Politik | 11.04.2022

Informationsveranstaltung zum geplanten Windpark Brohltal in Schalkenbach

Brohltal: Windenergie oder nicht?

Die Bürger entscheiden am 8. Mai

Mayk Leps von der BI Schalkenbach, , Dr. Gitta-Greif-Werner und Thomas Mock (von links nach rechts).Foto:BE

Mayk Leps von der BI Schalkenbach, , Dr. Gitta-Greif-Werner und Thomas Mock (von links nach rechts).Foto:BE

Schalkenbach. Darf die Ortsgemeinde Schalkenbach kommunale Flächen zur Errichtung von Windanlagen verpachten? Anders als in vielen Kommunen haben die Schalkenbacher in dieser wichtigen Frage beim Bürgerentscheid am 8. Mai das letzte Wort. Bei einem positiven Entscheid dürfte sich das Gesicht und die Natur des Vinxtbachtals nachhaltig verändern, allerdings könnte die Kommune mit zusätzlichen Einnahmen durch Pachterträge und Beteiligungen am Erlös rechnen, die ihr mehr finanziellen Spielraum verschaffen würden. So kompliziert wie die Materie ist allerdings auch die Abstimmung selbst. Aus verwaltungstechnischen Gründen lautet die Frage am 8. Mai nämlich: Sind Sie dagegen, dass die Ortsgemeinde Schalkenbach gemeindeeigene Flächen für die Nutzung von Windenergie verpachtet? Wer für die Verpachtung und Windkraft im Vinxtbachtal abstimmen möchte, muss deshalb sein Kreuzchen bei Nein machen, wer die Verpachtung ablehnt, bei Ja.

Auf einer vom Team Ewen moderierten Informationsveranstaltung in der Jägersberghalle hatten interessierte Schalkenbacher Gelegenheit, sich aus erster Hand über das Projekt zu informieren, sich aus dem Für und Wider eine eigene Meinung zu bilden. Aus der Kreisverwaltung hatte man Umweltmanager Wilhelm Schulz geladen. Dass der Klimawandel auch die Region betrifft, dürfte seit der Flut im Ahrtal auch bei Skeptikern angekommen sein. Umso ehrgeiziger die Energieziele des Kreises, die schon für 2030 eine bilanzielle Klimaneutralität vorsehen. 2020 betrug der Anteil von Solar- und Windenergie allerdings erst 11,9 Prozent. Da klafft also noch eine große Lücke, die der Kreis gerne durch den Ausbau der Solartechnik und insbesondere durch neue Windanlagen schließen möchte. Zu den bestehenden neun Windanlagen gibt es ein weiteres umstrittenes Projekt auf dem Harterscheid (Sinzig) und, bisher noch wenig bekannt, südlich von Bad Neuenahr-Ahrweiler. Die eab energy GmbH aus Sachsen als Projektierer und Betreiber des geplanten Windparks Brohltal war mit vier Vertretern angereist. Darunter der Geschäftsführer der eigens gegründeten eab Windpark Brohltal GmbH, Jan Gerschner, der die technischen und finanziellen Details des Projekts erläuterte. Derzeit plant man, sofern die Gemeinden Dedenbach und Königsfeld mit ins Boot kommen,vier Windanlagen, die jeweils inklusive Rotorblättern eine Gesamthöhe von 246 m erreichen sollen. Damit würden sie den Kölner Dom um fast 100 m überragen, wären aber auch eine Garantie für optimale Stromausbeute. Bei vier geplanten Anlagen, so Gerschner, könne man mit einer Energieproduktion von ca. 54.700.000 kwh rechnen. Bei fünf möglichen Anlagen, noch ist die Variante mit dem fünften Windrad auf dem Areal von Gut Schirmau nicht ganz vom Tisch, käme noch einmal ein gutes Fünftel dazu. Pro Windrad könne die Gemeinde mit einem gestaffelten Pachterlös von anfangs 62.000 bis 75.000 Euro ab dem 16. Jahr rechnen. Prozentual werden auch Kommunen beteiligt, die nicht weiter als 2,5 km von einer Anlage entfernt sind. Der Einspeiseerlös liege noch deutlich höher. Nachts, so Gerschner, werden die Lichtanlagen abgeschaltet und nur bei Überflug aktiviert. Es gebe eine automatische Abschaltvorrichtung bei Schattenwurf. Auch die Schallbelastung halte sich trotz der Größe in Grenzen. In den meisten Bereichen sei sie nicht größer als 40-45 Dezibel. Für die Errichtung müssten nur wenige weitere Flächen gerodet werden, die Aufforstung liege bei Experten vor Ort.

