175 Jahre Ursulinenkloster Calvarienberg
Glaube, Bildung und Lebenshilfe
Freunde aus nah und fern feierten mit den Schwestern. Kongregation fest im gesellschaftlichen Leben verwurzelt
Ahrweiler. Es ist von weit her zu sehen und ein prägendes Gebäude von Ahrweiler. Das Kloster auf dem Calvarienberg. Jetzt feierte das Ursulinenkloster sein 175-jähriges Bestehen. Erst wurde in der Sankt Laurentiuskirche eine feierliche Eucharistiefeier begangen, dann zogen Freunde, viele Bürger und viele Ordensschwestern in einer stimmungsvollen Prozession auf den Berg und feierten in der Klosterkirche weiter den runden Geburtstag. „Es war schlechtes Wetter vorhergesagt, da hatten wir wegen der Prozession so unsere Bedenken. Ich habe Gott um gutes Wetter gebeten, und er hat uns zum Jubiläum auch Sonnenschein geschickt“, atmete Generaloberin Schwester Maria Monheim am Abend erleichtert auf. Wie beliebt das Kloster in der Region ist und wie hoch die Arbeit der Ursulinen in der Bevölkerung geschätzt wird, zeigte die Zahl der Gratulanten zum Geburtstag, denn mehr als 200 Gäste erlebten mit dem Orden ein tolles Fest.
Zur Geschichte des Klosters
Dass das Kloster überhaupt auf dem Berg hoch über der Ahr steht, geht auf das Jahr 1440 zurück. Auf dem Rückweg von einer Pilgerfahrt fiel einem Kreuzritter auf, dass Ahrweiler sehr Jerusalem ähnlich sehe. Die Ahr erinnerte ihn an den Bach Cedron, der Berg in Ahrweiler an den vor der Heiligen Stadt liegenden Kalvarienberg. Dieser Name wurde daraufhin für die Erhebung an der Ahr übertragen. 1505 wurde dort ein erstes kleines Gotteshaus errichtet. Die Franziskaner bauten das Kloster 1650 auf, wegen der Säkularisierung verließen sie 1803 den Berg, der in den Besitz der Franzosen überging. Am 30. Januar 1806 erwarb Vikar Jakob Giesen von Ahrweiler den Kalvarienberg, der nach seinem Tode zuerst an seine Erben, dann an die sogenannte Berggesellschaft überging. Der Ursulinenkonvent in Monschau siedelte 1838 unter der Leitung von Mutter Teresia Schäfer nach Ahrweiler über. „Es geschah in einer herrlichen, sehr ergreifenden Feierlichkeit, zu einer nie hier gesehenen Festlichkeit eines religiösen Zuges“, heißt es in einem Heimatjahrbuchartikel von Alois Schneider, erinnerte Landrat Dr. Jürgen Pföhler in seinem Grußwort an den Gründungstag des Ursulinenklosters in Ahrweiler. Am 28. August 1838 war ganz Ahrweiler auf den Beinen. Glockengeläut und Böllerschüsse begleiteten den Zug von Sankt Laurentius zum Berg. Die Ursulinen bezogen den Calvarienberg. Damals hatte der Kreis rund 35000 Einwohner. „Seit 175 Jahren ist die Ursulinenkongregation fester Bestandteil des religiösen, sozialen und kulturellen Lebens unserer Kreisstadt. Solche Jubiläen sind Grund zum Feiern, aber auch zur Rückschau, zum Innehalten und zum Besinnen.
Ein Ort des Glaubens, der Spiritualität und der Friedensarbeit
Der Calvarienberg Ahrweiler ist ein ganz besonderer Ort - ein Ort des Glaubens, ein Ort der Spiritualität und ein Ort der Friedensarbeit. Mit seiner einmaligen Atmosphäre zieht er Tausende von Pilgern und Gläubigen an. Er ist zugleich ein herausragendes Wahrzeichen des Kreises Ahrweiler“, führte Pföhler weiter aus. Auf dem Calvarienberg werde der Glaube nach innen und Außen gelebt. Die Schwestern hätten eine Vorbildfunktion. Die sei in der heutigen Zeit, in der der Werteverfall immer mehr zunimmt, vielleicht wichtiger als je zuvor. In unserer heutigen schnelllebigen Zeit habe sich „ein bedeutsamer seelsorgerischer Auftrag für die Ursulinen entwickelt. Die Menschen suchen nach einem offenen Ohr und Herz, um ihre Nöte und ihre Bedürfnisse auszusprechen. Hier auf dem Calvarienberg finden die Gläubigen Rat, Verständnis und Lebenshilfe“. Der Wunsch der Ordensgemeinschaft, eine Oase für Menschen zu schaffen, sie sich zurückziehen, auftanken und Ruhe finden wollen, verwirklichte sich 1996. Mit der Gründung des „Geistlichen Zentrums“ haben die Schwestern eine Einrichtung geschaffen, die hervorragende Möglichkeiten für Exerzitien, Besinnungs- und Einkehrtage bietet.
Wichtiger Beitrag zur Bildung und Erziehung
Die Schwestern leisten darüber hinaus einen wichtigen Beitrag zur Bildung und Erziehung junger Menschen in Gymnasium und Realschule sowie im Internat. Die Einrichtungen der Ursulinen haben weit über die Grenzen der Stadt und des Kreises hinaus einen hervorragenden Ruf. Vermittelt werden die üblichen Schulkenntnisse, darüber hinaus aber besonders auch ein christliches Welt- und Menschenbild. „Wir schätzen uns im Kreis Ahrweiler glücklich, dass zu unserem Angebot solche Schulen in kirchlicher Trägerschaft gehören. Durch private Schulen wie hier auf dem Calvarienberg wird das Bildungsangebot im Kreis Ahrweiler in ausgezeichneter und unverzichtbarer Weise ergänzt. Sie sind ein starker Partner an der Seite des Kreises und für unser gesellschaftliches Leben unverzichtbar“, dankte der Landrat der Kongregation.
„Eliteschulen des Fußballs“
Realschule und Gymnasium Calvarienberg seien außerdem „Eliteschulen des Fußballs“. Dieser Titel wurde vom Deutschen Fußball-Bund offiziell verliehen. Darüber hinaus sprach Pföhler die Bedeutung der Kongregation und die enge Verzahnung mit dem gesellschaftlichen Leben in der Region an. Neben den beiden Schulen unterhalte der Orden noch drei weitere Schulen und insgesamt vier Häuser. Deren Leitung erfordere ein kluges Management. Der Landrat dankte besonders Generaloberin Schwester Maria für ihr Engagement. Mit Bildungseinrichtungen und als Wallfahrtsstätte sei der Calvarienberg ein „wichtiger und nicht mehr wegzudenkender kultureller, kirchlicher und bildungspolitischer Meilenstein in unserem Kreis“.
