Allgemeine Berichte | 04.11.2013

Die angesehene Beratungsstelle „Frau & Beruf“ in der Kreisstadt feierte ihr bemerkenswertes Jubiläum

20 Jahre kreative und individuelle Beratung

Klaus Kniel, Dr. Christa Lenze und Ministerin Irene Alt. FIX

Kreis Ahrweiler. Großer Andrang im Mehrgenerationenhaus in Bad Neuenahr: Die Beratungsstelle „Frau & Beruf“ hatte zur Jubiläumsfeier aus Anlass ihres 20-jährigen Bestehens eingeladen. Es gab nicht nur florale Glückwünsche, sondern ach finanzielle Präsente. Denn unter den vielen Besuchern der zahlreichen Kooperationspartner waren auch Irene Alt, rheinland-pfälzische Ministerin für Familie, Kinder, Jugend und Frauen und für den Landkreis Ahrweiler Fachbereichsleiter für Jugend, Soziales und Gesundheit, Klaus Kniel. Sie sicherten die weitere Förderung der Beratungsstelle durch Land und Kreis zu. Was mit großem Beifall begrüßt wurde. Nicht nur von Dr. Christa Lenze, Leiterin von Frau und Beruf. Sie begrüßte die Vertreterinnen der Kooperationspartner und besonders die Nachricht, dass das Orientierungsseminar seine Arbeit fortsetzen kann.

Wandel des Arbeitsmarktes

Ministerin Irene Alt leitete ihre Rede mit dem zum Jubiläum passenden Zitat des Philosophen Laotse ein: „Wenn der Wind Veränderung weht, schließen manche die Fenster, andere setzten Segel.“ Schließlich habe der Beratungsstelle in den 20 Jahren viel Wind der Veränderung um die Ohren geweht. Und sie wies auf den ständigen Wandel des Arbeitsmarktes und die gesetzlichen Veränderungen und die sich ändernden Fragen der Ratsuchenden hin. Immer habe die Beratungsstelle mit kreativen Ideen geantwortet. Und: Sie habe Pionierarbeit in Rheinland-Pfalz zum Thema Wiedereinstieg und Berufsrückkehr“ geleistet.

Sie hatte auch Zahlen mitgebracht. Es sei eine „sehr beeindruckende Zahl“, dass in den 20 Jahren über 21 600 Frauen informiert wurden, Tipps bekamen, in beruflichen Anliegen unterstützt wurden und sie Lösungsvorschläge erhielten. Vor 20 Jahren galt es noch, das damals vorherrschende Rollenverständnis zu überwinden und Überzeugungsarbeit zu leisten gegen gängige Aussagen wie „Meine Frau braucht nicht arbeiten zu gehen“ und „Wir brauchen eine solche Stelle nicht. Sie stiften nur Unfrieden“.

Dagegen, so Ministerin Irene Alt, mussten wichtige Entscheidungsträgerinnen und -träger sensibilisiert wurden, damit Genderaspekte ins Blickfeld der Politik rückten. Sie wies darauf hin, dass Frau und Beruf ein breites Spektrum und Angebote für jüngere und ältere Frauen in allen Lebenslagen bereithält. Als Frauenministerin sei ihr die eigenständige Existenzsicherung von Frauen ein wichtiges Anliegen. Und das auch vor dem Hintergrund des demographischen Wandels und des damit verbundenen wachsenden Fachkräftebedarfs. Ihr herzlicher Dank galt dem Team der Beratungsstelle um die Leiterin Dr. Christa Lenz. Sie versprach, dass es auch eine weitere Förderung der Beratungsstellen geben wird. Sowie auch eine Fortführung des arbeitsmarktpolitischen Programms in modifizierter Form. Und schloss ihre Rede wieder mit einem Zitat, diesmal von dem Schriftsteller Kurt Tucholsky: „Es gibt keine Erfolge ohne Frauen.“