Bisher gibt es nur wenige Erfahrungen mit kommunalen Beteiligungen an Windkraftanlagen. Deshalb hatte man den Bürgermeister der Hunsrück-Gemeinde Schnorbach in die Jägersberghalle geladen. Bernd Kunz berichtete von einer deutlichen Entspannung in den Kassen der Gemeinden aufgrund der Pacht- und Einspeiseerlöse. Dadurch verfüge man über Spielraum für Investitionen in die Infrastruktur der Gemeinden und beteilige Bürger auch direkt durch eine finanzielle Unterstützung. Die heimische Wirtschaft sei durch den Ausbau der Windenergie gestärkt worden, die Gewerbesteuern gestiegen. „Das Geld der Dörfer,“ so Kunz „bleibt in den Dörfern.“ Entgegen anfänglicher Befürchtungen habe es keine Abwanderung gegeben, auch die Immobilienpreise seien stabil. Inzwischen produziere der Rhein-Hunsrück-Kreis bei 310 Prozent erneuerbaren Stroms erheblich mehr als andere Regionen.

Die Bürgerinitiative Schalkenbach hatte zwei ausgewiesene Umweltschützer als Experten benannt. Erwartungsgemäß lieferten sie die Argumente gegen das Projekt Brohltal-Windpark. Dr. Gitta Greif-Werner als Vorsitzende des JaNu, Verein für Jagd, Natur und Umweltschutz e.V. und Rechtsanwältin in Bad Breisig, positionierte sich klar als Anwältin des Waldes als schützenswerter Lebensraum. „Rheinland-Pfalz gehört mit Hessen zu den waldreichsten Gebieten in Deutschland. Und das Ahrgebirge ist das größte zusammenhängende Vogelschutzgebiet in Rheinland-Pfalz.“ Sie befürchtet gravierende Folgen für die FFH-Gebiete in der Region, zu denen auch die Wacholderheiden der Osteifel gehören. Windanlagen seien trotz gegenteiliger Beteuerung Todesfallen für den bedrohten Rotmilan, den Mäusebussard, Fledermausarten und den vereinzelt heimisch gewordenen Schwarzstorch. Auch Säugetiere wie das Rotwild und die Wildkatze gerieten weiter unter Druck. Greif-Werner betonte, sie sei nicht grundsätzlich gegen den Ausbau der Windenergie, Waldgebiete im Landschaftschutzgebiet Rhein-Ahr-Eifel seien aber besonders wertvoll und erhaltenswert, Windkraft dagegen bis heute nicht wirtschaftlich. Ihr Resümee: „Lassen Sie uns unsere wertvolle Umwelt nicht dafür zerstören.“

Auch Thomas Mock, Anwalt aus Königswinter und Berater vieler Bürgerinitiativen, ist nicht grundsätzlich gegen den Ausbau der Windenergie. Die hügelige, waldreiche Eifel sei jedoch nicht der richtige Ort für Windanlagen. Er berichtete von belastenden persönlichen Erfahrungen aus der Schneifel und äußerte die Befürchtung, dass es in der hügeligen Region verstärkt zu Problemen mit Körperschall kommen wird. Je größer die Windräder, desto größer die Belastung durch Vibrationen, die bis in die Gebäude zu spüren sind. Außerdem wies er auf das Problem von Micropartikeln hin, die sich von den Rotorblättern lösen und zu einer Kontamination des Bodens führen können. Mock prophezeite, dass zu den ersten Anlagen bald mehr kommen werden. „Wenn die Stromleitungen erst liegen und die Wege asphaltiert sind, kommen erfahrungsgemäß schnell weitere Windräder hinzu.“ Die damit verbundenen Eingriffe, so der Anwalt, verändern den Wald, der seine Fähigkeit zur Speicherung von Wasser und zur Kühlung verliere. Der Anwalt äußerte außerdem die Sorge, dass das Projekt nicht zu Ende gedacht ist. Ist wirklich garantiert, dass am Ende genug Geld für den Rückbau vorhanden ist? Könnte die Gemeinde bei wirtschaftlichen Problemen des Betreibers auf dem Schaden sitzen bleiben? Wie ernst nimmt man die Wiederaufforstung gerodeter Flächen?

Trotz der insgesamt dreieinhalbstündigen Veranstaltung blieben auch am Ende einer angenehm sachlichen Diskussion viele Fragen offen. Wohin die Reise im Vinxtbachtal geht, wird man am 8. Mai wissen. Bürgermeister Thomas Weber äußerte sein Bedauern, dass nicht mehr Mitbürger in die Jägersberghalle gekommen sind, um sich aus erster Hand über das Projekt zu informieren. Sein Schnorbacher Kollege Bernd Kunz hatte aber einen wichtigen Rat für die Gemeinde im Gepäck, der viel Beifall erhielt: „Akzeptieren Sie das Ergebnis der Entscheidung, egal, wie sie ausfällt. Sie müssen hier weiter miteinander leben.“

Mayk Leps von der BI Schalkenbach, , Dr. Gitta-Greif-Werner und Thomas Mock (von links nach rechts).Foto:BE

Mayk Leps von der BI Schalkenbach, , Dr. Gitta-Greif-Werner und Thomas Mock (von links nach rechts).Foto:BE

Bürgermeister Thomas Weber hätte sich eine vollere Halle gewünscht.Foto: BE

Bürgermeister Thomas Weber hätte sich eine vollere Halle gewünscht.Foto: BE

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