Bad Breisiger „Abendmusik“ mit Prof. Ernst Erich Stender
Buxtehudes Orgelkunst authentisch dargeboten
Bad Breisig. Es ist ja keineswegs selbstverständlich, dass ein musikalischer Könner der Extraklasse wie Kirchenmusikdirektor Professor Ernst Erich Stender aus Lübeck in der Niederbreisiger Pfarrkirche ein Orgelkonzert gibt. Zu verdanken war dies der Vermittlung durch seine ehemaligen Schüler Carmen und Sven Scheuren, selbst überzeugte Nutzer der neuen Barockorgel in der Kirche Maria Himmelfahrt in der Quellenstadt. Was ihre Bewunderung für dieses im Stil alter norddeutscher Barockorgeln handwerklich von Orgelbaumeister Rowan West aus Altenahr gefertigte Instrument ausmacht, wurde auch von dem Lübecker Professor bestätigt: „Es ist eine wunderbare Orgel, gewissermaßen ein Nachbau im Stil des Barockmeisters Arp Schnitger, der solche Instrumente Ende des 17. Jahrhunderts für norddeutsche Kirchen baute. Meine Bewunderung gilt dem Orgelbauer West. Der Aufbau, die Disposition, die Traktion, die Register - alles typisch nach Schnitger; da klingt Buxtehudes Musik ganz original !“ Der Professor sagte es und spielte ein grandioses, je nach Komposition auch virtuoses Konzert quer durch das Lebenswerk des barocken Lübecker „Orgel-Magiers“ Dietrich Buxtehude. Auf der neuen Barockorgel klingen die Toccaten, Fugen, Passacaglien, Praeludien, die Vorspiele zu geistlichen Gesängen und Fantasien Buxtehudes überaus authentisch, so das Urteil von Prof. Ernst Erich Stender. Er versetzte die Konzertbesucher im voll besetzten Mittelschiff von St. Maria Himmelfahrt zurück in die Zeit, da Dietrich Buxtehude (1637-1707) seine berühmten „Abendmusiken“ regelmäßig anbot. Noch heute wirbt Lübeck mit dieser Tradition in der dortigen Marienkirche, und deren Organisten fühlen sich in der Nachfolge Buxtehudes. Professor Stender bezeichnet sich selbst als den „9. Nachfolger Buxtehudes“, und er bewahrt dessen musikalisches Erbe mit faszinierendem Können. Herrliche Orgelklänge - mal sanft und melodisch, mal in gewaltigen Tonkaskaden füllten die ehrwürdige Kirche St. Marien und berauschten die Besucher des Konzertes im wahrsten Sinn. Sie waren begeistert und dankten dem virtuosen Interpreten mit langen stehenden Ovationen. Auflockernd auch die verbalen Beiträge der Pastoral-Referentin Christel Fassian-Müller, die auf den Lebenslauf und die Bedeutung des Lübecker Alt-Meisters der Orgel-Komposition einging. Der Hinweis, welche Wertschätzung Buxtehude bei Zeitgenossen wie Händel, Telemann und Bach genoss, überraschte manchen Zuhörer. Und dass der große Johann Sebastian Bach in jungen Jahren zu Fuß nach Lübeck pilgerte, um beim Meister Buxtehude „abzugucken“, zeigt, welch großes Erbe Kirchenmusikdirektor Prof. Stender zu verwalten hat. Sein Gastspiel in Bad Breisig darf als ein Highlight in die Geschichte der Breisiger Kulturszene eingehen.
