Rathaussturm in Ringen
Die Bölinger Möhnen eroberten den Schlüssel von Bürgermeister Achim Juchem
Ringen. Einmal im Jahr ist Bürgermeister Achim Juchem reif für die Insel, dann lässt er Anzug und Krawatte zu Hause und erscheint im Hawaiihemd zum Dienst: Weiberfastnacht im Ringener Rathaus, die Möhnen übernehmen das Kommando und entreißen dem Gemeindechef den Schlüssel zum imposanten Dienstgebäude. Zum Jubiläums-Rathaussturm – 2005 nach der Einweihung des neuen Rathauses war die Premiere – hatte sich Juchem sogar noch Landrat Dr. Jürgen Pföhler samt Goldbären-Möhne als Verstärkung dazu geholt, doch wie in jedem Jahr war die lausige Verteidigungsstrategie von Anfang an zum Scheitern verurteilt. Zumal auch Juchems männliche Stellvertreter Michael Schneider und Ingo Derz fahnenflüchtig blieben. Vizebürgermeisterin Martina Münch steckte dabei wieder einmal in der Zwickmühle, ob sie eher zu der Rathausbesatzung oder eher zu den jecken Weibern halten sollte, und entschied sich schließlich für die Möhnenseite. Die Stimmung war jedenfalls ausgelassen, getreu dem diesjährigen Rathaussturm-Motto: „Haribo macht uns alle froh, und den Fastelovend ebenso!“
60 Jahre Gegenwart und Nostalgie
Aus allen Ortschaften der Gemeinde waren nämlich die kampferprobten Möhnen in Geschwaderstärke angerückt, hatten dabei uniformierte Tanzgruppen und staatse Tollitäten im Schlepptau und eröffneten siegesgewiss den alljährlichen Marsch auf das Rathaus der Grafschaft. Den Schlüssel für das Rathaus eroberten sich diesmal die Bölinger Möhnen, die ein rundes Jubiläum zu feiern hatten. Treiben die jecken Weiber doch schon seit 60 Jahren ihr Unwesen und haben daher die Session unter das Motto gestellt: „60 Jahre Gegenwart und Nostalgie – die Bölinger Möhnen sind jeck wie nie!“ Obermöhn Dorothea Krämer entwand dem Gemeindechef den Rathausschlüssel nach einer tapferen Bützattacke und will ihn frühestens am Aschermittwoch wieder herausrücken. Bis dahin regieren die närrischen Weiber in der Grafschaft. Die Nierendorfer Möhnen hatten ihr Kinderprinzenpaar Hilarius I. (Dreßen) und Merle I. (Assenmacher) mitgebracht, sie ließen sich als einzige offizielle Grafschafter Tollität natürlich gebührend hochleben.
Tolle karnevalistische Darbietungen
Die Gäste bekamen eine ganze Reihe von karnevalistischen Darbietungen zu sehen mit tänzerischen Auftritten der „Roten Funken“ aus Gelsdorf, der „Ringener Sterne“, der „Red Hot Maries“ aus Birresdorf, die „Fröschelchen“ aus Nierendorf und der Garde Grün-Weiß aus Esch samt Tanzpaar. Großen Beifall erhielt auch das Männerballett „Ringener Perlen“ für ihren Auftritt als graziöse Primaballerinen im rosa Tütü, mit einer goldenen Schleife am Revers in Gedenken an den kürzlich allzu früh verstorbenen Wendböggele-Sitzungspräsidenten und Mittänzer Jürgen Knieps.
Dank eines großzügigen Sponsors, der demnächst seinen Hauptsitz in die Grafschaft verlegen wird, erlebte die vereinigte Möhnen-Kampffront wieder einen Bürgermeister in Geberlaune. Denn nicht nur der Grafschafter Rathaussturm-Erinnerungsorden wurde dutzendfach verliehen, auch ein wenig „Lösegeld“ in Form von Goldbären konnten die einzelnen Karnevalsgesellschaften mit nach Hause nehmen. Und Landrat Dr. Jürgen Pföhler hatte ein ganz besonderes Präsent zum Rathaussturm-Jubiläum mitgebracht, denn er überreichte einen Plüsch-Goldbären als Goldmöhne an Bürgermeister Achim Juchem. Zuvor hatte er in Reimform die Möhnentradition hochleben lassen: „Bei soviel geballter Frauenpower besteht der Karneval auf Dauer.
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Landrat Dr. Jürgen Pföhler überreichte eine „Gold-Möhne“ an Bürgermeister Achim Juchem und seine Stellvertreterin Martina Münch..
