Kirmes steht an
Die historische Kapelle St. Johannes Baptist in Ariendorf
aus Homburg
Ariendorf. Die Kapelle „St. Johannes Baptist“ im Bad Hönninger Stadtteil Ariendorf ist weit mehr als nur ein sakrales Bauwerk; sie steht als zentrales und historisch bedeutsames Zeugnis für den unerschütterlichen Glauben, das kulturelle Erbe und das generationenübergreifende, gemeinschaftliche Engagement der Menschen am Unteren Mittelrhein. Der Ursprung des Gotteshauses führt in die Jahre 1708 bis 1712 zurück, als es durch den Kölner Canonicus Ferdinand Friedrich Gammans und den damaligen Amtsverwalter der Herrschaft Arenfels, Johannes Helling, erbaut wurde. Schon von Beginn an war das Projekt fest in der lokalen Bevölkerung verankert, was eine historische Urkunde aus dem Jahr 1708 belegt, die zeigt, wie Ariendorfer Bürger durch eine abgetretene Schuldverpflichtung maßgeblich zur Finanzierung beitrugen.
Ein besonders bewegtes Kapitel der Kapellengeschichte ist eng mit den geopolitischen Nachwehen des Dreißigjährigen Krieges verknüpft. Um den Bau und den langfristigen Unterhalt abzusichern, lastete auf der Kapelle über Jahrhunderte hinweg eine sogenannte Naturalrente von sechs Maltern Korn – umgerechnet rund 1000 Litern – aus den Jahren 1628 und 1648, die von der Mühle in Breisig zu liefern waren. Diese Verpflichtung basierte auf historischen Vorschüssen der Familie Gammans an den Grafen Ernst II. von Mansfeld für Söldnertruppen. Inmitten der politischen und wirtschaftlichen Instabilität während der französischen Besatzung geriet die Regelung ins Stocken, und die Rückzahlung konnte erst im Jahr 1857 nach insgesamt 229 Jahren durch das Bistum Trier abgelöst werden.
„Die Geburt Christi“
Im Laufe der Jahrhunderte beherbergte die Kapelle zudem verschiedene wertvolle Kunstwerke, deren Verbleib oft detektivische Kleinarbeit erforderte. Ein herausragendes Beispiel ist das Ölgemälde „Die Geburt Christi“, dessen Alter und Urheber lange unbekannt blieben, bis eine Restaurierung im Jahr 2008 eine Inschrift auf der Rückseite entdeckte: Es war ein Geschenk von Ludwig von Lorch, dem Besitzer der Burg Ariendorf, datiert auf den 1. Januar 1856. Neuere Forschungen legen nahe, dass das Werk von Ludwig von Lorch selbst signiert wurde. Auch die Geschichte des Altaraufsatzes – vermutlich aus dem 15. Jahrhundert und dem Bildhauer Niclas Gerhaert van Leyden zugeschrieben – ist komplex, da er zeitweise in die Anna-Kapelle nach Breitscheid gelangt war, nachdem Baron Ludwig von Lorch ihn einst aus der Ariendorfer Kapelle entfernt und verschenkt hatte. Dass die Kapelle heute in einem so guten Zustand besichtigt werden kann, ist vor allem dem unermüdlichen Einsatz lokaler Akteure wie Heinz-Günter Heck und Stephan Birnbach sowie dem Bürgerverein Ariendorf zu verdanken. Nach einer kritischen Phase, in der das Gebäude zeitweise entweiht war, folgte im Jahr 2008 eine umfassende Restaurierung im Wert von rund 39.000 Euro, die nur durch etwa 800 Stunden ehrenamtliche Eigenleistung und großzügige Spenden möglich wurde. Im Zuge dessen fanden auch Elemente einer zuvor abgerissenen Filialkirche, wie ein Kreuzweg von 1896 und der Tabernakel, ihren Platz in der Kapelle. Den feierlichen Höhepunkt markierte die Altarweihe durch Dompropst Werner Rössel Ende 2008, wodurch das Gotteshaus seine spirituelle Funktion zurückerhielt.
Kirmes steht an
Obwohl im Alltag keine regelmäßigen Gottesdienste mehr stattfinden, dient die Kapelle weiterhin für Hochzeiten sowie zum Patronatsfest und zur Enthauptung Johannes des Täufers. Zu letzterem Termin feiert Ariendorf traditionell seine alljährliche Kirmes, die vom Junggesellenverein 1820 Ariendorf e. V. organisiert wird. Das Fest bietet ein bewährtes Programm aus Dorfabend mit Live-Musik am Freitag, Königszug und Königsball am Samstag sowie einer feierlichen Festmesse mit Pater Magnus Ifedikwa in der Kapelle, gefolgt von einem geselligen Frühschoppen am Sonntag, wodurch das gesellige Dorfleben harmonisch mit der tiefen historischen Verbundenheit zur Kapelle verbunden wird.
Text: Pressebüro A. Kossmann nach Unterlagen von Heinz-Günter Heck
Das Innere der Kapelle. Foto: Kossmann
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Die Kapelle in Ariendorf. Foto: Kossmann
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