Die Akademie für Krisenmanagement, Notfallplanung und Zivilschutz Ahrweiler öffnete ihre Türen
Bevölkerungsschutz zum Anfassen
Ahrweiler. Ein orangefarbener Zivilschutzhubschrauber mit Strahlenmessgerät, eine Übung zur Rettung Verletzter nach einem Erdbeben, die Arbeit eines Krisenstabes bei einem Erdbeben in dieser Situation - nur einige von zahlreichen Programmpunkten beim Tag der offenen Tür an der Akademie für Krisenmanagement, Notfallplanung und Zivilschutz (AKNZ) in Ahrweiler. Bevölkerungsschutz zum Anfassen - für Jung und Alt. Der Rundgang auf dem Gelände wurde am vergangenen Samstag zur spannenden Entdeckungs- und Lernreise.
60 Jahre ziviler Bevölkerungsschutz
Es ist 60 Jahre her, als der Vorläufer der heutigen Akademie für Krisenmanagement, Notfallplanung und Zivilschutz (AKNZ) in den Gebäuden des Klosters Marienthal seine Zelte aufschlug. Ausbildung im zivilen Bevölkerungsschutz lautete damals das Aufgabenfeld.
Doch was sind heute die Aufgaben der Akademie? Was hat sich verändert? Und: Was passiert da eigentlich, hoch über Ahrweiler, hinter der Alten Ziegelei an der Ramersbacher Straße?
Die Besucher des Tags der offenen Tür konnten sich informieren - und nutzten die Möglichkeit einmal hinter die Kulissen zu schauen. Unter einsatznahen Bedingungen wurden und werden die künftigen Fach- und Führungskräfte im Bevölkerungsschutz an der zum Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe gehörenden AKNZ seit 60 Jahren ausgebildet. Obwohl der auf 17 Millionen Euro veranschlagte Ausbau der Anlage durch das fehlende Wirtschaftsgebäude noch nicht komplett fertig ist, ist die AKNZ eine höchste Ansprüche erfüllende, moderne Ausbildungsstätte.
Neben Fachvorträgen zu verschiedenen Themen des Bevölkerungsschutzes wie Trinkwassersicherheit, Hochwasser und Sturzfluten oder Sicherheitspolitik, gab es auch Angebote zum Mitmachen: ein Medientraining mit dem Experten für Krisenkommunikation und eine Krisenstabsübung.
"Christoph" der Zivilschutz-Hubschrauber
Als Blickfang war ein Orange farbiger Zivilschutz-Hubschrauber, genannt Christoph, zur großflächigen Strahlenüberwachung zu besichtigen. Diese Messausrüstung könne beim Überflug Radioaktivität am Boden sowie etwa auch in fahrenden Lkw aufspüren, erklärten Pilot Torsten Pfeil und Christopher Strobl vom Bundesamt für Strahlenschutz.
Binnen einer halben Stunde könne er aber umgerüstet werden für Krankentransporte. So lernten die Gäste, dass der Hubschrauber eigentlich für den Katastrophenfall gedacht ist, aber in der Regel in der Luftrettung eingesetzt wird.
Für die Kids gab’s eine Sonderführung mit Blick ins Cockpit und dem Gefühl, selbst einmal als kleiner Pilot durch die Luft zu fliegen.
Gemeinsam agieren
Vizepräsident des Amtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe, Ralph Tiesler betonte, dass der Bevölkerungsschutz ein interdisziplinäres System sei, das sich von Fall zu Fall unterschiedlich zusammensetze.
Egal ob Gesundheitsfall oder Atomkatastrophe - verschiedene Szenarien postulieren das Zusammenarbeiten verschiedenster Ressorts. „Diese müssen im Ernstfall alle an einen Tisch gebracht werden“, sagt Ralph Tiesler. Wie das alles unter einen Hut zu bringen ist, das wird in den Stäben und Lagezentren vielfach geübt. Beim Tag der offenen Tür waren die Besucher hautnah dabei. Sie konnten diese Lagezentren besichtigen und in zahlreichen Fachvorträgen über ihre Möglichkeiten unterrichtet werden. Dozentin Nicole Bernstein gab indes einen Überblick zur Akademie: Trainiert werden dort Führungsstäbe auf Landesebene, aber auch Polizisten, die Bundeswehr, der Verfassungsschutz und private Unternehmen. Unterstützt wird die Akademie von diversen renommierten Partner wie beispielsweise der Hochschule der Polizei Münster und das Fraunhofer-Institut. „Unsere Gäste kommen her, um zu lernen, wie man mit Großlagen wie Hochwasser und Erdbeben adäquat umgehen und sie bewältigen kann“, berichtete die Dozentin.
