„Diener zweier Herren“ als Auftakt zum neuen Kulturprogramm
Klassische Komödie - mit Puppen gespielt
Bad Breisig. Das neue quellenstädtische Kulturprogramm wurde mit etwas Besonderem gestartet: dem Gastspiel eines renommierten Puppentheaters. Szenisches Schauspiel mit Puppen ist eine Urform der dramatischen Bühnenkunst. Sie hatte einen Höhepunkt in der „Commedia dell’arte“, der italienischen Form des Improvisations-Theaters, das ab der Mitte des 16. Jahrhunderts mit seinen Liebes- und Verwechslungskomödien die Theaterfreunde entzückte. Im Grunde genommen der Vorläufer moderner Boulevard - Komödien mit ihrem unterhaltsamen Verwechslungsspiel. Dieser Kunstform entspricht auch das 1746 in Mailand uraufgeführte Verwirrspiel vom „Diener zweier Herren“ von Carlo Goldoni. Dieses köstliche, oft bearbeitete und modernisierte Stück kam jetzt als Puppenspiel des „Hohenloher Figurentheaters“ auf die Bühne des quellenstädtischen Jugend- und Kulturbahnhofs. Johanna und Harald Sperlich verstehen es seit 1974, den von dem Künstlerpaar Barbara und Günter Weinhold aus Holz geschnitzten und prächtig kostümierten Marionetten Leben einzuhauchen. Bewundernswert, wie die beiden Akteure den mit gekonnten Gesten den bewegten Figuren mit jeweils angepasster Stimme den zugehörigen Tonfall zuordnen. Dabei bewegen sich beide Künstler (fast unsichtbar gekleidet) zwischen ihren Puppen über die Bühne - sie beherrschen einfach genial das Genre des Puppenspiels, samt dessen turbulenter Handlung.
Die Handlung: Signor Florindo Aretusi wird beschuldigt, den Bruder seiner geliebten Beatrice getötet zu haben; er muss vor der Verfolgung nach Venedig fliehen. Beatrice verkleidet sich als ihr angeblich toter Bruder und folgt ihrem Liebsten. Da der bisher tot Geglaubte doch am Leben ist, verlangt der Patriarch Pantalone, dass er nun auch die Verlobung mit seiner Tochter einlöst. Die aber will nicht sie will lieber Silvio, den Sohn des Doktor Lombardi. Zusammen mit ihrem Diener Truffaldino ist Beatrice zufällig in dem Gasthaus abgestiegen, in dem auch der geliebte Florindo wohnt - aber das wissen beide nicht. Der umtriebige Truffaldino tritt ohne Wissen seiner Herrin zusätzlich in die Dienste von Florindo. Damit seine Untreue nicht auffällt, muss er mit viel Hinterhältigkeit das Zusammentreffen seiner beiden Herren (Beatrice gilt ja nach wie vor als Mann) vermeiden. Das führt zu vielerlei lustiger Turbulenz. Schließlich greift Truffaldino gar zu der dreisten Lüge, beiden jeweils vom Tod des anderen zu erzählen. Endlich begegnen die Liebenden sich aber doch - Truffaldino muss sein Doppelspiel bekennen; ihm wird verziehen, und alles endet in einer Gondelfahrt durch die Lagunenstadt.
Die Art, wie den 80 cm großen Puppen über 90 Minuten Leben eingehaucht wird, führt immer wieder zu Zwischenapplaus. Star ist der kleine Dackel, der das Publikum mit einem fröhlichen „Wau!“ und Schwanzwedeln begrüßt, dabei nicht vergisst, an der Ecke des aufwendigen Bühnenbilds kurz das Bein zu heben. - Das Puppenspiel lädt einfach zu lustigen Gags ein, ohne dass man die Handlung der Komödie aus den Augen verliert. Die Begeisterung im gut besetzten Kulturbahnhof führt zu lang anhaltendem Beifall.
