Gottesdienst mit Quellenstädtischen und Schweizer Fastnachtern
Hl. Messe im Zeichen internationaler Freundschaft
Bad Breisig. „Eine ausverkaufte Veranstaltung“, konstatierte Pastor Alexander Kurp, als er am Rosenmontagmorgen seinen fröhlichen Blick über die Gemeinde in der Marienkirche schweifen ließ. Bunte Uniformen, soweit er blickte: Elferräte beiden Geschlechts, Funken, Dragoner, Majorettes, Spielleute, Guggenmusiker, farbenfrohe Kostüme. Dazu manch gewöhnungsbedürftige Klänge von der Orgel-Empore. Dr. Dirk Pollerberg intonierte sie am Spieltisch und die Rhein-Ahr-Spatzen bliesen sanft auf ihren Instrumenten: Kölsche Lieder - und die Gemeinde sang inbrünstig mit. Zum Teil waren es Texte, der Würde des Anlasses angepasst - aber die Melodien waren durch und durch „kölsch“ von den “Bläck Fööss“, von de „Höhner“ und anderen Kultbands - bis auf eines, dessen Inhalt in Text und Melodie seit genau 40 Jahren in Bad Breisig und in Küssnacht am Rigi Volksgut sind: „Solange noch die Rigi steht, solange fließt der Rhein, solange wird in unserem Herz ein Platz für Freundschaft sein…“ 40 Jahre tiefe Freundschaft zwischen den Fastnachtern aus Küssnacht und Bad Breisig, schon über Generationen hinweg. Gleichsam als bleibendes Symbol der Verbindung war mit dabei Gaby Müller, geb. Rütt, das von der Schweiz nicht mehr los gelassene einstige Tanzgirl der KG, heute mit erwachsenen Kindern und Enkel, die allesamt geborene Mitglieder der Breisiger KG sind. Ueli Hodel, der Alphornbläser vom Vierwaldstätter See intonierte „Maria zu lieben“ und die Schweizer und die Küssnachter Fahne wurden am Altar geschwungen. All das gab der Hl. Messe am Rosenmontag zwar den besonderen Anstrich, aber die Würde der Liturgie kam dabei nicht zu kurz. Auch nicht bei der Predigt des Geistlichen, der sich nicht scheute, mit humorvollen Anmerkungen zusätzliche Aufmerksamkeit zu erzeugen. Selbst dann nicht, als er die, von der kostümierten Katja Bell, vorgetragene Lesung („Die Vertreibung aus dem Paradies“) ergänzte: „Gott sei Dank waren die ersten Menschen keine Chinesen - sie hätten die Schlange einfach verzehrt, statt sich von ihr verführen zu lassen.“ Sachlich griff Alexander Kurp das Problem der Fremdenfeindlichkeit und des daraus resultierenden Terrorismus auf: „Die Gewalt ist abscheulich. Aber: Darf im Zeichen der Meinungsfreiheit Satire gegen andere Religionen wirklich alles? Was dem einen lachhaft erscheint, ist dem anderen heilig. Ist es richtig, dass man Religiöses karikiert und damit Andersdenkende beleidigt? Aber - inakzeptabel ist es, wenn der Beleidigte mit Gewalt bis zum Exzess reagiert.“ Natürlich müsse auch Religion bis zu einem gewissen Maß Satire und Kritik hinnehmen. „Ironie verbindet und sorgt dafür, dass man sich nicht so wichtig nimmt - gleich, welcher Religionsgemeinschaft man angehört. Klar ist: Im Himmel gibt es keine Juden, keine Christen, keine Moslems und Buddhisten - bei Gott gibt es nur die vom Elend Erlösten.“
So eingestimmt trugen uniformierte und kostümierte Narren aus Bad Breisig und Küssnacht ihre Fürbitten vor - darin eingeschlossen auch das Gebet für die am Vortag während des Karnevalszuges verletzte Zuschauerin. Und es wurde gemeinsam gebetet und gesungen - der
Gottesdienst war eine Demonstration des gegenseitigen Respekts und der Freundschaft zwischen zwei Karnevalsvereinen aus so weitgehend unterschiedlichen Kulturen. Der Geistliche gab dieser Verbindung seinen Segen - ist er doch selbst als Offizier des Funkenkorps aktiver Motor der internationalen Verbindung.
