Mitgliederversammlung des NABU Kreisverband Ahrweiler
Der NABU ist unzufrieden mit der Landesregierung
Bad Neuenahr. Zur jährlichen Mitgliederversammlung lud der NABU seine Mitglieder und Freunde in das Neuenahrer Brauhaus.
Auf der Tagesordnung standen die üblichen Vereinsregularien und ein faszinierender Vortrag zum Abschluss der Veranstaltung.
Im Jahresbericht wurden durch den Vereinsvorsitzenden Alfred Pohl, die Aktivitäten im zurückliegenden Jahr zusammengefasst und erläutert.
Wie zum Beispiel über die alljährlich wiederkehrenden Aktionen wie: Stunde der Gartenvögel, Stunde der Wintervögel, Schwalben willkommen. Oder auch die schon seit Jahren durchzuführenden Pflegearbeiten im Naturschutzgebiet Swistbachaue, den Orchideenwiesen im Brohltal, Obstwiesen bei Bölingen, um nur einige zu nennen. Auch die Verbringung verletzter Vögel und Igel zur Wildvogelpflegestation in Kirchwald und das Neophyten-Projekt an der Ahrmündung.
Auch über die Vielzahl der Jahresveranstaltungen verschiedenster Art von Exkursionen und Wanderungen wurde berichtet.
Für die Naturschutzjugend (NAJU) waren von den letztjährigen Veranstaltungen der „Geo Tag der Artenvielfalt“ und das NAJU-Biwak die Schwerpunktaktionen.
Schwerpunkt Vorrangflächen für Windkraftanlagen
Die Mitgliederversammlung war auch deshalb gut besucht, weil der Tagesordnungspunkt „Stand der Ausweisung von Vorrangflächen für Windkraftanlagen (WKA) im Kreis Ahrweiler“ auf großes Interesse stieß. Nach der Darlegung durch Herrn Fuchs wie weit einzelne Städte, und (Verbands-)gemeinden mit der Ausweisung von Vorrangflächen sind, folgte eine angeregte Diskussion über die Art und Weise, wie die Flächenplanung seitens der Landesregierung auf die Gemeinden abgewälzt wurde und wie die Reaktion seitens des NABUs auf künftige Bauanträge sein sollte.
Unter den anwesenden Mitgliedern waren gleich drei Juristen, die im offenen Gespräch ihre Sicht und die Möglichkeiten der Einflussnahme bei Flächenausweisungen und konkreten Bauvorhaben dem Vorstand mitteilten. Besonders beklagt wurde, dass zur Vermeidung der „Verspargelung“ durch viele einzelne Anlagen, die weder wirtschaftlich (in Bezug auf die Anbindung), noch in Bezug zum Natur- und Landschaftsschutz wünschenswert sind, nicht auf das überregionale Instrument der Raumordnungsplanung zurückgegriffen wird.
Festgestellt wird dabei der Trend seitens der Bundes- und Landesregierungen populäre Entscheidungen zu Verkünden, aber die daraus erwachsenen notwendige aber unpopuläre Regelungen auf untere Ebenen - in diesem Fall - auf Gemeindeebene zu delegieren. Jedoch ist es insbesondere bei der Flächenausweisung für WKAs im Interesse aller Beteiligten, dass hier überregional geplant und entschieden wird.
Einige der anwesenden Juristen bezweifelten die Rechtmäßigkeit der derzeitigen Regelung und sahen auch darin Möglichkeiten zur Klage.
Auch dazu, so der Vorsitzende, werde derzeit auf Landesebene ein Fonds gegründet, der es dem NABU ermöglichen soll bei begründeten Klagen durch alle notwendigen Instanzen zu gehen. Dieser Fonds wird rein durch Mitgliedsbeiträge gefüllt werden.
Herr Fuchs als Vertreter des Kreis-Vorstands, der mit der Stellungnahme bei Bauprojekten betraut ist, behielt sich auch für WKAs vor, jeden Einzelfall zu prüfen und bei Bedarf auf alle Möglichkeiten der Einflussnahme zurück zu greifen, sieht es allerdings nicht als sinnvoll an immer und generell gegen die auf Gemeindeebene delegierte Flächenplanung bei WKAs im Kreis Ahrweiler vorzugehen. Stellungnahmen zum Landesentwicklungsplan habe man schon gemeinschaftlich über die Landesvertreter der Landeregierung übergeben.
Auf den Kreis bezogen
Auf den Kreis Ahrweiler bezogen will der NABU insbesondere in Gebieten mit Schutzstatus alle Register ziehen und tun, was Möglich und Notwendig ist, um WKAs dort zu verhindern, wo ihr Nutzen in keinem Verhältnis zu den Nachteilen steht. Denn der Gesetzgeber sieht derzeit vor, den Schutzstatus von Vogelschutz- und Landschaftsschutzgebieten, für WKAs zu ignorieren. „Wir werden WKAs im Kreis-Ahrweiler keine Steine in den Weg legen, wo sie sinnvoll und umweltverträglich sind, dazu gibt es auch unter Berücksichtigung der Windhöffigkeit im Kreis Ahrweiler eine Reihe von geeigneten oft vorbelasten Standorten, wie zum Beispiel in Autobahnnähe. Allerdings ist es nicht sinnvoll alle Städte und Gemeinden über einen Kamm zu scheren und sie aufzufordern - ungeachtet ihres Nutzens für Einwohner und Erholungssuchende - prozentual die gleiche Fläche als Vorranggebiete für WKAs auszuweisen“, so Herr Fuchs. Trotz mancherlei Befürchtungen fand die Veranstaltung mit einem zuversichtlichen Blick in 2013 ihr Ende.
Das anschließende Rahmenprogamm wurde gestaltet von Stefan Brücher (Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen EGE) mit einem faszinierenden Vortrag über „Eulen und Falken im Ahrtal“.
Interessiert lauschte man Erlebnissen und der jahrzehntelangen Erfahrung des Eulenexperten, der seine Kletterfähigkeiten zum Wohle und Schutz von Greifvögel aller Art einsetzt. Bekannt ist er auch durch die UHU-Web-Cam im Ahrtal. Besonders die neu gewonnenen Erkenntnisse über das Leben der Uhus waren beeindruckend.
Jedoch mussten auch die Probleme des Uhus, der Nachts auf Jagd geht, mit Strommasten und Überlandleitungen zur Kenntnis genommen werden. Mit acht Brutpaaren im Ahrtal hat sich die Population des Uhus weiter gut entwickelt. Die Bestände der Wanderfalken sind auch zufriedenstellend, obwohl oft Jungfalken von den Uhus als Beute geschlagen werden. Natur ist halt Natur.
Pressemitteilung
NABU Kreisverband Ahrweiler
Der geplante Ausbau der Windenergie sorgte beim NABU für Diskussionsstoff . Foto: djd/UDI/CJS
