Eine kuriose Geschichte, gelesen und gespielt im Kulturbahnhof
Die „Mordshochzeit“ fand ein gutes Ende
Bad Breisig. Die drei Witzbolde Carsten Sebastian Henn, Ralph Kramp und Sascha Gutzeit, von Hause aus Journalisten, haben bereits ihre Fangemeinde in der Quellenstadt, verbreiten sie bei ihren Roman-Lesungen von der Bühne her doch reichlich gute Laune. So auch diesmal, als sie sich den recht konfusen Inhalt der Geschichte von der „Mordshochzeit“ in einem erfundenen Eifeldorf vorgeknöpft haben.
Zum Inhalt: Da gibt es in dem Dorf Welterscheid den früheren Klempner Manni Düppesbecker, ein Urgestein aus verarmtem Adel, der aus grauer Vorzeit in seine heruntergekommene Villa das Recht in die Gegenwart herübergerettet hat, Ehen zu Stiften. Das Gewohnheitsrecht, Hochzeiten zu organisieren, macht er zu einem guten Geschäft, indem er der Sache
einen dem Englischen entlehnten Namen gibt: „Wedding Heaven“, übersetzt: „Hochzeits-Himmel“. Die Idee des bärtigen alten Herrn zündet wie eine Bombe: Leute, die auf Grund ihrer (Ein)-bildung etwas auf sich halten, stürzen sich auf die besondere Chance, sich auf Englisch (oder Amerikanisch) das Jawort zu geben - und das im Wonnemonat Mai, und dazu in der Eifelidylle Welterscheid. Eine clevere Eifelanerin, die Oma Brock, nimmt die Sache in ihre Hände und organisiert viele „Wedding-Reisen“ mit touristischem Geschick. Ganze Herden von Japanern hat die Brock mobilisiert, die sich die originelle Geschichte der Hochzeit von exaltierten Reichen und Schönen nicht entgehen lassen wollen und alles fotografieren, was damit zusammenhängt. Nur der junge Kaplan Florian Unkel will nicht mitspielen, dass seine Kirche für den Heiligen Bund der Ehe zur „Wedding Chapel“ entweiht werden soll. Dann passiert die Entführung einer stinkreichen Braut, die Verfolgungsjagd der Oma Brock und gar der Mord mit einer Tortenschaufel an einem Paparazzo - ein schwer nachvollziehbares Towuhabohu ohnegleichen, das auch durch die Aufklärungsversuche durch die Brock und Kaplan Unkel nicht gerade durchschaubarer wird. Die drei Darsteller auf der Bühne machen die konfuse Handlung mit lustigen Einfällen erträglich; Gags, die teilweise durchaus an Klamauk heranreichen. Zusätzlich schafft Sascha Gutzeit am Keyboard musikalisch und mit Slapstick - Gesang eine der Handlung dienliche Atmosphäre. Das Publikum lässt von der Komik einfangen, ist ein ums andere Mal amüsiert und spendet Zwischenapplaus. Die drei lustigen Protagonisten verstehen es, die Leute mit Spaß und süßen Geschenken auf ihre Seite zu ziehen. Es gibt sogar ein „mordsmäßiges“ Verzehrs-Angebot als Pausenfüller-Einfälle, die nur mit Unterstützung der immer dynamischen quellenstädtischen Tourist-Info unter Referentin Brigitte Kiplitsky möglich sind. Sie ist es auch, die sich im Namen der Stadt bei dem Theaterverein „Brisiacum“ für eine großzügige Spende bedanken kann: Stuhlkissen für den wieder einmal restlos gefüllten Saal des Jugend- und Kulturbahnhofs, die den Besuchern das Sitzen auf den ehemals harten Stühlen bis zur Aufklärung des Tötungsdelikts bei der „Mordshochzeit“ erträglicher macht. Das Publikum hatte somit Spaß und zeigte dies durch lang anhaltenden Applaus.
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