Politik | 29.07.2013

Grüne informieren sich im Forstwald Hümmel über Wildschäden

Ökosystem Wald erhalten

Hier wächst kein Baum mehr. Der Förster Peter Wohlleben zeigte der Grünen Delegation eine vom Orkan Wiebke zerstörte Waldläche.  Privat

Ahrweiler/Adenau. Was steckt hinter den Berichten der hiesigen Waldbesitzer und Förster über Wildschäden in den Wäldern unseres Kreises? Wie gefährdet ist das Ökosystem Wald von durch zu hohen Wildbestand verursachte Waldschäden? Brauchen wir ein neues Landesjagdgesetz? Diesen Fragen ging eine Delegation von Grünen aus dem Kreis Ahrweiler im Forst Hümmel in der Verbandsgemeinde Adenau nach. Zusammen mit dem Förster Peter Wohlleben besichtigte die Gruppe Waldteile mit hoher, also wenig bejagter Wildpopulation und Forstbereiche mit niedrigem Wildbestand. Schnell wurde ersichtlich, dass der Baumbestand in den Waldbereichen mit wenig Wild gesünder war und ursprünglicher wirkte. Für Wohlleben kein Wunder. „Natürlich wäre ein Bestand von ein bis drei Wildtieren pro Quadratkilometer. In der Realität teilen sich schon mal 50 Rehe, zehn Hirsche und zehn Wildschweinen diese Fläche.“ Die Folge: Das Wild bedient sich an Knospen, Rinde und Blättern der Bäume und Pflanzen. Vor allem Jungbäume haben keine Chance. Ganze Generationen sterben ab, die Altbäume irgendwann ersetzen sollen. Besonders eindrücklich zeigte Wohlleben das Phänomen anhand einer Fläche, die seit den Sturmschäden des Orkans Wiebke 1990 keinen Baumbestand mehr bilden konnte, da nachwachsende Schösslinge aufgrund des Wildes keine Chance haben. Die Kosten der Wildschäden beziffert Wohlleben auf 200 bis 300 Euro pro Hektar und Jahr. Viel schlimmer als der finanzielle Schaden sei aber die Zerstörung ursprünglicher Natur und intakter Ökosysteme. Besonders am Herzen liegt Wohlleben dabei der Deutsche Buchenwald, der von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt wurde und in Hümmel besonders alt und schützenswert ist. Intakte Wälder wie in Hümmel sind Lebensraum unzähliger Tier-, Pflanzen- und Pilzarten, darunter kleiner Säugetiere, Vögel, Fledermäuse oder seltener Insektenarten wie der Springschwänze, die ebenfalls schützenswert und von einem zu großen Wildbestand gefährdet sind. „Auf die Idee, kleine Säugetiere wie Eichhörnchen oder Hasen im Winter zu füttern kommt ja auch niemand, warum also bei großem Wild?“, fragte Wohlleben rhetorisch, um gleich darauf die Antwort zu liefern: „Solche Tiere geben als Trophäe schlicht nichts her.“

Balance waren

Kreissprecher Mathias Heeb bedankte sich im Anschluss der Führung bei Peter Wohlleben für die überaus informative Führung. „Reh, Hirsch und Wildschwein gehören in die deutsche Landschaft und wir Grünen ziehen Wildfleisch jederzeit Tieren aus der Massentierhaltung vor. Zu einer solchen darf es aber auch in unseren heimischen Wäldern nicht kommen.“ Auch der Landesjagdverband und jüngst selbst Kreisjagdmeister Joachim Polch sprechen von zu hohen Beständen im Kreis Ahrweiler. Jäger, Förster und Politik sind nun dazu aufgefordert, gemeinsam Lösungen zu erarbeiten. „Klar ist, dass verwundbare Ökosysteme wie unser Wald schützenswert sind und wir mit platter Schwarz-Weiß-Malerei, Klientelpolitik und Schuldzuweisungen das Problem der Wildschäden nicht beheben werden. Wir müssen die Balance wahren, in unserer Natur ebenso wie in der politischen Diskussion.“

Pressemitteilung des

Grünen Kreisverbands Ahrweiler

Hier wächst kein Baum mehr. Der Förster Peter Wohlleben zeigte der Grünen Delegation eine vom Orkan Wiebke zerstörte Waldläche. Foto: Privat

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Kommentare
Bildergalerien
Neueste Artikel-Kommentare

Illegale Müllentsorgung sorgt erneut für Ärger

  • Heuschrecke: Das ist leider nicht nur in Kesselheim es sieht leider überall an den Container so aus
  • Boomerang : Schlimme Zustände. Allerdings wird da anscheinend auch nicht oft genug geleert. Und der Wertstoffhof war zwischen den Jahren komplett zu.

