„Herzrasen“ mit den „Edlen Schnittchen“
Ein letztes Theater - Highlight des Jahres gab es im Kulturbahnhof
Bad Breisig. Die „Edlen Schnittchen“, die beiden hübschen Ausnahme-Komödiantinnen aus Basel, waren zum dritten Mal zu Gast im quellenstädtischen Jugend- und Kulturbahnhof; sie hatten sich bei ihren früheren Auftritten bereits eine großen Kreis begeisterter Fans gesichert, und so war der Saal bei ihrem neuerlichen Gastspiel bis auf den letzten Platz gefüllt. Die beiden kessen Schweizerinnen - die Chansonette Sarah Ley und die Pianistin Sarah Zuber - waren diesmal in die Rolle von Gärtnerinnen geschlüpft und erfüllten wieder alle Erwartungen mit ihren Gags und hintergründigem Humor. „Herzrasen“ nannten sie ihr Programm, das rund um die Themen des Gartens zur Frühlingszeit gewoben war, und ihr Charme und ihr Witz ließen die nicht gerade passende Jahreszeit vergessen; die Herzen des Publikums flogen den beiden Aktricen rasend zu: „Herzrasen“ war angesagt. In frechen Chansons, kecken Liebesbezeugungen, Tipps zur Gartenpflege und flotten Sprüchen eroberten sie das Auditorium, das sie gelegentlich auch in ihr Bühnenspektakel einbanden. Köstlich klangen einige selbst gestrickte Sinnsprüche der dunkelhäutigen Sarah Zuber, in bester Clownerie und in original „Schwyzerdütsch“ vorgetragen. Beispiel: „Entblößt der Nachbar sich in seinem Gewässer, wird die Aussicht dadurch nicht besser.“ Sie erwies sich im Übrigen als glänzende Pianistin, die mit viel Tastenzauber die Chansons ihrer Partnerin einfühlsam begleitete. Sarah Ley gestaltete ihre Gesangseinlagen mit bemerkenswert geschulter Stimme und „rotzfrechen“ Texten. Zwischendurch charakterisierte sie die Zuhörer, indem sie sich deren Hände und Nasenspitzen zeigen ließ. Daran unterschied sie, ob es sich um Gartenfreunde oder Intellektuelle handelte. Für die Gärtner diese Erkenntnis: „Die Blüte ist die Liebeserklärung der Planze“. Und sie gießt die Blumentöpfe aus der kleinen Gießkanne, obwohl es sich um Kunststoff-Pflanzen handelt. „Dann glauben die Nachbarn, die sind echt !“ Beide Protagonistinnen gestehen: „Wir haben eine dunkle Seite: Wir sind Nichtraucherinnen…“ Das ist allerdings nicht schlimm, denn „eine Zigarette ist doch wie die Liebe: Sie verspricht mehr, als sie hält.“ Dann erklärt die Chansonette, wie sie die Liebe wirklich sieht - aus unterschiedlicher Anschauung, aber stets zum Schmunzeln. Die beiden Protagonistinnen haben ein (gespieltes ?) Problem und singen lustig „Ach wären wir doch hetero !“ „So albern und tanzen wird unverfroren durch die Irrungen und Wirrungen des Liebensgartens, wo im Frühling die schönsten Lieder blühen und im Herbst die Herzen von den Bäumen fallen…!“ in ihrem Garten spielen sie mit Worten und blühender Fantasie. „Wir besingen Unkraut mit der gleichen Inbrunst, wie wir Kirschblüten und Hollywoodschaukeln verehren.“ Ihre Gags und Lieder füllen sie mit Unfug, Sehnsucht nach Liebe und Esprit.
Das „extrem kitschige“ einstige Eurovisions-Lied „Ne partez pas sans moi“ (Geh nicht ohne mich) könnte bei Sarah Ley angeblich Depressionen auslösen, deshalb die Anweisung von Sarah Zuber, wie ihr die Zuhörer gemeinsam helfen müssen: sie fordert „Absolute Emotionalität beim Refrain“ - und die Leute folgen und haben ihren Spaß. Auch bei der burlesken Darbietung eines angeblich rassigen Tanzes. Dabei der umwerfend komische Kampf mit einem Strumpf…Slapstick unterhaltsamster Art !
Und dass sie alpenländisch geprägt sind, beweisen beide Komödiantinnen in der Zugabe: Mit Jauchzen, Tanzen und Jodeln holen sie sich zusätzlichen Erfolg. Das Gastspiel der „Edlen Schnittchen“ war ein von Beifall umrauschtes Highlight im Angebot der quellenstädtischen Kulturbühne. Deren bereits fest stehendes Programm für 2015 erläuterte Alexa Schmitgen von der Tourist-Info: 22. April „Diener zweier Herren“, 6. Mai: „Mondscheintarif“, 17. Juni: Seemannsbraut“, 18. November: „Leichen, Lieder, Lachsalven“, 9. Dezember: „Ein Weihnachtslied in Prosa.“ Es gibt bei der Tourist-Info bereits Abonnements für die Veranstaltungsserie.
