Großer Festumzug zum 50. Jubiläum des Recher Weinfestes
35 originelle Gruppen feiern ausgelassen ein besonderes Kulturgut der Region
Dernau. 50 Jahre gibt es nun das Recher Weinfest. Grund genug, die Jubiläumsfeier besonders ausgelassen zu feiern. Vor allem der Festzug am Sonntagnachmittag sollte zur großen Bühne für den runden Geburtstag werden. Selbst Petrus hatte ein Einsehen mit den in diesen Tagen regengeplagten Rechern und beließ es während des bunten Umzugs bei Regenwolken, sodass die angesichts des trüben Wetters am Wochenende erstaunlich vielen Besucher aus nah und fern das Spektakel sozusagen ungetrübt genießen konnten.
Was besonders ins Auge fiel: die zahlreichen originellen Beiträge im mit 35 Motivwagen, Musik- und Fußgruppen ohnehin besonders umfangreichen Jubiläumszug. Vielleicht einer der originellsten Beiträge: das „Erlebnisdinner“ der Recher Kning. Nach den „Gauklerinnen“, die zur Freude vor allem den kleinen Festzugbesucher mit Spezialgerät riesige Seifenblasen produzierten, kam eine gut und gerne sieben Meter lange Festtafel mit großer Jubiläums-50 am Kopfende daher, überreich gedeckt mit Wein, feinen Speisen, Kerzenleuchtern und einem leibhaftigen Schweinskopf, von brennenden Wunderkerzen illuminiert. Das Ganze stand unter dem Motto „Erlebnisdinner mit Recher Wein, was kann schöner sein“. Statt „schwer im Magen“ hatten die acht Trägerinnen und Träger zunächst schwer zu tragen an dem überdimensionalen Festtagsschmaus.
Eine überdimensionale Torte durfte zum Weinfestgeburtstag natürlich auch nicht fehlen. Diese hatte der Recher Junggesellenverein mit Freunden auf einem Motivwagen platziert. Angesichts der Geburtstagsstimmung war auch die traditionelle Rivalität mit dem Nachbardorf Dernau praktisch vergessen. Während die Dagernova sogar den ersten Zugbeitrag mit ihrem Motivwagen zum vergangenen eigenen 140. Jubiläum stellen durfte, titelte der Verkehrsverein WeinKulturDorf Dernau mit seinem Wagen gar überschwänglich „Zu Gast bei Freunden“ und brachte mit eigener Musikgruppe obenauf manch Geburtstagsständchen.
Überregionale Bekanntheit zog auch internationale Gäste an
Um den Nachwuchs brauchen sich die Weinfestorganisatoren auch nicht zu sorgen. So war der Kindertreff Rech mit großer Truppe und dem Motto „Selbst im Zirkus Charles Knie läuft mit Recher Wein die Show wie nie“ genauso dabei wie der in bayrischer Tracht gewandete Jugendtreff Rech mit „Auf geht’s zum Oktoberfest“ sowieso in Festtagsstimmung und Feierlaune. Und auch ein kleiner Freibeuter wurde gesichtet, natürlich bei den „Kölner Piraten“.
Zurecht ist das kleine Winzerdorf Rech überregional bekannt für sein urig-gemütliches Winzerfest - eines der schönsten an der Ahr. Deshalb ist hier das Publikum auch international - darunter viele Gäste aus Belgien und den Niederlanden. Das spiegelte sich erneut im Winzerfestumzug am Sonntagnachmittag wider. Denn hier sorgten nicht nur nicht nur niederländische Gute-Laune-Combos wie „De Boopers“ - zum dritten Mal dabei - und natürlich die alten Freunde von „Dik d’r Neffe“ für Stimmung. In einem Fenster hing sogar ein Liebesgruß, aufgemalt auf einem Bettlaken, an die niederländische Blasmusikgruppe - von wem und aus welchem Anlass, konnte letztlich nicht geklärt werden. Auch die Volkstanzgruppe Recht aus Belgien passte nicht nur namentlich zum Weinort und dem ausgelassenen Treiben rund um den Festplatz, sondern bereicherte den Zug mit ihren originellen Tänzen und Choreografien. Für die musikalische Untermalung sorgten neben den niederländischen Musikgruppen auch das Tambourcorps Blau-Weiß Dernau, der Musikverein Sistig-Kreke aus Kall in der Eifel, das Fanfarencorps Dattenberg, die Blaskapelle Kesseling und traditionell das Blasorchester Hönningen.
