Konzert in der Ahrweiler Synagoge
Bach-Kantaten in Irish-Style
The Reel Bach Consort präsentierte Mischung aus barocker Fülle und irischem Folk
Ahrweiler. Bach-Kantaten und Irish Folk - ob diese Mischung funktioniert? Nach dem Auftritt des Ensembles „The Reel Bach Consort“ am Freitagabend stellten sich die Besucher der Ahrweiler Synagoge diese Frage nicht mehr. Sie hörten Irisches und Bach-Musik - teils sogar gleichzeitig - und träumten dabei von satt grünen Hügeln und uriger Pub-Atmosphäre. „Jetzt fehlt nur noch ein echtes Guinness“, scherzte ein Besucher in der Pause. In der Not tat’s aber auch ein alkoholfreies Pils.
„Wir holen Bachs Musik aus der verstaubten musikalischen Ecke heraus und lassen es richtig krachen“, kündigte Hubert Arnold, Organist in Beuel und Mitgründer des Consorts, das Programm zu Beginn des zweieinhalbstündigen Konzerts an - und er behielt recht: Die acht Musiker zogen die zahlreichen Besucher in der heimeligen Synagoge in ihren Bann. Als Tom Kannmacher auf seiner Uilleann Pipe, eine spezielle Sackpfeife, „Awake, Ireland, Awake“ anstimmte, lag ein Hauch irischer Lebensart in der Luft. Das musikalische Grundgerüst bildete Bachs Kantatensatz „Wachet auf, ruft uns die Stimme“. Manche schlossen ihre Augen, ehe das wohltuende Harfenspiel, die zupfende Mandoline und Hubert Arnolds Cembalo einsetzten. Füße wippten beschwingt bei Carl Philipp Emanuel Bachs „Marche“, den die Künstler wiederum mit irischen Tunes verwebten. Bei der „International Suite“ flogen die Hände von Cembalonist Hubert Arnold nur so über sein nostalgisches Instrument, während sich Fiddle und Gitarre in wechselnden Rhythmen harmonisch ergänzten. Melancholisch wurde es bei „An Mhaighdean Mhara“ (Die Seejungfrau), wo sogar der Beatles-Klassiker „Hey, Jude“ kunstvoll integriert war. Kurz vor der Pause hatte die Harfe ihren großen Auftritt - sogar im Doppelpack wie bei dem bretonischen Tanz „An Dro“.
„Bach goes Celtic“ auch im zweiten Teil: Quodlibets fügten Musikstücke in einer Melodie zusammen, die gemeinhin nichts miteinander zu tun haben. Hauchzarte Übergänge, Instrumentensoli in Perfektion und die exotischen Klänge von Pipe, Whistle und Bodhrán boten überraschende musikalische Hörerlebnisse. „My little Bourrée“, ein irisches Fischerlied, sang Tom Kannmacher sogar in traditioneller Nationalsprache. Das Publikum sang den Refrain mit. Eine ausgiebige Zugabe krönte das Konzert für wahre Liebhaber der traditionellen irischen Musik.
