18. Historisches Weinfest Heimersheim
Ein Programm, das es nicht alle Tage gibt
Bewährter Mix aus Weinfest und Mittelalterspektakel vom 16. bis 18. August
Heimersheim. „Das Historische Weinfest in Heimersheim hebt sich bereits ab von der Vielzahl an Mittelalterfesten“, betont Andreas Wittpohl, Geschäftsführer von Ahrtal-Tourismus Bad Neuenahr-Ahrweiler. „Mit den neuen Angeboten für Kinder erlebt das Event aber noch eine zusätzliche Weiterentwicklung.“ In der Tat haben sich die Organisatoren zur 18. Ausgabe in diesem Jahr einiges einfallen lassen, um verstärkt auch Familien mit Kindern anzusprechen - an allen Tagen, mit Schwerpunkt jedoch auf dem Sonntag. „Fast alle teilnehmenden Künstler und Aussteller machen auch Programm für Kinder“, erklärt Marktleiterin Martina Krupp vom Arbeitskreis Heimersheim. So wird neben dem etatmäßigen Schmied in diesem Jahr auch ein Kinderschmied seine Kunst zeigen und die kleinen Gäste des Weinfests zum Mitmachen animieren. Beim „Ranak vom See“ können sie dabei Hufeisen selber schmieden und andere kunstfertige Dinge herstellen. Familie Humberg steht an der Kirche und macht ihre Holzwerkstatt auf. Hier kann ein Schwert, ein Bogen oder gar eine Streitaxt und ein Schild gefertigt werden. Dieses Angebot ist auch für starke Mädchen gültig. Weiterhin locken ein Wettbewerb im Armbrustschießen und die Möglichkeit, Specksteine in der Werkstatt vom Lapidarium zu bearbeiten. Die Landsknechte zu Köln, seit vielen Jahren beim Fest dabei, zeigen kleinen Besuchern nicht nur ihr Lager im Hof Dünwald, sondern haben sich auch etwas besonders Lustiges ausgedacht: den Wettkampf im Eierquetschen, bei dem Eier mit einer Eisenkugel getroffen werden müssen. Walter Rath ist wie vor zwei Jahren mit zwei Karren unterwegs, mit der Kreyseley und mit seinem Mäuseroulette, wo geraten werden muss, in welches Häuschen das Mäuschen wohl laufen wird. Um den Stress für die Tiere möglichst gering zu halten, werden sie regelmäßig ausgetauscht. Für die Kinder, die mit ihrem Tipp richtig liegen, gibt es als Preis einen Edelstein. Chnutz vom Hopfen wird in sein gemütliches Zelt laden und spannende Geschichten für Jung und Alt erzählen. „Die Ursula“ flechtet kleinen Burgfräuleins Bänder ins Haar, und aus dem Osten reisen Kerstin und Maik an, die vor zwei Jahren erstmals in Heimersheim dabei waren. Sie bauen ihr Hochseil auf und führen waghalsige Kunststücke auf. Doch auch mutige Kinder können selber aktiv werden und ihr Seiltänzerdiplom machen.
Marktrallye und Ritterschlag
Am Sonntag liegen an allen Toren nur für Kinder Karten für die Marktrallye rund um die Burg Landskron bereit. Es gilt, auf dem Festgelände Stempel zu sammeln und ein Lösungswort zu finden. Wenn das richtige Wort gefunden ist, werden die Mädchen von Ordensrittern mit einem Ehrenkranz zum Burgfräulein und die Jungen mit dem Schwert zum Ritter von Burg Landskron geschlagen. Beim Kinderturnier gilt es, mit der Lanze Ringe an aufgebauten Galgen zu stechen. Auch bei einer brandneuen Musikgruppe, die ihren ersten größeren Auftritt in Heimersheim hat, stehen Kinder im Mittelpunkt. Denn in der mittelalterlichen Combo „Sauenscheucher“ singt ein Mädchen, während ein Junge Schlagzeug spielt. Überhaupt werden Klein und Groß wieder viele musikalische Acts geboten. So spielt beispielsweise „WirrWahr“ am Samstagabend ein mittelalterliches Konzert im Hof des Hotels zum Stern. Daneben unterhalten auch die „Spielleyt“ von „Dopo Domani“, „Skaba“, „Kasper der Gaukler“ und die Deutschen Ordensritter das erwartungsvolle Volk zu Heimersheim. Mit dabei ist natürlich auch die Band „Skybagg“, die an allen Tagen ein zeitgenössisches Musikprogramm präsentiert. Mit Spannung erwartet wird auch die Musiker- und Gauklertruppe Luscinia Obscura, neu in Heimersheim dabei mit Auftritten am Samstag und Sonntag. Eine Spezialität ist ihre Feuershow. Die Gruppe wird nicht nur auf dem Marktplatz zu sehen sein, sondern ist auch im Dorf unterwegs und so hautnah zu erleben. Sowohl am Samstag als auch am Sonntag sorgen ebenfalls die Spielleyt „Samamack“, „Baghira“ mit orientalischem Tanz und die gefiederten Freunde von der Falknerei Anderswelt für Unterhaltung bei den Festbesuchern. „Milites Sentiacum“ gewährt Einblick in das Leben in einem Söldnerlager und lässt das Mittelalter wiederauferstehen. Die Sinziger Ritter werden übrigens nicht mehr im Königinnenhof zu finden sein, sondern im Hof Clemens Nelles in der Bachstraße 8, der erstmals seit vielen Jahren wieder dabei ist. Im Königinnenhof befindet sich stattdessen eine von der Familie Krätz betriebene Taverne. Überall im Dorfe werden die Gäste zudem mit Köstlichkeiten aus Küche und Keller bewirtet.
