Das Brohler Wappen
- Irrungen und Wirrungen -
Brohl. Seit geraumer Zeit zeigen sich um die Darstellung des vornehmlich im Ortsteil Brohl verbreiteten Gemeindewappens Irritationen und Streitereien. Dreht es sich hierbei doch nur um die Richtigkeit der Ausführung des Schweifes des Jülicher Löwen in der oberen Wappenhälfte.
Mit Genehmigung des Wappens der ehemaligen Gemeinde Brohl mit Datum vom 1. Juli 1954 war es Zierde aller offiziellen Schreiben der Gemeinde. An vielen öffentlichen Gebäuden war es, in hervorragender Steinmetzarbeit gefertigt, sichtbar angebracht.
Viele Familien und Institutionen führten das Wappen in Form einer Fahne oder Banner zum Schmuck ihrer Häuser zu vielen Anlässen.
Der Wappenteller der Gemeinde zeigt ebenfalls das gemeindliche Hoheitszeichen; so auch die Sportler auf ihren Trikots. Wer waren die Verursacher, dass seit einiger Zeit nunmehr ein „falsches“ Wappen die Runde macht?
Lag es an jener Wikipedia, welche mit ihrer Internet-Plattform diese Wirrungen entfachte - oder wer war der Auslöser? Wie kam der rührige Brohler Kulturverein „Aalschokker Katharina“ dazu, diese fehlerhafte Gestaltung zu präsentieren und sogar Fahnen anzubieten? Was führte die Brohler Feuerwehr dazu, ihre Freizeit-Jacken mit dem falschen Wappen zu beflocken? Selbst der mit heimatkundlich versierten Personen bestückte Stammtisch „Hühmänntjes“ saß dieser Ente auf, was zwischenzeitlich jedoch durch eine Neugestaltung behoben wurde.
Welches Wappen ist richtig?
Mit Beginn der 50er Jahre bemühten sich Brohler Heimatfreunde, auf Anregung des Hauptlehrers Leo Stausberg, um ein Ortswappen.
Es sollte den historischen Gegebenheiten des Ortes entsprechen und so das Interesse der Heimatgeschichte wach halten. Der Wappen-Entwurf von Hauptlehrer Stausberg fand die einhellige Zustimmung des Rates, so dass derselbe zur Genehmigung der heraldischen Darstellung an das Staatsarchiv Koblenz eingereicht wurde. In leichter Abänderung dieses Entwurfs - es ging hier lediglich um den farblichen Abgleich und Form der unteren Wappenhälfte mit dem Wappen der ehemaligen Gemeinde Niederbreisig - legte dann der von der Landesregierung beauftragte Heraldiker Archivar Dr. Hirschfeld den endgültigen Inhalt fest. So konnte Ortsbürgermeister Eulenbruch Anfang Juli 1954 folgenden Wortlaut der Genehmigungsurkunde des Innenministeriums von Rheinland-Pfalz verkünden:
„Das Innenministerium des Landes Rheinland-Pfalz. Genehmigungsurkunde. Auf Grund des Paragrafen fünf der Gemeinde-Ordnung für Rheinland-Pfalz erteilen wir hiermit der Gemeinde Brohl, Landkreis Ahrweiler, die Genehmigung zur Führung eines eigenen Wappens.
Das Wappen zeigt in geteiltem Schild oben in Gold einen wachsenden, rot-bewehrten, schwarzen Löwen; unten in Schwarz zwei rote, schräg gekreuzte Pfeile, kreisförmig begleitet von sechs goldenen Kugeln. Mainz, den 1. Juli 1954“
Durch Zusammenschluss der beiden selbstständigen Gemeinden Brohl-Rhein und Niederlützingen am 7. November 1970 übernahm die neue Gemeinde Brohl-Lützing im darauf folgenden Jahr das Brohler Wappen als das eine offizielle Wappen. Zumal die Geschichte beider Ortsteile fast gleich verlief.
Geschichtliche Grundlage
Die Basis für die Gestaltung eines eigenständigen Wappens fand Hauptlehrer Leo Stausberg und später bis 1965 Rektor der Volksschule in Brohl, in der Zugehörigkeit Brohls bis 1789 zum „Ländchen Breisig“, also bis zur Annektierung des linken Rheinufers durch Frankreich.
In der Zweiteilung des Wappens wahrte er die geistliche und weltliche Gewalt.
Zum einen die geistliche Herrschaft des damaligen Damenstifts und Fürstentums Essen und zum anderen die Macht der Sachwalter der weltlichen Herrschaft, den Herzögen von Jülich.
So zeigt das obere Wappenfeld den Jülicher Löwen und in dem unteren Wappenfeld bedeuten die gekreuzten Pfeile die von den Äbtissinnen gewährte Jagdfreiheit. Die sechs goldenen Kugeln stehen für die Gemeinden des „Ländchens Breisig“ - Nieder- und Oberbreisig, Brohl, Nieder- und Oberlützingen und Gönnersdorf.
Ob die Anzahl der Kugeln (Rundscheiben) mit fünfeinhalb, sechs oder sogar sechseinhalb heraldisch richtig war - hier nahm man Bezug auf die unterschiedlichen Breisiger Wappen - wurde nach eingehenden Recherchen im Staatsarchiv mit sechs Kugeln für das Brohler Wappen genehmigt.
Zur Erläuterung sei hier festzuhalten, dass ein Gemeindesiegel von Niederbreisig aus dem Jahr 1667 fünf Kugeln aufweist. Ein in eine Chorstuhlwange der St. Marien-Pfarrkirche eingearbeitetes Wappen zeigt fünf und eine halbe Kugel.
Sechseinhalb Kugeln zeigt ein Basaltreliefstein, welcher in der Außenmauer der Pfarrkirche zu sehen ist.
Werner Fußhöller
Da diese Kugeln die Gemeinden des „Breisiger Ländchens“ symbolisieren sollen, könnte hier nur eine unterschiedliche Zählweise vorliegen, so zum Beispiel mit oder ohne Thal Rheineck und/oder Zusammenfassung der beiden geteilten Orte Nieder- und Oberbreisig bzw. Nieder- und Oberlützingen.