"Ernstfall" gestellt
Und einen Ernstfall konnten die Besucher gleich live erleben - natürlich nur gestellt, aber täuschend echt. Der Stab des Landkreises Viersen simulierte das Szenario eines Erdbebens mit Hochwasser im Rheingraben. Das Wasser breitet sich immer weiter aus, Einsatzkräfte müssen koordiniert, Pressemitteilungen verfasst und Absprachen mit Organisationen und der Politik getroffen werden. 20 Personen übten diesen Ernstfall, und ließen sich dabei über die Schultern schauen.
Telefondrähte liefen heiß, Monitore flimmerten, Übersichtskarten und Zettel mit Daten und aktuellen Meldungen zierten die Wände. Welche Straßen, Krankenhäuser und Trinkwasserreservoirs sind noch intakt? Wie können die noch lebenden Menschen in Sicherheit gebracht und versorgt werden? Wie werden die Toten abtransportiert?
Nationale Kontaktstelle im Katastrophenfall
Als nationale Kontaktstelle im Katastrophenfall fungiert das gemeinsame Melde- und Lagezentrum für den Bevölkerungsschutz von Bund und Länder in Bonn.
Doch was passiert, wenn es in Bonn Probleme gibt? Dann ist der Ausweichsitz hoch über Ahrweiler auf den Punkt einsatzbereit. Auch hier gaben die Experten den interessierten Besuchern Einblicke in ihre Arbeit. Diverse Monitore flackern, Nachrichtenticker speisen sekündlich neue Meldungen ein, Pegelstände werden in Echtzeit beobachtet, Prognosen erstellt und Ressourcen geprüft - koordinieren und managen, wenn es ernst wird, wie zuletzt bei der Hochwasserkatastrophe im Juni. Dann herrscht im Lagezentrum Hochbetrieb. „Die Arbeit des Lagezentrums bestand darin, Einsätze zu koordinieren und die Ressourcen, in dem Fall Sandsäcke, nach Bedarf zur Verfügung zu stellen“, erklärt Christoph Schmidt-Taube, Referatsleiter des Gemeinsamen Melde- und Lagezentrums. Besonders im Blick hatten er und seine Kollegen den Niederschlagsradar, die Pegelstände auf einem Computerbildschirm und die Nachrichtenticker nach Schlagworten wie Unwetter.
Hochwasser und Fußball-WM
„Nach dem Hochwasser 2002 hat eine große Entwicklung stattgefunden“, so Schmidt-Tauber. „Die Bundesländer arbeiten enger zusammen. Das macht die Arbeit im Ernstfall erheblich einfacher.“
Der Ausweichsitz in Ahrweiler war zuletzt 2006 gefragt, als die Fußball-WM im eigenen Land einige Herausforderungen mit sich brachte und in Bonn gerade umgebaut wurde. Die jungen Besucher konnten indes bei Max und Flocke im Kinderzelt malen, rätseln und spielen. Der Puppenfilm „Rettet die Retter“ und der Zauberer Zauberwolf waren ebenfalls gefragt bei den Kids, und die Schülerbands des Peter-Joerres-Gymnasiums und des ARE-Gymnasiums hatten Klassiker und moderne Interpretationen im Gepäck.
Wettbewerb und Quiz
Bereits im Vorfeld haben der Krupp-Verlag und das BBK einen Malwettbewerb für Kinder ausgelobt, dessen Gewinner ebenfalls auf der Bühne vorgestellt wurde (siehe separater Bericht). Zudem gab es ein Quiz mit attraktiven Preisen, während das Showkochen der Auszubildenden der AKNZ-eigenen Kantine hungrig machte.
Nationale und Internationale Gäste
Der Katastrophenschutz erfüllt wichtige Aufgaben - das wurde den Gästen an diesem Tag eindrucksvoll vor Augen geführt. Welche Möglichkeiten bestehen?
Die AKNZ mit ihren 83 festen Mitarbeitern und einem Referentenstab von mehr als 100 Gastdozenten hat das Ziel, Fach- und Führungskräfte aller Ebenen auszubilden. Rund 10.000 Lehrgangsteilnehmer im Jahr erlernen hier Tätigkeiten überregionaler Katastrophenstäbe. Als zentrale Ausbildungsstätte des in Bonn beheimateten Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) ist die AKNZ mit ihrem Leiter Thomas Mitschke nicht nur für den Bevölkerungsschutz wichtig, sondern auch als Einrichtung für die Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler. Immerhin bringt die Akademie nationale wie internationale Gäste in die Kreisstadt. 145 Betten hat die AKNZ selbst zur Verfügung; 2012 wurden 1200 Hotelbetten (15 Prozent) in der Stadt von Lehrgangsteilnehmern belegt - ein beachtlicher wirtschaftlicher Faktor.
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Die Schülerband des Peter-Joerres-Gymnasiums hatte Klassiker und moderne Interpretationen im Gepäck.