Natürlich durften auch die Repräsentanten und Repräsentantinnen des Weins im Festzug nicht fehlen. Wie immer thronte Weingott Bacchus alias Ulli Jacobs hoch oben auf seinem Fass und grüßte jovial in die Menschenmenge. Silberjubilarin Petra Nachtsheim geb. Becker winkte auf dem Heck eines Cabrios sitzend. Die Weinköniginnen der anderen Ahrtaler Weinorte waren edel per zweispännigen Kutschen unterwegs, während die ehemaligen Weinmajestäten von Rech per pedes am Zug teilnahmen. Unter den „Weingeistern“ war auch die Vorgängerin von Juliana I. Groß auszumachen, Nora I. Bischoff, die bei der Proklamation am Vortag die goldene Krone an ihre Nachfolgerin überreicht hatte und nun in bester Laune den Gästen entlang des Zugwegs ausschenkte.
Der prächtig geschmückte Wagen mit der neuen Weinkönigin und ihren Prinzessinnen Maike Stephan und Laura Küls bildete natürlich den Abschluss und Höhepunkt des Festumzugs. Über das ganze Gesicht strahlend winkten die drei jungen Frauen ohne Unterlass in die begeisterte Menschenmenge - alle gemeinsam froh, dass es trocken geblieben war während des Umzugs, der schließlich wochenlange Vorbereitungszeit erfordert hatte.
Emotionaler Rückblick auf die letzten 50 Jahre
Auch nach dessen Ende ging das Fest im historischen Ortskern natürlich bunt weiter. Auf dem Festplatz verteilt, sorgten insgesamt zwölf Wein- und Speisestände mit kulinarischen Köstlichkeiten aus Küche und Keller für das Wohl der Gäste. Ab dem späten Nachmittag heizte die Band „Come on“ bei nun besserem Wetter schon einmal dem Publikum ein. Denn am Abend folgte der nach der Proklamation von Juliana I. und dem Jubiläumsfestzug der dritte und letzte Höhepunkt des Festwochenendes, der Empfang anlässlich der Inthronisierung der neuen Weinkönigin und des Jubiläums, bei dem ein Rückblick auf die letzten 50 Jahre Winzerfest gehalten wurde und bei dem viele ehemalige Weinköniginnen Rechs anwesend waren. Landrat Dr. Jürgen Pföhler beispielsweise erinnerte an das Motto des ersten Weinfests in Rech vor 50 Jahren: „Lacht und singt: wo man Recher Blume trinkt“. Und er ergänzte: „Hier in Rech ziehen die Bürgerinnen und Bürger an einem Strang und in eine Richtung. Die jährliche Ausrichtung des Winzerfestes ist ein gutes Beispiel für ein gelebtes ehrenamtliches Engagement, eine engagierte Dorfgemeinschaft und die Pflege von Tradition und Brauchtum. Mit Ihnen, liebe Juliana I., kann der Weinort wieder einmal eine würdige und professionelle Nachfolgerin im Amt der Weinkönigin vorzeigen. Sie bringen die besten Voraussetzungen dafür mit: Denn im vergangenen Jahr konnten Sie sich als Weinprinzessin ein gutes Bild von diesem Amt machen. Bereits Ihre Mutter Claudia trug die Krone des Weinortes Rech in der Amtszeit 1985/86 und die der Ahr ein Jahr später.“
Der stellvertretenden Vorsitzenden des Heimat- und Verkehrsvereins Weindorf Rech (HVV), Ute Schenk, überreichte Pföhler einen gerahmten historischen Zeitungsartikel über den Auftakt zum ersten Recher Weinfest und wünsche dem HVV für die Zukunft alles Gute. „Mit Ihrem großen Einsatz pflegen und erhalten Sie ein besonderes Kulturgut unserer Region. Weinfeste sind ein Teil der gelebten Tradition hier im Kreis Ahrweiler und darüber hinaus ein großer touristischer Anziehungspunkt.“
Weinkönigin Juliana I. Groß hoch zu Wagen mit ihren Prinzessinnen Maike Stephan und Laura Küls.
