Tour der Hoffnung
Lions Club spendet 3.000 Euro
In über 15 Jahren mehr als 100.000 Euro gesammelt
Kreisstadt. Das Jahr 1998 war eine Art Initialzündung für die enge Verbindung des Lions Club Bad Neuenahr zur „Tour der Hoffnung“, der 1983 vom Gießener Professor Fritz Lampert ins Leben gerufenen Benefiz-Radsportveranstaltung zur Unterstützung krebs- und leukämiekranker Kinder. Zwar hatte der Club auch schon zuvor für das von den beiden langjährigen Machern Gerhard Becker und Volker Klein organisierte Hilfsprojekt gespendet. Doch in diesem Jahr hatte die Tour von Gießen aus Bad Neuenahr-Ahrweiler zum Ziel. Weithin sichtbar stand der Lions Club mit großen weißen Zelten nahe der Ahr-Thermen, sammelte Spendengelder und unterstützte die Radler.
Mit diesem Auftritt intensivierte sich auch die Beziehung zu Jürgen Grünwald, der zum damaligen Zeitpunkt noch Verkehrsdirektor der Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler war. Der heutige Geschäftsführer des „Hotel Zur Post“ in Waldbreitbach hatte zwei Jahre zuvor die „Vor-Tour der Hoffnung“ gegründet, als er mit seinem Freund Gregor Waldorf in die Universitätsstadt Gießen gefahren war und zur Haupttour einen „Startscheck“ über 4.500 DM übergab. Seitdem wurde jedes Jahr eine „Vor-Tour“ organisiert.
Heute radeln jedes Jahr rund 120 Teilnehmer mit einem rund 140 Personen starken Tross zum eigentlichen Startort Gießen - kaum weniger als bei der Haupttour mit circa 195 Teilnehmern und 220 Helfern im Tross.
Illustre Mitstreiter
Dementsprechend gerne kommt Grünwald weiterhin in die Kreisstadt Bad Neuenahr-Ahrweiler. Zumal der Leiter der Öffentlichkeitsarbeit bei der Tour der Hoffnung an der Ahr auf eine große Zahl teilweise illustrer Mitstreiter zählen kann. Da ist beispielsweise Lothar Lindner, früheres Stadtratsmitglied, ehemaliger Präsident des Lions Club Bad Neuenahr und heutiger Tour-der-Hoffnung-Koordinator beim Club, der gerade die Vor-Tour von der ersten Sekunde an unterstützte. Oder der ehemalige Bundesliga- und FIFA-Schiedsrichter Edgar Steinborn.
Der war von Grünwald 2001 im Rahmen eines Bundesligaspiels im VIP-Raum des Kölner Stadions angesprochen worden. Bereits im Folgejahr 2002 hatte er den Tross bei der Fahrt von Gießen über Bergisch-Gladbach nach Aachen auf der Fähre von Bad Breisig in Empfang genommen und ist seitdem mit Herz und Seele dabei. „Für mich ist nicht nur wichtig, über die Tour zu reden und Geld einzusammeln, sondern auch mit den Betroffenen ins Gespräch zu kommen“, begründet Steinborn seine Motivation zu helfen.
Grünwald und Steinborn waren daher auch - ebenso wie Lions-Club-Präsident Günther Langen - vergangene Woche ins Hotel Villa Aurora nach Bad Neuenahr gekommen, das Lothar Lindner bis Juni geführt hat und jetzt seinem Sohn Christian übergeben hat. Denn der Club, einer von mehreren „Kümmerer-Gruppen“ in der Region, konnte Grünwald eine stolze Spendensumme von 3.000 Euro übergeben, die im Umfeld der Vor-Tour und Haupttour im August bei den Mitgliedern gesammelt wurden. Damit haben die Neuenahrer nun in mehr als 15 Jahren bereits gut 100.000 Euro alleine für die Tour der Hoffnung gespendet. Auch andere karitative Projekte und Organisatoren werden von ihnen regelmäßig mit Geldern bedacht, beispielsweise aus den Erlösen von Bücher- oder Adventskalenderverkaufsaktionen.
