Allgemeine Berichte | 29.06.2026, 13:16 Uhr

Kölner Trio Doina begeistert mit jiddischer und ukrainischer Musik in Niederzissen

Bella Liebermann, Klavier, Daniel Marsch, Geige und Karyna Serdiuk, Gesang
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Niederzissen. Nicht nur mit stimmungsvollen Eintragungen im Gästebuch, sondern auch mit großem Applaus bedankten sich die Besucher des trotz der tropischen Temperaturen gut besuchten Konzertes des Kölner Trios Doina in der ehemalige Synagoge Niederzissen. So wie der Name Doina als Improvisationsform der Klezmermusik Verpflichtung ist, interpretierte das Trio im Laufe des Konzertes die Musikstücke über ein mehr oder weniger festes Muster, je nach Stimmung und Fantasie des Interpreten, wie Daniel Marsch besonders beim Musikstück „Hora Bucovinei/Happy nign“ beispielhaft hervor hub.

Vor dem Zweiten Weltkrieg lebten über Jahrhunderte Millionen von Juden in der Ukraine, wie auch in den benachbarten Ländern Polen, Russland und im Baltikum. Seit jeher haben sich die typisch jüdische Musik und die ukrainische Volksmusik gegenseitig beeinflusst. Diese alten Kulturen brachte das Trio mit der aus der Ukraine stammenden Bella Liebermann, Gesang und Klavier, Daniel Marsch, Gesang, Akkordeon und Geige, sowie der Sängerin Karyna Serdiuk, 2022 aus der Ukraine geflüchtet, in neuer Form auf die Bühne und spielt sowohl traditionelle und moderne ukrainische, als auch alte und neuere jiddische Lieder sowie Klezmermelodien.

Sie spannten den Bogen von Geschichten „In a Shtetl“ bis zum ukrainischen Volkslied „Tetsche voda – Das Wasser fließt, wie das Leben“ des 2025 verstorbenen, in der Ukraine als nationale Legende gefeierten Komponisten Ihor Poklad. Immer wieder ging es um Liebe und Schmerz, wie beim mit Klavier und Geige gespielten Musikstück „7:40“, der Zeit in der erwartungsvoll der Zug im Bahnhof von Odessa einläuft. So ist es auch bei der Frage eines jungen Burschen in dem gemeinsam von Marsch, Liebermann und Serdiuk gesungenen Lied „Tumbalalaika“, wen soll er erwählen und steht und steht und denkt und denkt und steht und hat keine Lösung. So auch im jiddischen Lied „A Nakht in Gan Eden – Eine Nacht im Garten Eden“.

Mit dem bekanntesten Lied „Ikh hob dikh tsufil lib“ „Ich liebe Dich so sehr, bin glücklich unter den Bäumen und kann Dir nicht böse sein“ des 1872 in Odessa geborenen und 1922 in die USA ausgewanderten Komponisten Alexander Olshanetsky würdigten die Musiker das Werk des 1946 verstorbenen Komponisten, der die musikalischen Wünsche der jüdischen Einwanderer intuitiv verstand.

Ein weiterer Höhepunkt des Konzertes war der stimmungsvolle Vortrag des ukrainischen Volks- und Soldatenliedes „Hey Sokoly“, das Karyna Serdiuk eindrucksvoll vortrug und einigen Besuchern mitgesungen wurde. Bei allen dargebotenen Musikstücken hatte das Klavier, mal volltonig, dann wieder dezent leise und meisterhaft von Bella Liebermann bespielt, eine tragende Rolle, eine in der Kombination mit Geige, Akkordeon und Gesang eher selten vorgetragene Klezmermusik, die ursprünglich zur Begleitung von Hochzeiten und fröhlichen religiösen Konzerten ohne Klavier gespielt wurde.

Begeistert stimmten die Konzertbesucher den Dankeswortes Richard Keulers zu, dass diese Musik, die gesungen Texte genau in die ehem. Synagoge Niederzissen passt, die wie kein anderes Haus für Versöhnung, Verständigung und Toleranz steht.

Die nächste Veranstaltung findet am Samstag, 19. September, 19:00 Uhr, statt. Unter dem Titele „Sternenklang über dem Atlantik“ spielt Oliver Jaeger auf der Symhonetta. Der Eintritt beträgt 16 EUR. Kartenreservierung beim Kultur- und Heimatverein Niederzissen e.V., Tel.: 02636-6482 oder unter info@khv-niederzissen.de.

Bella Liebermann, Klavier, Daniel Marsch, Geige und Karyna Serdiuk, Gesang Foto: Gisela Reichrath

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