Politik | 03.02.2014

Regionalbüro der Energieagentur in Bad Neuenahr-Ahrweiler eröffnet

Die Erwartungen sind hoch

Ministerin Lemke: Teurer Atomstrom - Gesellschaft profitiert von Energiewende

Eröffnung der Energieagentur (v. l.): Anna Jessenberger, Christina Kaltenegger, Ministerin Eveline Lemke, Landrat Dr. Jürgen Pföhler und Matthias Gienandt. FIX

Bad Neuenahr-Ahrweiler/Kreisgebiet. Mit einem Festakt im Are-Gymnasium wurde jetzt das neu angesiedelte Regionalbüro der Landes-Energieagentur in Bad Neuenahr-Ahrweiler offiziell eröffnet. Die Agentur ist im Erdgeschoss der Kreisverwaltung Ahrweiler - unmittelbar im Umfeld der Bürgeranlaufstelle - angesiedelt. Die Räumlichkeiten stellt der Kreis Ahrweiler zur Verfügung. Zuständige Mitarbeiter der Energieagentur sind dort Anna Jessenberger und Matthias Gienandt. Die Personalkosten übernimmt das Land Rheinland-Pfalz.

In seiner Eröffnungsrede drückte Landrat Dr. Jürgen Pföhler seine Freude darüber aus, „dass wir heute gemeinsam die Regionale Energieagentur, zuständig für die Kreise Ahrweiler und Vulkaneifel, eröffnen können.“ Der Einladung gefolgt waren die rheinland-pfälzische Energie- und Wirtschaftsministerin Eveline Lemke, der Präsident der Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Dr. Ulrich Kleemann, zahlreiche Landtagsabgeordnete, Bürgermeister, Kreistagsmitglieder, Vertreter der Europäischen Akademie sowie weiterer Organisationen, Umweltverbände sowie einige zum Thema passende Aussteller. Pföhler erinnerte daran, „dass Anfang Juli 2012 von Ihnen, sehr geehrte Frau Staatsministerin, die Energieagentur des Landes Rheinland-Pfalz gegründet wurde und Sie angekündigt haben, dass regionale Energieagenturen deren Tätigkeit vor Ort unterstützen sollen.“ Man habe sich dann spontan für den Kreis Ahrweiler um den Sitz einer dieser Agenturen beworben. Mit Erfolg - und dafür bedanke sich der Landrat ausdrücklich und namentlich bei Ministerin Lemke: „Dass dies nun tatsächlich möglich geworden ist und wir heute die Einweihung feiern können, ist auch Ihrem persönlichen Einsatz zu verdanken, für den ich mich an dieser Stelle ausdrücklich bedanken möchte.“ Klar sei auch: „Das, was die Energieagentur leisten wird, eine Kreisverwaltung allein personell nicht erbringen kann.“

Kreis engagiert

Der Kreis Ahrweiler sei seit vielen Jahren sehr engagiert auf dem Weg einer nachhaltigen Energiepolitik unterwegs. „Alle drei Säulen einer nachhaltigen Energieversorgung werden bei uns seit Jahren systematisch bearbeitet. Einsparung von Energie, alternative Heizformen und die Produktion von Energie aus regenerativen Energiequellen stehen bei uns seit vielen Jahren auf der Agenda“, so Pföhler. Als Beispiel nannte er das Are-Gymnasium, das das erste Gymnasium in Rheinland-Pfalz sei, das im Passivhaus-Standard erweitert wurde. Nicht weniger bedeutsam sei auch die konsequente energetische Sanierung der kreiseigenen Schulgebäude, innovative Heiztechniken, beispielsweise in der Nürburg-Schule in Wimbach oder „bei uns im Kreishaus“. Bereits im Jahr 2005 habe der Kreis, so der Landrat weiter, „konsequent alle geeigneten Dächer der kreiseigenen Gebäude durch die von uns gegründete Solarstrom GmbH mit Photovoltaik-Anlagen ausgerüstet und erzeugen so ökologischen Strom. Auch beziehen wir, wie die Landeseinrichtungen auch, inzwischen lediglich Ökostrom, den wir für unsere Verwaltungstätigkeit nutzen.“ Dabei arbeite man weiter konsequent an der Umsetzung des Kreistagsbeschlusses, der vorsieht, im Jahr 2030 100 Prozent des Strombedarfs bilanziell aus erneuerbaren Energien decken zu können. „Das erste Zwischenergebnis lautet: Wir haben einen Anteil von rund zehn Prozent am Gesamtstrombedarf erreicht. Dies zeigt deutlich, dass die vielen Maßnahmen vom Kreis und den Kommunen zu greifen beginnen. Es zeigt aber auch, dass in den kommenden 20 Jahren eine lange Wegstrecke vor uns liegt.“ Zur Erreichung dieses ambitionierten Ziels seien in den kommenden Jahren im Kreis Ahrweiler, im Land Rheinland-Pfalz und in ganz Deutschland erhebliche Anstrengungen notwendig. Bundesweit liegt der Anteil des aus erneuerbaren Energien erzeugten Stroms derzeit schon bei über 20 Prozent.

Umsteuerung der Volkswirtschaft

„Letztlich geht es in den nächsten zwei Jahrzehnten darum, eine ganze Volkswirtschaft umzusteuern.“ Viel verspricht der Landrat sich dabei von der Energieagentur vor Ort. „Die Erwartungen in Politik und Fachkreisen an die neue Agentur sind jedenfalls hoch,“ so Pföhler abschließend.

