Allgemeine Berichte | 26.10.2015

Hochkonjunktur für illegalen Welpen-Handel in der Vorweihnachtszeit

Niedlich, aber todkrank - Hundewelpen sind keine Ware

Die beiden französischen Bulldoggen haben bei den Bad Breisiger Eheleuten Schneider-Keller ein wunderbares Zuhause gefunden. FRE

Region. Hundewelpen sind zum Knuddeln, wecken den menschlichen Beschützerinstinkt und niemand käme bei der ersten Begegnung mit so einem kleinen Hündchen auf die Idee, dass dieses zauberhafte Geschöpf das Opfer eines unseriösen „Vermehrers“ sein könnte. Die von den Tierschutzvereinen sogenannten „Wühltischwelpen“ sind in der Regel krank und hatten in ihrem kurzen Leben keine Chance auf eine artgerechte Sozialisation. Ob ein Welpe krank oder gesund ist, sieht man ihm auf den ersten Blick leider nicht unbedingt an. Deshalb ist es auch so schwierig, seriöse Anbieter von unseriösen zu unterscheiden. Die Maschen der „Welpenproduzenten“ werden immer gerissener. War früher der Preis ein Indikator dafür, dass es sich um ein unseriöses Angebot handelt, so haben die Vermehrer ihre Preise mittlerweile fast auf das Niveau seriöser Züchter angehoben. Dennoch haben diese skrupellosen Tierquäler insbesondere in der Vorweihnachtszeit Hochkonjunktur, da vor allem viele Kinder sich so ein kleines Kuscheltier doch schon immer gewünscht haben. Anstatt jedoch erst einmal Kontakt mit einem seriösen Tierheim aufzunehmen, werden im Internet die Angebote studiert und schnell findet sich ein „Modehund“, wie zum Beispiel ein Retriever für 400 Euro oder ein Möpschen für 350 Euro. Da fragt sich natürlich so mancher potenzielle Käufer, warum er über 1.000 Euro ausgeben soll, wenn es doch auch billiger geht.

Seriöse Zucht aufwändig

Ein seriöser Züchter hegt und pflegt den Hund, mit dem er züchten möchte, denn dieser muss sich unter anderem in mehreren Ausstellungen den Bewertungsrichtern stellen. Dort werden die Abstammung, Genetik, Knochen- und Körperbau, Fell und Gesundheit geprüft und bewertet. Und erst dann, wenn alles für gut und richtig befunden wurde, wird eine Zuchterlaubnis erteilt, damit ein gesunder Nachwuchs gewährleistet werden kann. Dies gilt sowohl für die Hündin als auch für den Rüden. Ist die Hündin dann trächtig, sind regelmäßige tierärztliche Untersuchungen an der Tagesordnung. Die Hündin bekommt Aufbaufutter und Zusatzvitamine und nach etwa 63 Tagen kommen die Welpen zur Welt. Mutter und Welpen werden ärztlich untersucht. Liebevoll sorgen die Hundemama und der Züchter für eine gesunde Grundsozialisierung. Die Kleinen werden gebadet, umsorgt, liebkost und wenn Sie alt genug sind, werden sie entwurmt, geimpft, usw., usw. . Da also eine gesunde und seriöse Zucht mit hohem Zeit- und Kostenaufwand verbunden ist, liegt der Kaufpreis je nach Rasse bei 1.000 Euro und mehr.