„Wir machen das gerne, weil es sinnvoll eingesetztes Geld ist“, erklärte Lindner. „Wir wissen, dass jeder Cent den Bedürftigen zur Verfügung gestellt wird.“ Denn es gibt eine strikte Trennung: Die gesammelten Gelder gehen vollumfänglich in die medizinische und psycho-soziale Betreuung der Kinder sowie in die Krebsforschung und internationale Hilfe. Alleine Sponsorengelder werden für die Organisation und Durchführung der Tour eingesetzt.
Spenden bleiben in der Region
Außerdem ist dem Club wichtig, dass das gesammelte Geld in die medizinische Arbeit der Region fließt, also in irgendeiner Form dortbleibt. Daher ist auch die Verbindung zum Klinikum Kemperhof in Koblenz eng, das ein Onkologiezentrum für Kinder sowie Jugendliche besitzt und auch die Betreuung kleiner Patienten zu Hause forciert. „50 Prozent der Ehen von kranken Kindern gehen wegen der Belastungen in die Brüche, auch die Geschwisterkinder sind meist mitbetroffen“, berichtete Grünwald.
Die mit Tour-Geldern bedachten Kliniken und sonstigen Einrichtungen müssen übrigens genau mitteilen, wie sie die Spende einsetzen wollen. Dann entscheidet der mit Fachleuten besetzte Kuratorenkreis der Tour, ob und in welche Höhe Hilfen fließen. Da die Tour wie angesprochen auch ein „Radeln in der Region für die Region“ (Grünwald) sein soll, bitten die Tour-Organisatoren das Kuratorium stets, dass Gelder möglichst auch wieder in der Region ankommen. Als 1983 die erste Tour der Hoffnung startete, hatten an Leukämie (Blutkrebs) erkrankte Kinder übrigens bereits eine durchschnittliche Chance auf Heilung von circa 60 Prozent Heute, 30 Jahre später, ist diese auf circa 86 Prozent gestiegen. Damit wurde zwar ein Fortschritt erreicht, jedoch stirbt noch immer eines von fünf Kindern mit einer bösartigen Erkrankung, beispielsweise Lymphdrüsenkrebs, Leukämie oder Hirntumor. Diese schlimmen Krankheiten bei Kindern werden erst ihren Schrecken verlieren, wenn - wie bei Infektionskrankheiten - die Heilung die Regel und der Tod die absolute Ausnahme ist. Für diese Ziele rollte die 30. Ausgabe der Tour in diesem Jahr auf einer Gesamtstrecke von 366 km durch die Bundesländer Hessen, Thüringen und Sachsen-Anhalt. Dabei wurde erstmals die Schallmauer von 2 Millionen Euro durchbrochen. Die Vor-Tour durch die Kreise Rhein-Hunsrück, Cochem-Zell, Mayen-Koblenz, Rhein-Lahn und Koblenz sammelte dabei 263.905 Euro ein. Insgesamt hat die Benefiz-Radsportveranstaltung damit in 30 Jahren ein Spendenaufkommen von mehr als 30 Millionen Euro erzielt. „Es ist eine absolute Erfolgsgeschichte. Man wundert sich, dass jedes Jahr immer noch eine Steigerung möglich ist“, freute sich Mitorganisator Grünwald.
Jubiläum in Sicht
Er wagte mit seinen Mitstreitern auch schon einmal einen Ausblick auf 2015. Dann wird die Vor-Tour nämlich ihre 20. Auflage erleben. „Es soll ein ,Back to the Roots‘ geben“, berichtete Grünwald. Dann soll sie vor allem durch die Kreise Ahrweiler und Neuwied führen, sozusagen ihren Keimzellen. „Wir werden gerade den Kreis Ahrweiler intensiv beradeln, begleitet von Aktionen wie beispielsweise Kuchenverkäufen.“ Dann sind bereits im Vorfeld Kümmerer-Gruppen, Firmen, Institutionen, Vereine und natürlich auch alle Privatpersonen aufgerufen, sich mit Aktionen und Spenden einzubringen und die Tour zu unterstützen.
