Griechische Winzer informierten sich an der Ahr
Gute Tropfen und Weintourismus
Einladung von Mechthild Heil und der Deutsch-Griechischen Versammlung
Kreis Ahrweiler. „Griechischer Wein ist so wie das Blut der Erde“, sang Udo Jürgens in seinem melancholischen Lied. Dass die Tropfen aus Hellas tatsächlich edel sind und überregionale Bedeutung für das sonnenverwöhnte Land haben, das betonten acht Winzer aus der Nähe von Thessaloniki bei ihrem knapp fünftägigen Besuch an der Ahr. Sie erlebten in dieser kurzen Zeit ein proppenvolles Programm und erfuhren viel über den Weinbau an der Ahr. Der ist dem griechischen sehr ähnlich, wie Winzer Anestis Haiditis deutlich machte. Die Deutsch-Griechische Versammlung mit ihrem Leiter in Berlin, Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel, hatte die Bundestagsabgeordnete Mechthild Heil gefragt, ob sie eine solche Informationsfahrt in ihren Wahlkreis organisieren könne. Der Erste Beigeordnete der Gemeinde Grafschaft hatte schon mehrere Konferenzen in Griechenland besucht und hat gewachsene Kontakte in das beliebte Urlaubsland, in dem der Weinbau im Zusammenhang mit dem Tourismus eine große Bedeutung hat. Die Christdemokratin konnte sich nicht so intensiv um ihre Gäste kümmern, da sie eng in die Berliner Sondierungsgespräche mit dem möglichen Koalitionspartner SPD eingebunden war. Doch Michael Schneider und die Unternehmerin Dr. Gabriele Wolff aus Kempenich begleiteten die Griechen auf Schritt und Tritt, stellten die notwendigen Kontakte her und waren schon nach wenigen Stunden wie Freunde zu den interessierten Winzern. Maria Vassiliadu fungierte als Dolmetscherin.
Winzer nehmen sich ein Beispiel an den Ahr-Kollegen
„Die deutsch-griechischen Beziehungen sind sehr gut. Aber in der Öffentlichkeit dieses wunderschönen Urlaubslandes hat es in letzter Zeit einen Knacks gegeben. So sorgen wir auch dafür, dass das Bild der Deutschen in Griechenland wieder klargestellt wird. Diese Initiative ist von Bundeskanzlerin Angela Merkel ausgegangen. Und Mechthild Heil hat es gerne übernommen, diese Reise zu organisieren“, erklärte Schneider einen wichtigen Punkt bei den Planungen. „Die Winzer sind Multiplikatoren, die dann zu Hause weitergeben, was sie hier erlebt haben." Gerade ein Besuch wie der im Kreis Ahrweiler diene dazu, Rahmenbedingungen zu verbessern und Einnahmequellen zu erschließen.
Aus der Grafschaft war die Deutschgriechin Olympia Alexaki-Gäb charmantes Bindeglied zwischen den Teilnehmern. Sehr viele Gemeinsamkeiten hätten die Weinanbaugebiete der Ahr und im Raum Thessaloniki. Wenn natürlich die Temperaturen in Hellas deutlich höher sind, so lassen sich Größe, Steillagen, Qualität und Rahmenbedingungen gut vergleichen. Im von Finanzkrisen gebeutelten Griechenland sind zur Zeit die Kreditvergaben sehr schwierig, sodass zum Beispiel ein Informationsgespräch in der Kreissparkasse Ahrweiler den Gästen wertvolle Tipps gab. Untergebracht im Hotel Krupp, starteten die acht Besucher mit ihren Begleitern jeden Tag zum vollen Programm. Am ersten Abend nahm sich Winzer Marc Linden im Weingut Sonnenberg viel Zeit, um den Kollegen aus seiner Praxis zu berichten. Sehr angetan waren die Griechen übrigens während der Tage von der Qualität der Ahrweine, die ihnen kredenzt wurden. Oliver Piel vom Ahrtaltourismus erläuterte die Strukturen im Ahrtal und ging besonders auf den Weintourismus ein. Eine wertvolle Anregung, denn im Norden des Landes wollen die Griechen den Tourismus verstärken, eine Mischung aus Kultur und Wein soll Gäste anlocken.
„Europa von unten aufbauen“
Landrat Dr. Jürgen Pföhler empfing den Besuch in der Kreisverwaltung und streute in die launige Rede auch persönliche Anekdoten aus Griechenland ein. Man müsse „Europa von unten aufbauen“, betonte er. Der Generationenwechsel bei den Winzern an der Ahr habe sich sehr positiv ausgewirkt, Ähnliches wünschte er auch den Gästen. Das habe auch in Nordgriechenland zu deutlichen Verbesserungen bei Qualität, Vermarktung und Begleitumständen geführt, antwortete Delegationsleiterin Maria Vassiliadu. Im Ahrweinforum Ahrweiler gaben Publizist Paul Gieler und Arzt Dr. Gerhard Kreuter eine interessante Sicht auf der Region beliebtesten Exportschlager. Der Mediziner stellte beim Thema „Wein und Gesundheit“ die Gesundheitsförderung heraus, Kreuter sprach aber auch an, dass der Rebensaft nur in Maßen seine positive Wirkung habe.
In der Winzergenossenschaft Mayschoß ging es um Chancen und Entwicklungsperspektiven der ältesten Winzergenossenschaft der Welt, im Weingut Burggarten Heppingen informierten sich die Gäste über das ausgezeichnete Weingut, Hotellerie, Gastronomie und Eventtourismus. Bei Jean Stodden in Rech freuten sich die Fachleute vor allem über die besondere Weinprobe. In den Räumen von htc-Reisen auf der Grafschaft erfuhr man mehr über die Anforderungen deutscher Touristen an qualitätstouristische Angebote im Zusammenhang vor allem mit Wein-Wandern-Wellness. Der Aufbau eines Sparkassensystems interessierte die Griechen natürlich sehr. Lockerer ging es dann wieder zu bei einem Gespräch mit Julia Bertram, der deutschen Weinkönigin 2012/2013 in Dernau. Die Schlussforderung nach dieser Unterhaltung? Natürlich wollen nun auch die Griechen mit Weinköniginnen für ihre edlen Tropfen werben. Im Weindorf Dernau erfuhren die Gäste, wie sich ein kleiner Ort mit großen Anstrengungen zu einem weintouristischen Zentrum entwickeln kann.
„Wir werden uns wiedersehen“, darüber waren sich Gäste und Gastgeber einig. Auch Mechthild Heil kann der Bundeskanzlerin von einer zufriedenen Delegation und einer Investition in die Zukunft berichten. Dass ein großes Interesse an einer Zusammenarbeit und einen Wissenstransfer besteht, das äußerten alle Teilnehmer des Treffens.
