Osterfeuer in den Bad Neuenahrer Weinbergen
Da wurde nicht nur dem Hasen warm
Riesiges Feuer loderte in den Weinbergen - Rund 500 Gäste trotzen Wind und Kälte
Bad Neuenahr. Da wurde es nicht nur der putzigen Osterhas(-in) ein wenig frisch um die Nase: Zur vierten Auflage des Osterfeuers an der Weinbergslage Schieferlay waren trotz kühler Temperaturen und eisigem Wind wieder Hunderte Gäste dem Ruf des Weinguts Sonnenberg und des Dorint Parkhotels Bad Neuenahr gefolgt und verbrachten bei Wein, Würstchen und Flammkuchen einige gesellige Stunden mit herrlichem Fernblick auf das Ahrtal. Besonders begehrt waren die grünen Kuscheldecken, die im vergangenen Jahr ob des warmen Wetters noch als Picknick-Decken verliehen wurden.
Getreu dem Brauch soll mit dem Feuer der Winter vertrieben und der Frühling begrüßt werden. Wie in vielen christlichen Gemeinden üblich entzündete auch wieder ein Priester das große Feuer. „Ich finde es beachtlich, dass die Veranstalter diesen Brauch kirchlich und religiös begründen“, erklärte Pastor Peter Dörrenbächer vor lodernder Kulisse. Damit auch alles sicher vonstatten gehen konnte, sicherte die Freiwillige Feuerwehr Bad Neuenahr den Festplatz und die überaus große Feuerstätte ab. Doch gegen einzelne Windböen, die den Rauch über den Platz wehten und einige Besucher kurzzeitig „einnebelten“, waren auch sie machtlos.
Bis in den Abend feierten Jung und Alt bei Wein und Leckereien das symbolische Ende des Winters. Das Akustik-Duo „The Young Folk“ (Ingo Gemein und Daniel Schnitzler) sorgte mit Klassikern aus den vergangenen Jahrzehnten und aktuellen Hits für Lagerfeueratmosphäre. Bei Dämmerung leitete die Trommelformation „Safri Duo“ mit einem schmissigen Auftritt die Wintervertreibung ein. Die Attraktion bei den Kindern war der Besuch des Osterhasen, der mit Süßigkeiten und bunten Eiern aufwarten konnte - aber natürlich nur für die Kleinsten. Auch das Stockbrotbacken erfreute sich wieder großer Beliebtheit. In der Osterwerkstatt wurde fleißig gebastelt, gemalt und marmoriert. Als die Dämmerung eintrat, gingen zahlreiche Kinder mit Taschenlampe und Möhren bewaffnet auf die Suche nach den „echten“ Hasen und bahnten sich den Weg durch die Weinberge zur Hasenwerkstatt. Die beiden Veranstalter, das Weingut Sonnenberg und das Dorint Parkhotel Bad Neuenahr mit ihren Chefs Marc Linden und Stefan Bernstein, freuten sich, dass das Osterfeuer auch in diesem Jahr wieder ein voller Erfolg war. Der Winter jedenfalls sollte nun endgültig vertrieben sein.
Die gebürtige Braunschweigerin und Organisatorin Michaela Wolff vom Weingut Sonnenberg hatte die Idee vor vier Jahren aus ihrer Heimat Niedersachsen mitgebracht, wo Osterfeuer eine beliebte Tradition sind. Früher glaubte man, dass der Schein des Feuers eine reinigende Wirkung habe und die keimende Saat vor bösen Geistern schütze. So galten die Osterfeuer auch als Kult zur Sicherung der Fruchtbarkeit, des Wachstums und der Ernte, wobei die Asche auf den Feldern verteilt wurde. Später wurde dieser Brauch von den Christen übernommen und heute noch vielerorts vor der Feier der Osternacht in katholischen Kirchen gepflegt. Die Besucherresonanz in den letzten vier Jahren verspricht, dass mit dem Bad Neuenahrer Osterfeuer durchaus eine Tradition neu begründet sein kann.
