Demokratie zeigen
120 Menschen in Bad Hönningen setzen Zeichen für Demokratie und Menschenrechte
aus Bad Hönningen
Bad Hönningen. Es war eine Entscheidung, die unter Zeitdruck fallen musste - und sie erwies sich als voller Erfolg. Innerhalb von nur 48 Stunden haben alle im Rat vertretenen Parteien bis auf die Freien Wähler in Bad Hönningen rund 120 Menschen für eine gemeinsame Kundgebung für Demokratie und Menschenrechte mobilisiert. Bei der AfD standen in der Spitze 20 Menschen, sechs zu eins! Anlass war ein kurzfristig bekannt gewordener Informationsstand der AfD, bei dem die Partei erstmals in Bad Hönningen deutlich mit ihren Parteifarben und -symbolen öffentlich auftrat.
„Wir müssen nicht in jeder Sachfrage einer Meinung sein“, so Risse. „Aber wir können gemeinsam dafür einstehen, dass politische Auseinandersetzungen demokratisch, offen und respektvoll geführt werden. Dass innerhalb von 48 Stunden rund 120 Menschen dafür auf die Straße gekommen sind, ist für Bad Hönningen ein beruhigendes Zeichen.“
Alle waren sich einig, dass die AfD programmatisch, personell und in ihren Äußerungen der Demokratie schadet. Diese Entwicklung hat es schon einmal in Deutschland gegeben und eine Wiederholung gilt es zu verhindern. 1933 darf sich 2033 nicht wiederholen. Damals wurde Deutschland innerhalb von 12 Jahren vernichtet. Wir müssen aus unserer eigenen Geschichte lernen.
Die Initiative zu der Kundgebung ging vom CDU-Stadtverband Bad Hönningen aus. Dessen Vorsitzender Volker Risse hatte nach Bekanntwerden des AfD-Standes in einem organisatorischen Kraftakt und im Eiltempo die Anmeldung der Versammlung und die notwendigen Abstimmungen mit Ordnungsamt, Kreisverwaltung und Polizei übernommen. Die SPD war unmittelbar mit im Boot, wenig später schlossen sich auch Bündnis 90/Die Grünen an. Sie knüpfte zugleich an eine gemeinsame Veranstaltung vom 19. April 2024 an. Schon damals hatten demokratische Kräfte in Bad Hönningen, insbesondere Verbandsgemeindebürgermeister Jan Ermtraud gemeinsam öffentlich Stellung bezogen. Unter dem Motto „Gemeinsam für Demokratie & Menschenrechte“ sollte nun erneut deutlich werden, dass politische Unterschiede zwischen den demokratischen Parteien zum Alltag gehören - und gemeinsames Handeln über Parteigrenzen hinweg möglich ist.
„Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht“, erklärt Risse. „Natürlich muss man immer abwägen, ob man einem AfD-Infostand durch eine Gegenveranstaltung zusätzliche Aufmerksamkeit verschafft. Aber wenn eine rechtsradikale Partei erstmals in unserem Ort so sichtbar Flagge zeigt, war für uns klar: Zu Hause bleiben und schweigen ist ebenfalls keine Antwort. Wir wollten friedlich und demokratisch zeigen, dass es in Bad Hönningen viele Menschen gibt, die gemeinsam für Demokratie, Menschenrechte und ein respektvolles Miteinander eintreten.“
Dass diesem Aufruf trotz der extrem kurzen Vorbereitungszeit rund 120 Bürgerinnen und Bürger folgten, werteten die Veranstalter als starkes Signal. Auf dem Rheinparkplatz kamen Menschen unterschiedlicher politischer Überzeugungen miteinander ins Gespräch. Dabei stand bewusst nicht die Parteipolitik, sondern das gemeinsame Bekenntnis zu demokratischen Grundwerten im Mittelpunkt.
Neben Volker Risse, Lilo Schön und Stephan Arens für die CDU engagierten sich insbesondere der SPD-Vorsitzende Jörg Honnef und Ilke Müller, der Grünen-Kreisvorsitzende Holger Wolf sowie Franz Breitenbach von Bündnis 90/Die Grünen bei der kurzfristigen Organisation. Auch Stadtbürgermeister Mark Geimer war eingebunden. Breitenbach kümmerte sich zudem um eine ganz praktische Form der Begegnung: Bei Kölsch vom Fass konnten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer miteinander ins Gespräch kommen.
Die Besucher zeigten sich vor allem von der Geschwindigkeit beeindruckt, mit der die parteiübergreifende Zusammenarbeit zustande kam: „Von der ersten Idee bis zur Kundgebung hatten wir praktisch nur zwei Tage. Dass CDU, SPD und Grüne in dieser Situation ohne langes Taktieren gemeinsam gehandelt haben und so viele Menschen unserem Aufruf gefolgt sind, hat uns sehr gefreut. Demokratie lebt davon, dass Menschen sie nicht nur für selbstverständlich halten, sondern für sie einstehen.“
Stadtbürgermeister Mark Geimer mit Vertreterinnen und Vertreter von CDU, SPD und Bündnis 90/Die Grünen bei der gemeinsamen Kundgebung „Gemeinsam für Demokratie & Menschenrechte“ auf dem Rheinparkplatz in Bad Hönningen. Foto: Beate Kerres
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Rund 120 Menschen folgten nach Angaben der Veranstalter dem kurzfristigen Aufruf zur Kundgebung für Demokratie und Menschenrechte in Bad Hönningen. Foto: Beate Kerres