100 Kinder feierten den 100. Geburtstag einer Kindertagesstätte im Schatten des Klosters
Kindergarten Calvarienberg feierte
Vor 40 Jahren erfolgte der Umzug in das jetzige Gebäude - Wichtige Werte werden vermittelt
Ahrweiler. Zwei Jubiläen auf einmal Jubiläum feierte der Kindergarten Calvarienberg in Ahrweiler am Wochenende. Seit 100 Jahren besteht diese konfessionelle Kindertagesstätte, die ursprünglich im Kloster selbst untergebracht war. Vor 40 Jahren erfolgte der Umzug in das jetzige Gebäude am Fuß des Klosters. Während Kindergartenbetrieb im Jahr 1913 mit 15 Jungen und fünf Mädchen losging, besuchen heute 100 Kindern im Alter von zwei bis sechs Jahren die fünf Gruppen, die von 17 Mitarbeitern betreut werden. Träger des Kindergartens ist die katholische Kirchengemeinde Sankt Laurentius Ahrweiler, die Betriebsträgerschaft hingegen übernahm 2007 die katholische Kita gGmbH aus Koblenz.
Kindergartenleiter Thomas Welter sehnte sich beim Festkommers einerseits zurück in die „gute alte Zeit“, als man noch in einem fast heiligen Raum arbeiten konnte und kaum Paragraphen zu beachten hatte. Andererseits mache es auch heute sehr viel Spaß, in dieser Kindertagesstätte zu arbeiten, was das Kollegium in seinem gereimten Rückblick auf die 100 Jahre des Bestehens noch einmal verdeutlichte. „Das Wichtigste im Kindergarten bleibt aber, dass die Kinder wichtige Erfahrungen machen durch das gemeinsame und intensive Spiel.“
Was bleibt nach 100 Jahren?
„Was bleibt nach 100 Jahren?“, fragte Silvia Groß vom Caritas-Vorstand Rhein-Mosel-Ahr und verwies darauf, dass der Kindergarten die beiden Gegenpole in sich vereinen müsse: Einerseits das Streben nach Sicherheit und andererseits die Lust nach Erkundung der Außenwelt. Die Kindertagesstätte Calvarienberg sei solch ein Ort, an dem man sich sicher fühlen und zuhause sei, der aber auch die Entwicklung der Kinder durch das Ausleben ihrer Neugier ermögliche. Und es seien vor allem die Mitarbeiter, die die Kindertagesstätte zu einem Ort der Geborgenheit für Kinder und auch für ihre Eltern machten. „Letztlich macht das, was man nicht in Worte fassen kann, diesen Kindergarten aus - das bleibt nach 100 Jahren und das ist auch etwas wert.“
Landrat Dr. Jürgen Pföhler wusste aus eigener Anschauung: „Das ist ein ganz toller Kindergarten, denn mein Sohn war hier und ist acht Jahre später immer noch gut drauf.“ Solche Einrichtungen würden immer wichtiger, denn die Erziehung finde immer mehr außerhalb der Familie als traditionellem Ort der Geborgenheit statt. Hier müssten die Werte vermittelt werden, die verhinderten, dass Kinder auf die schiefe Bahn geraten - „das liegt mit in Ihren Händen“, anerkannt er die Leistung des Kindergartenpersonals. Das pädagogische Konzept der Einrichtung sei mitgeprägt von christlich-sozialen Grundsätzen, hier lernten die Kinder, verantwortlich mit ihren Nächsten umzugehen. Eine große Herausforderung bleibe aber der Ganztagsbetrieb, vor allem deshalb, weil demnächst auch unter einjährige Kinder einen Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz besäßen.
Beruf des Erziehers unterliegt rasantem Wandel
Auch Bürgermeister Guido Orthen wusste, „die Welt dreht sich deutlich schneller, und auch der Beruf des Erziehers unterliegt einem rasanten Wandel.“ Kaum einer, der den Erzieherberuf einst ergriffen habe, habe sich vor wenigen Jahren noch vorstellen können, dass er einmal Kleinkinder wickeln muss. Doch das sei demnächst, wenn die Kinder unter einem Jahr die Kindertagesstätte bevölkerten, an der Tagesordnung. Er sei jedenfalls vollkommen überzeugt vom Wahlspruch der Kindertagesstätte: „Ich weiß von Dir, Du weißt von mir, wir sind einander wichtig.“ Hier stehe das Wohl des Kindes an allererster Stelle, und die Mitarbeiter trügen jeden Tag dazu bei, dass die Kinder in einer geschützten Atmosphäre groß werden könnten.
Zur Geschichte des Kindergartens Calvarienberg: Im April 1913 wurde der Kindergarten im Kloster Calvarienberg mit 15 Jungen und fünf Mädchen unter der Leitung von Maria Nießen, der späteren Schwester Leonie, eröffnet. Grund dafür war die Einrichtung einer Frauenschule mit Fachrichtung „Kindergartenunterweisung“. Die Einrichtung wuchs schnell, schon im ersten Jahr nach dem Ersten Weltkrieg war die Anzahl der Kinder auf 25 angewachsen, zusätzlich gab es nun 30 Hortkinder. Während des Zweiten Weltkrieges ruhte der Kindergarten, die Räume wurden als Lazarett genutzt.
Nach dem Krieg stieg die Nachfrage
Nach dem Krieg stieg die Nachfrage rasant, der Kindergarten platzte bald aus allen Nähten. Als man schließlich 90 Kindergartenkinder zählte, wurden die Räumlichkeiten endgültig zu klein, und man beschloss, in einen Neubau umzuziehen. Die Ursulinenkongregation stellte einen Weinberg zu Verfügung, auf dem das jetzige Kindergartengebäude errichtet wurde. Rund eine Millionen Mark (etwa 500.000 Euro) verschlang der Neubau, der zum Schuljahr 1973/74 offiziell in Dienst gestellt wurde. 125 Kinder bezogen die neuen und hellen Räumen, fünf Gruppenräume und ein großes Außengelände luden jeden Tag zum Spielen ein. Der Wunsch nach einer Ganztagsbetreuung wurde immer öfter an die Kindergartenleitung herangetragen, dem trug man 1981 Rechnung mit der Einrichtung einer Ganztagsschule für 20 Kinder.
1994 gab die Ursulinen-Kongregation die Trägerschaft des Kindergartens in die Hände der Pfarrgemeinde Sankt Laurentius ab. 2007 ging die Betriebsträgerschaft der Einrichtung an die Kita gGmbH Koblenz über. Heute stehen in der Einrichtung 100 Plätze zur Verfügung, davon 29 für Kinder unter drei Jahren und für 40 Tageskinder.