Proklamation und Festzug
Neben dem festlichen Treiben an allen drei Tagen erwarten die Besucher natürlich auch einige Veranstaltungshöhepunkte. Am Freitag ist es vor allem die Eröffnung des Weinfests um 20 Uhr auf dem Marktplatz, zelebriert durch Arbeitskreis-Vorsitzende Theresa Czaya, Herold Malonius und Weinkönigin Alina I., die ihre Abschiedsrede halten wird. Außerdem wird die Jubiläumsweinkönigin von vor 25 Jahren, Bettina Lanzerath, geehrt. Gegen 21.45 Uhr wird die neue Weinkönigin per Sänfte auf die Bühne getragen und proklamiert. Dann erhält sie Krone und Pokal, bevor ihre Antrittsrede ansteht und Eltern, Offizielle und Vereine gratulieren können. Übrigens weiß die Glückliche bereits seit Längerem von ihrem künftigen Amt, starteten die Vorbereitungen doch bereits nach der Karnevalszeit. Denn es musste beispielsweise das aufwendige Kleid geschneidert werden. Der Name der neuen Weinmajestät wird natürlich bis zur Vorstellung streng geheim gehalten. Höhepunkt am Samstag ist neben dem mittelalterlichen Programm auf der Bühne der Festzug, an dem alle Künstler teilnehmen, unter anderem mit Pferdewagen. Anschließend folgt ein mittelalterliches Tavernenspiel auf der Marktbühne. Etwas ganz Besonderes ist auch die lateinische Messe am Sonntag um 10.30 Uhr in der Pfarrkirche St. Mauritius, bei der viele Teilnehmer in mittelalterlichen Gewändern gekleidet sind und alte Fahnen dabei haben. Die Deutschen Ordensritter, Vertreter der Ortsvereine, Milites Sentiacum und die Landsknechte zu Köln und viele andere sorgen dabei für ein buntes, würdevolles Bild. Auch am letzten Tag des Fests treten viele Künstler auf der Marktbühne auf, gibt es zudem einen gemeinsamen Auftritt aller um 18 Uhr. Der krönende Abschluss soll ein „pyrotechnisches Spectaculum“, sprich ein Höhenfeuerwerk, um 22 Uhr bilden. Kindern bis einer Größe des „Schwertmaßes“ von 1,25 m genießen freien Eintritt. Der Verzehr von mitgebrachten Speisen oder Getränken ist innerhalb des Festgeländes verboten. Darüber wacht unter anderem eine Security an den Toren, die mit Einverständnis der betreffenden Gäste sporadische Taschen- und Rucksackkontrollen durchführen wird. „Der Ahrtal-Tourismus lässt sich eine solche Maßnahme einiges kosten“, erklärt Ahrtal-Tourismus-Geschäftsführer Wittpohl.
Hohe Investitionen
Insgesamt werden für Security, Künstlergagen und Werbung rund 65.000 bis 80.000 Euro investiert. „Der Security-Einsatz hat in den vergangenen Jahren bereits Wirkung gezeigt“, so Wittpohl. Für dieses Jahr sollen gezielt offensichtlich betrunkene Personen angesprochen und betreut werden, erklärten die Organisatoren. Damit wird der Kritik einzelner Festgäste entsprochen, die sich von alkoholisierten Festteilnehmern gestört fühlten. Bei gutem Wetter erwarten Ahrtal-Tourismus und Arbeitskreis rund 10.000 Gäste. „Heimersheim hilft der Region mit seinem Mittelalterlichen Weinfest, ein Ganzjahresevent zu werden“, misst Wittpohl der dreitägigen Veranstaltung einen hohen Wert nicht nur für den Weinort, sondern das ganze Ahrtal bei. „Im August hatten wir früher eine Sommerdelle beim Besucheraufkommen. Dank der Themenweinfeste wie in Heimersheim und Walporzheim stellen wir mittlerweile eine gute Übernachtungsbuchung in dieser Zeit fest. Vor allem Auswärtige aus ganz Deutschland nutzen die Feste als Reiseanlass“, ergänzt er. Der große Dank der Organisatoren aus Heimersheim und vom Ahrtal-Tourismus gilt vor allem den Vereinen des Orts. „Alle ziehen hier an einem Strang, machen vieles selber. Ohne sie und die Spender könnten wir das Fest nicht in dieser Weise zelebrieren“, sagen sie unisono.
Weinkönigin Alina I.
