Kulturverein Niederzissen erhält „Denkmalpreis“ für die Restauration der Synagoge
Leistung Sinne des Denkmalschutzes
Mainz/Niederzissen. Als Kind ist Richard Keuler oft hinübergelaufen, wenn in der Schmiede seines Heimatortes Niederzissen ein Pferd beschlagen wurde. Es waren die 50er Jahre, und der Junge wusste, was jeder wusste: Die Schmiede mit dem hübschen Rundfenster unterm Dachgiebel, das war früher die Dorfsynagoge. Früher, als Niederzissen noch eine jüdische Gemeinde hatte. Bevor die Nationalsozialisten Menschen ins Exil trieben oder in ihre Vernichtungslager deportierten. Nachdem die Synagoge 1938 zerstört wurde, gab es seit 1942 keine Juden mehr im Ort.
Wo früher gebetet und gesungen wurde, glühten nun die Eisen, wurden Traktoren und Landmaschinen repariert. „Die Zeit war dafür nicht reif“, sagt Richard Keuler rückblickend. Heute ist der Junge von damals Vorsitzender des örtlichen Kultur- und Heimatvereins und als solcher ein Mann, der „von der Vergangenheit her in die Gegenwart denkt“, wie er selbst sagt. Die Geschichte der Synagoge ließ ihn nie los, das Gebäude zu retten, war ein lang gehegter Wunsch. Als der Schmied dann den Betrieb einstellte, keimte bei Keuler Hoffnung auf. Gemeinsam mit dem Kulturverein stellte er ein Renovierungskonzept vor. Es gab anfängliche Widerstände, aber auch Befürworter. Niederzissen stellte sich seiner Vergangenheit, indem der Gemeinderat den Ankauf des ehemaligen Gebetshauses und seine Wiederherstellung als ein für die Region wichtiges Kulturdenkmal beschloss. In der Folge brauchte es viele Helfer, um die historische Substanz aus sieben Jahrzehnten Zweckentfremdung herauszuschälen. Mehr als 1.500 Stunden ehrenamtliche Eigenleistung investierten die Mitglieder des Kulturvereins in die Sanierung. Mit dieser Hilfe und der Unterstützung von Fachleuten gewann die ehemalige Synagoge ihre alte Würde zurück.
Heute ist das Gotteshaus in seiner Ursprungsgröße wiederhergestellt. 45 Quadratmeter misst der schlichte, lichtdurchflutete Raum, Stühle stehen darin und ein Klavier. Die Wände ziert eine ornamentale Farbbordüre, die sich am historischen Vorbild orientiert. „Denkmalpflege ist auch eine Form der Zeitzeugenschaft“, findet Richard Keuler. Deshalb ist aus dem ehemaligen Gotteshaus eine Erinnerungs- und Begegnungsstätte geworden, mit Führungen, Lesungen und Vorträgen. Schulklassen kommen, Neugierige fragen Besichtigungen an, aber auch Nachfahren der Niederzissener Juden waren schon voller Freude, wie gut hier ihren Familien gedacht wird und wie beeindruckend das geschändete Gebäude nun eine Nutzung erfährt.
„Von diesem herausragenden Engagement war auch die Kreissparkasse Ahrweiler beeindruckt und so lag es nahe, dass wir das Projekt für den Denkmalpreis des Sparkassenverbandes Rheinland-Pfalz (SVRP) anmeldeten“, begründet Guido Mombauer, Vorstandsmitglied der KSK, die Idee, an dem Wettbewerb teilzunehmen. Als nun Richard Keuler den „Sparkassen Denkmalpreis Rheinland-Pfalz 2015“ für besonderes Engagement in der Denkmalpflege stellvertretend für den Kultur- und Heimatverein Niederzissen aus den Händen von Beate Läsch-Weber, Präsidentin des SVRP, entgegennehmen konnte, war die Freude groß und neben Mombauer zählten auch die Landtagsvertreter Horst Gies und Guido Ernst zu den ersten Gratulanten.
Mit dem Sparkassen Denkmalpreis werden alle drei Jahre vorbildliche Leistungen zur Rettung und Erhaltung von Denkmalen ausgezeichnet. 77 Vorschläge waren bis Ende 2014 über die rheinland-pfälzischen Sparkassen und Denkmalbehörden eingegangen - eine beachtliche Resonanz zur dritten Runde der einzigen landesweiten Auszeichnung dieser Art. Eine Fachjury kürte aus allen Einsendungen die Gewinner, die im Rahmen der Preisverleihung im Mainzer Schloss Waldthausen der Öffentlichkeit präsentiert wurden.
Pressemitteilung
Kreissparkasse Ahrweiler