Karriere - und Laufbahnberatung für Frauen

  • Boomerang : Ist schon lustig.In gut bezahlten Führungsberufen ist die Frauenquote Gaaanz wichtig und wird gefördert und gefordert.Was ist mit dieser Quote bei LKW Fahrern , Dachdeckern, Maurern usw? Es geht nicht um Gleichberechtigung es geht um Geld Neid.
  • K. Schmidt: Richtig. Und dann weiter unten im Kreisel, wo der Radweg wenn man Richtung Neuenahr will die Ausfahrt kreuzt, kapieren gefühlte 90% der Radfahrer nicht, dass sie an der Stelle keine eingebaute, automatische...
  • Kiefer: Wenn ich sehe wie viele von Landershofen runter nach Ahrweiler ohne Beleuchtung fahren dann wird es mir schlecht. Jeden Morgen dasselbe Spiel
Betriebselektriker
Anzeigenauftrag #PR106350-2026-0020#
Anzeigenauftrag #PR106350-2026-0020#
Image Anzeige
Imagewerbung
Stellenanzeige SB Straßenreinigung
Unternehmen erfolgreich regional
Närrisches Wochenende Linz
Danksagung Familie Dietenhofer
Sozialarbeiter/innen, Sozialpädagogen/innen
Empfohlene Artikel

Kreis Ahrweiler. Vor über 200 Zuhörern fand jetzt in guter Stimmung der Neujahrsempfang des CDU-Kreisverbandes Ahrweiler statt. Schon traditionell traf man sich im Rheinhotel Bad Breisig, wo die CDU-Kreisvorsitzende Petra Schneider nicht nur zahlreiche Mitglieder der Partei, sondern auch politisch interessierte Bürgerinnen und Bürger begrüßen konnte. Zahlreich gekommen waren auch viele Vertreter des...

Weiterlesen

Weitere Artikel

Neuigkeiten beim Großprojekt Kurpark Bad Neuenahr

Kurpark Bad Neuenahr: Wiederaufbau und Neugestaltung gestartet

Bad Neuenahr-Ahrweiler. Als Herzstück des Kur- und Gesundheitsstandortes Bad Neuenahr ist der Kurpark von zentraler Bedeutung – als Ort der Erholung und des Verweilens in historischer Parklandschaft, für Spaziergänge, Events und vieles mehr. Seine Geschichte reicht zurück bis ins Jahr 1858, dem Gründungsjahr des damaligen „Heilbad Neuenahr“.

Weiterlesen

+++ Aktuelle Verkehrsinfo +++

A3: Gefahr durch Personen auf der Fahrbahn

Diez/Limburg. Auf der A3 in beiden Fahrtrichtungen besteht Gefahr durch Personen auf der Fahrbahn. Dies meldet der ADAC. Die Gefahrenstelle befindet sich zwischen Diez und Limburg-Nord. BA

Weiterlesen

Närrische Paragrafen stimmten auf Karneval ein

CKG-Schwadron stürmte das Cochemer Rathaus

Cochem. Auf einen besonderen Trick musste die närrische Schwadron der Cochemer Karnevals-Gesellschaft (CKG) heuer zurückgreifen, um den Stadtchef aus seinem tiefentspannten Behördenschlaf zu reißen. Erwartungsgemäß waren die gut gemeinten Versuche eines Wachsingens und Portalhämmerns zum Scheitern verurteilt.

Weiterlesen

DA bis auf Widerruf
Image
Hausmeister, bis auf Widerruf
Innovatives aus der VG Weißenthurm
Stellenausschreibung "Sachbearbeiterin" - Auftraggeber Regina Elsting
Unternehmen erfolgreich
Titelanzeige KW 3 Tagespflege
Unternehmen erfolgreich regional
Seniorensitzung der Stadtsoldaten
Seniorensitzung der Stadtsoldaten
Nachruf Kurth
Anzeigenauftrag #PR106350-2026-0020#
Wir helfen im Trauerfall Vorsorge
Bürgermeisterwahl 2026
Stellenanzeige ZFA