Die Nacht der Nächte steht vor der Tür: Das Neue Jahr wird gebührend begrüßt
„The same procedure as every year!“
Berlin. Es ist immer wieder ein erhabener, feierlicher Moment: Pünktlich um 24 Uhr läuten die Kirchenglocken im ganzen Land das neue Jahr ein, manche zehn Minuten lang, andere eine ganze Stunde. Und es gibt wohl kaum eine Nacht, die so viel Bedeutung hat, wie die vom 31. Dezember auf den 1. Januar: Silvester. Das ist die Nacht, die gleichsam Rückschau hält und nach vorne blicken lässt, die das Alte vergeben und vergessen lässt und das Neue mit Schwung, Mut und Unternehmenslust anpackt. Es ist die Nacht der Vergänglichkeit und des Neuanfangs, die Nacht des Dankes und der Bitte. Und damit dies alles auch bestens gelingt, haben sich im Laufe der Zeit einige Bräuche entwickelt und Rituale verbreitet. Schöne, lustige und auch kuriose - Spaß machen sie alle!
Die Nacht der Nächte
Logisch, um einen Jahreswechsel feiern zu können, muss erst mal ein Jahr rum sein. War ursprünglich der 24. Dezember der letzte Tag des Jahres, ist es seit der Einführung des Gregorianischen Kalender im Jahr 1582 der 31. Dezember. Nach dem römisch-katholischen Heiligenkalender ist der Tagesheilige dieses Datums Papst Silvester I., der am 31. Dezember 335 in Rom starb - und so bekam dieser Tag im Volksmund seinen Namen. Ähnliches ist uns von Nikolaus, am 6. Dezember, oder vom Martinstag, 11. November, bekannt.
Wie mit allen Festtagen, so verbinden sich auch mit Silvester allerlei Brauchtum und reichlich Aberglaube. Seit Urzeiten schon gehört viel Geböller, Krawall und Getöse zum Jahreswechsel dazu - früher zogen vermummte Gestalten durch die Straßen, die mit Trommeln, Schellen und Peitschenknallen für den nötigen Krach sorgten, um böse Geister fernzuhalten; heute sind es große, farbenprächtige Feuerwerke Schlag 24 Uhr, die weniger Dämonen vertreiben wollen, sondern vielmehr Ausdruck von Freude auf das bevorstehende neue Jahr sind. An dem bunten Himmelsspektakel erfreuen sich Jung und Alt gleichermaßen.
„Brot statt Böller“
Alleine in Deutschland werden Jahr für Jahr für mehr als 60 Millionen Euro Raketen, Böller und Knaller in die Luft gejagt. Das gefällt vielen - aber nicht jedem. Seit Anfang der 80er Jahre rufen verschiedenen Organisationen und Verbände wie beispielsweise „Brot statt Böller“ dazu auf, auf das Silvesterfeuerwerk zu verzichten und das Geld stattdessen für einen wohltätigen Zweck zu spenden. Ende Dezember 2004 bat sogar die deutsche Bundesregierung wegen der Seebeben im Indischen Ozean, das Geld nicht ins Silvesterfeuerwerk zu stecken, sondern besser für Hilfsorganisationen zu spenden.
Doch bis es zum mitternächtlichen Geballer kommt, wird hierzulande erst einmal mit Freunden und Familie gefeiert. Man trifft meist in den frühen Abendstunden, überreicht sich Glückbringer in Form von vierblättrigen Kleeblättern, Glücksschweinchen oder Miniatur-Schornsteinfeger, dem Glücksboten schlechthin. Viele beginnen den Silvesterabend mit Freddie Frinton, Miss Sophie und dem „Dinner for One“.
„Dinner for one“
Danach geht es ans gemeinsame Essen. Typische Silvester-Menüs gibt es hierzulande eigentlich nicht, aber in geselliger, privater Runde wird gerne Fondue oder Raclette auf den Tisch gebracht.
Ein launiger Zeitvertreib bis Mitternacht ist vielerorts der Blick in die Zukunft. Bestens geeignet hierfür ist das Bleigießen. Dazu gibt es vorgefertigte Bleiformen, die auf einen Löffel gelegt und über einer Flamme geschmolzen werde. Das Ganze wird mit Schwung ins kalte Wasser geworfen - und dann geht das Spekulieren und Deuten darüber los, was uns die neue Bleiform wohl über unser künftiges Schicksal sagen will. Wem das zu lange dauert, der ist mit dem Erstellen und Lesen von Jahreshoroskopen oder Tarot-Karten besser aufgehoben. Und wer es gerne klipp und klar hat, der pendelt. Schließlich beantwortet der Ausschlag des Pendels die gestellten Fragen eindeutig mit „ja“ oder „nein“. Und das Praktische an Silvester: Wenn uns all die Prophezeiungen nicht schmecken, einfach einmal um die eigene Achse drehen - dann wandelt sich Schlechtes in Gutes! So einfach kann Glück in dieser Nacht sein.
„Prosit Neujahr“
Die letzten zehn Sekunden des alten Jahres werden auf vielen Feiern gemeinsam und laut runtergezählt. Punkt zwölf Uhr ruft man sich „Prosit Neujahr“ zu, es klirren die Sektgläser, man stößt auf den Jahreswechsel an, wünscht sich Glück und ein frohes neues Jahr - und fällt sich in die Arme.
„Prosit“ hat seinen Ursprung übrigens im Lateinischen und heißt so viel wie „Lass´ es gelingen“. Und mit dem Wunsch nach dem „Guten Rutsch“ soll man sich keineswegs bei Glatteis gemütlich auf die Nase legen - dieser Spruch soll sich vielmehr vom jiddischen Wort „Rosch“ ableiten lassen, das so viel wie „Anfang“ bedeutet. Demnach wünscht man sich also nicht nur einen gelungenen Übergang ins neue Jahr an sich, sondern vielmehr mehr einen guten Anfang und gutes Gelingen für alle geplanten Vorhaben.
Und das wünschen wir Ihnen auch, liebe Leserinnen und Leser! Kommen Sie gut in ein schönes Neues Jahr!
Glücksschweinchen und Marienkäfer gelten als Glücksboten. Foto: Verena N./pixelio.de