Die Frage, wie es sein kann, dass die gleichen Rassen im Internet, in Kleinanzeigen oder auf Tiermärkten bereits zum Preis von 250 Euro angeboten werden, können neben zahlreichen Tierschutzvereinen und -verbänden auch die Bad Breisiger Eheleute und Hundeliebhaber Schneider-Keller ausführlich beantworten, denn sie wissen genau wovon sie sprechen, wenn es um die von Vermehrern gequälten Tiere geht. So haben sie gleich zwei französischen Bulldoggen das Leben gerettet. Während der inzwischen zehn Monate alte Odin im Alter von fünf Wochen von einem ungarischen Vermehrer in einem Tierheim „entsorgt“ wurde, weil er aufgrund seines desolaten Gesundheitszustands nicht zu „gebrauchen“ war, wohnt der inzwischen 16 Monate junge Loki aus Gran Canaria seit nunmehr circa sechs Monaten bei Familie Schneider-Keller. Bei Loki handelt es sich um ein „Weihnachtsgeschenk“, welches, nachdem es sich als „unbequem“ erwiesen hatte, von der offensichtlich überforderten Familie in eine Tötungsstation gegeben wurde. Nachdem die Hilfeorganisation SOS Hunde Gran Canaria ihn dort herausgeholt hatte, fand Frau Schneider-Keller eine entsprechende Information bei Facebook, wo übrigens viele Hilfeorganisationen und Hundeliebhaber vernetzt sind. Da sowohl Odin als auch Loki eine eigene Facebook-Seite haben („Odin und Loki - zwei göttliche Frenchies“ oder „Odin der Frenchie“), kann man sowohl den Leidensweg als auch die wunderbare Wandlung der ehemals gequälten Welpen zu - im wahrsten Sinne des Wortes - mopsfidelen Hündchen verfolgen. In einem Gespräch mit „Blick aktuell“ berichtet Frau Ruth Schneider-Keller: „Diese kleinen niedlichen Welpen kommen fast immer aus Ungarn, Tschechien, der Slowakei und Polen. Die Hundemamas werden in Ställen und Käfigen gehalten. Sie sehen niemals das Tageslicht. Sie fristen ihr Leben auf einem halben Quadratmeter Raum. Keiner der Zuchthunde wird hinsichtlich seiner Genetik untersucht. Inzucht ist an der Tagesordnung. Bereits kurz nach der Geburt nimmt man der Hündin die Welpen weg, damit sie schnell wieder trächtig werden kann. Die Hunde werden nicht gebadet, nicht gepflegt und bekommen keinerlei Zuneigung. Ein Tierarzt wäre zu teuer, deshalb machen viele Vermehrer (denn das sind keine Züchter) den Kaiserschnitt selber und nähen die armen Hündinnen anschließend wieder zu. Die Tiere sind unterernährt, verfilzt, oft voller Geschwüre, offenen Haustellen und sind teilweise oder völlig erblindet. Macht so ein geschundener Körper schlapp und kann einfach nicht mehr gebären, haben die Hündinnen Glück, wenn sie in ein Tierheim abgeschoben oder von einer Tierschutzorganisation übernommen werden. Die Welpen entsprechen beim Verkauf nie dem angegebenen Alter, sondern sind immer um einiges jünger. Angebliche Abstammungspapiere sind gefälscht. Die Tiere werden mit Medikamenten und Alkohol ruhig gestellt, damit sie beim Verkauf „brav“ sind. Ein Großteil von ihnen wird keine zehn Wochen alt oder ist aufgrund genetischer Defizite krank oder behindert“, so Frau Ruth Schneider-Keller, die hinzufügt: „Welpen sind keine Ware. Welpen sind kein Spielzeug. Es will wohlüberlegt sein, ob ein Hundewelpe - oder ein anderes Tier - das richtige Weihnachtsgeschenk ist. Und wenn es nicht für einen hochpreisigen Zuchthund reicht, kann man das Leben eines armen Tieres aus dem Tierheim oder von einer Tierrettungsorganisation verändern, in dem man es in die Familie aufnimmt.“

Nur wenn es gelingt, die Nachfrage nach Hundewelpen aus unseriöser Zucht zu stoppen, besteht eine Chance, diesen Schwarzmarkt einzudämmen.

Schwarzmarkt eindämmen

Die 2010 von „TASSO“ und dem „Verband für das Deutsche Hundewesen“ (VDH) gegründete Arbeitsgemeinschaft „Welpenhandel“ hat tatkräftige Unterstützung bekommen. Gemeinsam ziehen jetzt auch das renommierte Hundemagazin“dogs“, der „Bund gegen Missbrauch der Tiere“ (bmt), „VIER PFOTEN“, die „Gesellschaft für Tierverhaltensmedizin und -therapie“ (GTVMT) sowie die „Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz“ (TVT) an einem Strang gegen mafiöse Strukturen im Welpenhandel.

Ziel ist es, die breite Öffentlichkeit und die Politik auf das zunehmende Problem der europäischen Welpenmafia aufmerksam zu machen, um unabsehbare zukünftige Folgen im Vorfeld abwehren zu können. Weitestgehend bekannt ist die Tatsache, dass die Drehscheibe für den Welpenvertrieb Belgien und die Niederlande sind. Weniger bekannt ist allerdings, dass 80 Prozent der in Belgien und fast genauso viele der in Holland verkauften Hunde aus osteuropäischen Produktionsstätten stammen. Diese Länder bieten sich an, weil zum Beispiel in Holland jeder Tierarzt einen ausländischen Hundepass legal in einen holländischen umschreiben kann. So gilt der Welpe dann nicht mehr als Ostimport, sondern als Tier aus Holland und lässt sich besser weiterverkaufen. Die lebende Fracht wird mit frischen Papieren ausgestattet in andere europäische Länder wie Deutschland, aber auch Frankreich, Italien oder sogar Spanien verschickt. Dabei gilt: Rund die Hälfte der Billigtiere sind ernsthaft krank. Zudem leiden die jungen Hunde häufig unter Sozialisierungsschäden. Das Bündnis rät dringend, den billigen Preisen nicht zu erliegen.

Auf der neu gegründeten Internetplattform der Arbeitsgemeinschaft www.wuehltischwelpen.de findet jeder Interessierte eine umfassende Checkliste für den Welpenkauf und alles zu den Hintergründen dieses dunklen Geschäftes.

Odin, der im Alter von zehn Wochen zur Familie Schneider-Keller kam und heute der Schwarm aller Besucher ist, hat ein grauenhaftes Schicksal hinter sich.

Odin, der im Alter von zehn Wochen zur Familie Schneider-Keller kam und heute der Schwarm aller Besucher ist, hat ein grauenhaftes Schicksal hinter sich.

Die beiden französischen Bulldoggen haben bei den Bad Breisiger Eheleuten Schneider-Keller ein wunderbares Zuhause gefunden. Fotos: FRE

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