Ehrenurkunde des Landkreises

Für den Landkreis Ahrweiler überbrachte Fachbereichsleiter für Jugend, Soziales und Gesundheit, Klaus Kniel, Glückwünsche und die Ehrenurkunde des Landkreises Ahrweiler. „Der Kreis ist froh, dass es eine Stelle wie Frau und Beruf im Landkreis gibt,“ so Kniel. Der Kreis unterstützt jährlich mit rund 14 000 Euro die Beratungsstelle. Das sind bis heute 240 000 Euro, rechnete Kniel vor. „Eine gute Investition“, betonte er. Denn die Beratungsstelle und ihre Mitarbeitereinen und Mitarbeiter genießen einen guten Ruf über die Grenzen des Kreises Ahrweiler hinaus. Ein Viertel aller Ratsuchenden kommt nicht aus dem Kreis Ahrweiler. Deshalb wäre es begrüßenswert, wenn auch die umliegenden Kreise und Kommunen, die von den Beratungsleistungen profitieren, dem Beispiel folgen und sich ebenfalls finanziell engagieren würden.

Informativer Vortrag

„Die Beratungsstelle Frau & Beruf, die aus den Mitteln des Landes Rheinland-Pfalz und des Kreises Ahrweiler unterstützt wird, berät Frauen und Mädchen in allen Situationen rund um den Beruf,“ sagte Dr. Christa Lenz im informativen Vortrag auch zur Geschichte und dem Aufgabenbereich der Beratungsstelle. Seit der Gründung am 25. Januar 1993 hat die Beratungsstelle in Bad Neuenahr-Ahrweiler das eigene Tätigkeitsfeld deutlich erweitert. War es zunächst die ausschließliche Aufgabenstellung der Beratungsstelle, Frauen nach der Familienphase beim Wiedereinstieg in den Beruf zu beraten, unterstützt die Beratungsstelle heute auch Schülerinnen bei der Berufswahl, berät Frauen bei Problemen an ihrem Arbeitsplatz, bei Veränderungs- oder Aufstiegswünschen und steht Frauen, die sich selbstständig machen wollen, mit Rat und Tat beiseite. Kennzeichnend für die Arbeit der Beratungsstelle ist ein ganzheitlicher Beratungsansatz, sodass alle Lebensbereiche der Frauen berücksichtigt werden. Die Beratung und Begleitung wird ergänzt durch berufspraktische Trainings- und Integrationsseminare, Orientierungskurse sowie Seminare für Existenzgründerinnen.

Vereinbarkeit von Familie und Beruf

Ein weiterer Schwerpunkt der Arbeit der Beratungsstelle besteht darin, die strukturellen Rahmenbedingungen der Region zu verändern, um eine berufliche Gleichstellung von Frau und Mann zu erreichen sowie eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu ermöglichen. Durch die damit verbundene intensive Netzwerkarbeit ist die Beratungsstelle fest in der Region verankert. Ein dichtes Kommunikations- und Kooperationsnetz mit den örtlichen Institutionen, Einrichtungen, Ämtern, Bildungsträgern, Unternehmen und Organisationen der Region ist entstanden. Dieses wirkungsvolle Netzwerk erlaubt es den Akteuren, in unterschiedlichen Zusammensetzungen kreative und effektive Projekte ins Leben zu rufen und umzusetzen.

Aktuell zum Beispiel im Hand-in-Hand-Unterstützungsangebot für Alleinerziehende „INA“ - Integratives Netzwerk für eine nachhaltige Unterstützung für Alleinerziehender im Landkreis Ahrweiler - bei dem die Beratungsstelle eng mit den Beauftragten für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt der Agentur für Arbeit und des Jobcents sowie den Kommunalen Gleichstellungsbeauftragten des nördlichen Rheinland-Pfalz und weiteren regionalen Einrichtungen zusammenarbeitet. Die Teilnehmerinnen des aktuellen Orientierungsseminars für (Wieder-) Einsteigerinnen bedankten sich mit roten Rosen für die „gute und herzliche Aufnahme“, so eine Sprecherin. Besonders galt der Dank für die „individuelle Beratung“. Die Freude war groß, dass dieses Seminar fortgeführt wird.

Klaus Kniel, Dr. Christa Lenze und Ministerin Irene Alt. Foto: FIX

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