Aussetzung des Heiligtums im Rahmen mehrerer Andachten
Das Reliquienkreuz im Mittelpunkt
Bad Breisig. Schon lange Jahrhunderte sind die Mitglieder der Pfarrei „St. Maria Himmelfahrt“ stolz auf den Besitz jener verehrungswürdigen Reliquie, die in einem kunstvoll geschmiedeten silbernen Kreuz einen Holzpartikel vom Kreuz Jesu enthalten soll. Der römischen Kaiserin Helena, Mutter Konstantins des Großen, schreibt die Legende das Auffinden des Kreuzes zu, an dem Jesu gestorben ist. Im 3. Jh. nach Christi Tod soll Helena das Kreuz bei Nachforschungen im Heiligen Land aufgefunden haben. Splitter jenes Kreuzes waren seitdem äußerst beliebte Reliquien. Ein Ritter des Templerordens, der bereits seit dem frühen 13. Jahrhundert die größte westliche Niederlassung des Ordens in Breisig unterhielt (das „Weinhaus Tempelhof“ ist ein spätes Relikt davon), hat wohl einen jener Splitter organisiert und mit zur Breisiger Kommende gebracht. Hier wurde die kostbare Reliquie sorgsam gehortet und später in ein kunstvoll geschmiedetes Silberkreuz eingebracht. Früh wurde das verehrungswürdige Mitbringsel aus dem Heiligen Land Ziel einer alljährlichen Wallfahrt, die sich von Mal zu Mal steigerte. Zum katholischen Fest Kreuzerhöhung (14. September) entwickelte sich nach und nach der „Heiligkreuzmarkt“, ab 1374 durch Kaiser Karl IV per Dekret sogar legalisiert, da er Breisig das Marktrecht verlieh. Daraus wurde über die Jahrhunderte der „Zwiebelmarkt“. Als mit dem Einmarsch der französischen Revolutionstruppen 1794 das Ende der inzwischen von den Johannitern übernommenen Templer-Kommende bevorstand, übernahm die Pfarrei St. Marien die Reliquie. Um sie vor den Franzosen zu schützen, wurde sie zunächst von einer Bürgerin namens Haas über den Rhein nach Hönningen geschafft. Erst am 14. September 1826 kam sie endgültig in die Marienkirche.
Die Botschaft zählt
Seitdem nahm der Zwiebelmarkt kaum glaublichen Aufschwung. Im Lauf der Zeit gelangte die Reliquie als eigentlicher Auslöser, die Wallfahrt zur Kreuzreliquie, fast in den Hintergrund. Erst in den letzten Jahrzehnten bildet das kleine Heiligtum wieder den Mittelpunkt der Besucherströme zum „Zwibbelsmaat“. An vier sakralen Veranstaltungen über alle Tage des Festes erfolgte die „Aussetzung der Kreuzreliquie“ im Rahmen von kurzen Andachten mit Gebeten und Lesungen. Was den Sinn der Reliquie angeht, so stellt Pastor Günter Marmann klar: „Es kommt nicht auf den Wahrheitsgehalt der wirklichen Herkunft der Holzpartikel an. Vielmehr gilt es, den Focus auf die Bedeutung des Heiligtums zu richten. Die Verehrung gilt nicht der Reliquie selbst, sondern der Botschaft, für die sie steht!“ Er segnete die Gläubigen mit dem Silberkreuz. Die vollen Festtage über stand das Heiligtum zur Verehrung auf einer Säule vor dem Altar der Marienkirche. Übrigens wurde der Platz vor der Marienkirche im Rahmen der kompletten Neugestaltung mit einem großformatigen Kreuz geschmückt, das in den Boden eingelassen ist.
