Begegnung und Kommunikation nach außen. Außerdem seien Zimmer für die Übernachtung von Angehörigen vorgesehen, wie Dobrowolny das Projekt skizzierte. Zehn Menschen können in dem Hospiz in ihrer letzten Lebensphase stationär begleitet werden. Die Kosten dürften über zwei Millionen Euro liegen; Baubeginn ist für diesen Sommer vorgesehen. Abgeschlossen sollen die Bauarbeiten nach derzeitiger Planung in der zweiten Jahreshälfte 2015, erklärten Dobrowolny und der Geschäftsführer der im Oktober 2013 dafür eigens gegründeten Gesellschaft „Hospiz im Ahrtal“, Christoph Drolshagen. Er ist seit Ende des Jahres auch offiziell zum Geschäftsführer ernannt worden. Als Voraussetzung dafür, dass die Marienhaus-Holding und die Von-Bodelschwinghschen Stiftungen überhaupt einer Trägerschaft für ein stationäres Hospiz zustimmten, galt, dass bereits „solide, ambulante Strukturen“ der Hospizarbeit vorhanden waren. „Diese Strukturen funktionieren im Kreis Ahrweiler vorbildlich“, lobte Christoph Drolshagen. Nachdem haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter davon erzählt hätte, dass sie immer wieder Situationen erlebten, in denen die ambulante Betreuung von Sterbenden an ihre Grenzen stoße, weil familiäre Strukturen fehlten oder medizinische sowie psycho-soziale Gründe dagegen sprächen, habe man dem Projekt zugestimmt, so Drolshagen, der nicht davon ausgeht, dass die Nachfrage ausbleibe.
Prominente Schirmherren
Partner des Hospiz-Vereins, der mit zehn Prozent beteiligt ist, sind bei der Umsetzung des Vorhabens mit je 45 Prozent die Marienhaus Holding GmbH und die Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel. Als Schirmherr für das Hospiz im Ahrtal konnte Sternekoch Hans-Stefan Steinheuer aus Heppingen gewonnen werden. Die Schirmherrschaft für die ambulante Hospizarbeit hat indes der Eifler Tierfilmer Andreas Kieling übernommen. Die Begleitung des Projekts „Hospiz im Ahrtal“, die Rekrutierung von Spenden für dessen Bau und die Benefizveranstaltung „Midden us dem Leben“, am 10. Oktober, ebenfalls für diesen Zweck, sowie die Intensivierung der Öffentlichkeitsarbeit sah die Vorsitzende Ulrike Dobrowolny auch als zentrale Themen für das Jahr 2014 an.
Zur Situation des Vereins:
Der Hospiz-Verein verfügt neben zwei Bürokräften über fünf hauptamtliche Hospizfachschwestern und 55 qualifizierte ehrenamtliche Mitarbeiter. Im Jahr 2013 haben insgesamt 17 Frauen und ein Mann die Ausbildung zum ehrenamtlichen Hospizbegleiter abgeschlossen. Sie haben sich dazu bereit erklärt, für den Verein tätig zu werden. Die ehrenamtlichen Mitarbeiter leisteten im vergangenen Jahr rund 3.500 Einsatzstunden und legten dafür insgesamt 14.000 Kilometer mit dem Auto zurück. Neben rund 3.000 persönlichen Kontakten seien rund 2.300 Telefonate mit Patienten und Angehörigen geführt worden.
Rat und Hilfe
Erste Anlaufstelle für diese ist oft die Begegnungsstätte in Bad Neuenahr, wo nach Vereinsangaben nicht Mitleid, „sondern Rat und Hilfe“ im Vordergrund stehen. Ferner bietet der Verein unter anderem Trauertreffs (ehemals Traueroase) in der Kreisstadt und in Adenau an. Dieses Jahr wird der Verein noch einen Trauertag und eine Wanderung organisieren. Im Rahmen der Jahreshauptversammlung wurden erstmals langjährige Mitglieder geehrt und beschenkt. Je ein Buchpräsent überreichte die Vorsitzende Ulrike Dobrowolny an Minnie Rischkowski, Alice Schlieber, Martina Steffens, Marlene Esser, Christel Hupperich, Hedwig Korden, Gertrud Luppertz, Klara Rauwald, Gisela Felden, Rosemarie Jähner, Margarete Kuplin, Regina Ruhs, Berta Bauer, Karl Kremer und Hildegard Schneider. Die Bekanntheit des Hospiz-Vereins Rhein-Ahr und auch die Anerkennung in der Bevölkerung steigt merklich. Das spiegelt sich insbesondere in den Mitglieder- und den Betreuungszahlen wider, die auf 768 Mitglieder respektive 324 Betreute (Sterbenskranke und deren Angehörige) im Jahr 2013 angewachsen sind. Bestätigung und Hilfe zugleich brachte zuletzt auch der Gewinn des Zukunftspreises Heimat der Volksbank RheinAhrEifel mit sich.
15.000 Euro von der Volksbank RheinAhrEifel
Aus insgesamt 117 eingereichten Bewerbungen wählte eine hochkarätig besetzte Jury die Preisträger aus. Der Betrag in Höhe von 15.000 Euro, ausgelobt für den ersten Preis, fand einen dankbaren Empfänger: den Hospiz-Verein Rhein-Ahr. Die Vorsitzende Ulrike Dobrowolny nahm stellvertretend für die Vereinsmitglieder neben der Urkunde auch eine Skulptur des Zukunftspreises Heimat entgegen. Dass ihr Verein unter den Preisträgern sein würde, das wusste Ulrike Dobrowolny wohl. Dass es aber der mit 15.000 Euro dotierte Zukunftspreis Heimat der Volksbank RheinAhrEifel sein würde, daran hatte die Vorsitzende des Hospiz-Vereins Rhein-Ahr nie gedacht. Der Hospiz-Verein habe es sich zur Aufgabe gemacht, Sterbenden und deren Angehörigen konkrete Unterstützung anzubieten, und die Themen Sterben und Tod aus dem gesellschaftlichen Tabubereich zu führen“, hieß es in der Laudatio. „90 Prozent der Bevölkerung haben den Wunsch, in ihrer gewohnten Umgebung zu sterben“, wusste Ulrike Dobrowolny in ihrer Rede zu berichten. Das, und die Begleitung der Betroffenen machen 61 ausgebildete ehrenamtliche Hospizmitarbeiter und ein Team aus hoch qualifizierten Palliativcareschwestern für jährlich rund 300 Menschen in der Region möglich. In Anspruch nehmen können die kostenfreien Angebote des Hospiz-Vereins alle Bürgerinnen und Bürger im gesamten Ahrkreis, unabhängig von ihrer Konfession oder Weltanschauung.
Anstelle der alten Villa soll ein barrierefreier Neubau entstehen. Foto: RERE
