Friedensgrüße im Gebet aus der Bad Breisiger Marienkirche
„Grüß Gott, Salem aleikum und Schalom!“
Bad Breisig. Zu einem höchst eindrucksvollen „Ökumenischen Friedensgebet“ im Zusammenhang mit der Wallfahrt zur Kreuz-Reliquie während des „Heilig-Kreuz-Marktes“ (dem heutigen „Zwiebelmarkt“) hatten die Verantwortlichen der katholischen Pfarrgemeinde St. Marien und der evangelischen Christus-Gemeinde eingeladen. Mit dabei am Auftakt-Abend des „Zwiebelmarktes“ in der barocken Marienkirche waren auch Gläubige der benachbarten Brohler Pfarrei. Die tief schürfenden Gedanken zu den gegenwärtigen schlimmen Zuständen der Menschheit und die Leitung der Gebete waren dem Quartett Christel Fassian-Müller (Gemeindereferentin Pfarreiengemeinschaft Breisiger Land), Pastorin Inge Gaebel (Evangelische Kirchengemeinde Bad Breisig) und den beiden Vorsitzenden der Laien-Vertretungen Christina Braun (St. Marien, Bad Breisig) und Martin Schnitger (Johannes der Täufer, Brohl) vorbehalten.
Den musikalischen Teil mit passenden, auf die Themen bezogenen Beiträgen bestritt der hörenswert geschulte „Junge Chor“ der Pfarrgemeinde Bad Breisig, einstudiert und am Klavier begleitet von Carmen Scheuren, unterstützt von Daniela Netz (Brohl) mit Querflöte und Bongo. Die von Menschen verursachten Katastrophen unserer Zeit geben reichlich Stoff zum Bedauern und Klagen.
Einander die Hände reichen
„Wir richten uns in diesem Friedensgebet an den gemeinsamen Gott der Christen, der Muslime und aller anderen Religionen – denn es ist letztlich der gleiche Schöpfer,“ stellen Christel Fassian-Müller, Inge Gaebel und ihre Mitstreiter klar. „Wir beten vor allem für die geschundenen und gedemütigten Kinder in vielen Teilen der Welt, Kinder mit den Waffen in der Hand, beruflich ausgebeutet, verfolgt wegen ihrer Religion, auf der vielfach todbringenden Flucht, und - wenn endlich am Ziel angekommen, auf dem schwierigen Weg zur Integration.“
Sie erinnern daran: Abraham - er ist Stammvater der christlichen Religion, des Islams und des Judentums – war auch ein Verfolgter, ebenso wie Christus und auch Mohammed. Die Protagonistinnen am Altar ziehen Gleichnisse aus den vielen Völkerwanderungen im europäischen Raum, aus der Suche nach einem lebenswerten Leben, zum Beispiel auch aus den Wellen der Auswanderung – Flucht aus der Not in Mitteleuropa. Christel Fassian Müller: „Ich kann nicht nachvollziehen, dass in unserer aufgeklärten Zeit Menschen wegen unsinniger Kriegshandlungen aus ihrer Heimat verjagt werden.“ Bezogen auf die Kreuzreliquie, inmitten der Kirche ausgestellt: „Dieses, im 13. Jahrhundert zu uns gekommene kleine Heiligtum, hat schon so viele Fluchten (auch eigene) mitgemacht – und es ist immer noch da! Es ist nicht so wichtig, ob die Reliquie nun wirklich Partikel des Hl. Kreuzes enthält – aber sie kann Träger einer Botschaft, sein an die wir uns als Gläubige klammern dürfen.“ Die Protagonisten am Altar fordern die Menschen in der Kirche auf zum Friedensgruß: Ob „Grüß Gott“, ob „Salem aleikum“ oder „Schalom“ – alle geben sich die Hand, und einige aktuelle Flüchtlinge, die sich ins katholische Gotteshaus verirrt haben, sind dankbar mit dabei. Und alle Deutschsprachigen singen zum Schluss mit dem „Jungen Chor“ die flehentliche Bitte: „Herr, gib uns den Frieden“!