Eines wurde bei der Veranstaltung deutlich: Die Energieagentur ist ein Angebot an die Region; und annehmen muss es die Region selbst - mit lokaler Unterstützung vor Ort. Und es geht längst nicht allein um Stromerzeugung, sondern um den komplizierten Gesamtkomplex „Energie.“

Ministerin Eveline Lemke machte dies in ihren Ausführungen deutlich. In dem knappen Zeitraum bis 2030 solle man sich nicht von den Weichenstellungen in Berlin und Brüssel beeinflussen lassen. „Wir profitieren als Gesellschaft von der Energiewende, und es bedarf Kraft zu dieser Bewegung,“ so Lemke. Man müsse Bürgerakzeptanz und gute Beispiele erreichen und die ökonomischen Chancen für Veränderungen nutzen.

Teurer Atomstrom

Schon heute hätten Alternativenergien die günstigsten Erzeugungskosten: Wind 8,1 Cent je Kilowattstunde, Stein- und Braunkohle hingegen 15,4 bzw. 16 Cent sowie Atomstrom sogar 42 Cent. Die Transparenz darüber fehle jedoch in den Stromrechnungen. Viele Menschen hätten mittlerweile die Initiative ergriffen und produzierten selbst sauberen Strom. Für Investoren sei die derzeitige Diskussion jedoch schädlich. Schließlich dankte Lemke allen, die im Kreis Ahrweiler für die Energiewende gewirkt haben; namentlich Wolfgang Schlagwein, dessen Name eng in Verbindung mit den „Ahrtalwerken“ stehe. Schließlich wünschte sich Lemke, dass Ölheizungen bald der Vergangenheit angehören.

Als Gastrednerin eingeladen war die junge Lena Scheifgen, Botschafterin von „Plant for the Planet“. In Wort und Bild sprach sie anschaulich die „Klima- und Gerechtigkeitskrise“ an. „Es ist eine Frage des Überlebens, nicht nur der Eisbären, sondern der Menschheit. Alle Erwachsenen wissen von diesem Problem. Wir können daher nicht verstehen, warum so wenig getan wird,“ hofft die engagierte Jugendliche auf baldige globale Änderungen.

Die Ziele und Aufgaben der Energieagentur stellten schließlich Anna Jessenberger und Matthias Gienandt sowie Christina Kaltenegger, kommissarische Geschäftsführerin der Energieagentur Rheinland Pfalz mit Sitz in Kaiserslautern, umfassend und anschaulich dar.

Regionale Energieagentur

Das Land Rheinland-Pfalz hat zum 1. Juli 2012 die Energieagentur Rheinland-Pfalz GmbH mit Sitz in Kaiserslautern gegründet. Aufgabe der Energieagentur ist es, als landesweite Plattform die zahlreichen Energiewende-Akteure - Kommunen, Unternehmen, Bürgerinnen und Bürger - zu informieren und zu unterstützen. Ferner wird die Information von Kommunen zur Stabilisierung der Versorgung durch erneuerbare Energien oder zu rechtlichen Fragestellungen einschließlich einer Fördermittelberatung verstärkt. Die Vernetzung der relevanten Akteure nimmt dabei eine ebenso wichtige Stellung ein.

Folgende Ziele und Instrumente wurden konkret für die Energieagentur benannt: Unterstützung der Kommunen auf dem Weg zu einer sicheren und dezentralen Energieversorgung und bei dem Bestreben nach mehr Energieeffizienz; kompetente Beratung der Wirtschaft über den effizienten Einsatz von Energie und individuelle Unterstützung; Bildung von Fachnetzwerken zur Stärkung der heimischen Energiebranche; Vernetzung von Expertenwissen zur Nutzung von Innovationen und Wissenstransfer; kompetente Förderberatung zu Landes-, Bundes- und EU-Fördermöglichkeiten.

Zur örtlichen Unterstützung und praktischen Arbeit in den Regionen des Landes sollen bis 2014 neun regionale Energieagenturen als Außenstellen der Landes-Energieagentur eingerichtet werden. Die Arbeit der Regionalagentur wird fachlich und organisatorisch durch die Landesagentur unterstützt. Für die Regionalagenturen stellt das Land für 2014 eine Förderung in Höhe von 2,5 Millionen Euro zur Verfügung. Bürger etwa, die Fragen beispielsweise zum Stromsparen im Haushalt haben, können sich an die Energieagentur oder an die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz wenden. Beide Organisationen haben für diese Zielgruppe eine Kooperationsvereinbarung geschlossen, sodass es für Bürger nun ein dichtes Netz von rund 70 Informations- und Beratungspunkten im ganzen Land gibt. Die Ziele und Aufgaben der regionalen Energieagenturen sind zur Unterstützung des Ausbaus der erneuerbaren Energien, zur Sicherung der Energieversorgung der Zukunft sowie zur Nutzung der Energieeffizienz- und Einsparpotenziale von erheblicher Bedeutung. Vor diesem Hintergrund werden durch die Einrichtung einer regionalen Energieagentur im Kreis Ahrweiler deutliche Impulse zur Umsetzung der 100-Prozent-EE-Region erwartet.

Eröffnung der Energieagentur (v. l.): Anna Jessenberger, Christina Kaltenegger, Ministerin Eveline Lemke, Landrat Dr. Jürgen Pföhler und Matthias Gienandt. Foto: FIX

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