Finanzexperte entlarvt Wohlstandsmythen
Lothar Binding: Wohlstand für alle!
Ahrweiler. Lothar Binding, 23 Jahre Bundestagsabgeordneter und Experte für Finanzpolitik, verblüfft mit „Wohlstand für alle“
Auf Einladung der SPD 60plus Kreis Ahrweiler war der Bundesvorsitzende Lothar Binding ins Ahrtal gekommen, vom Infostand vor Moses und zur Unterstützung von Landtagskandidat Thomas Meyer zum Vortrag am Abend. Ursula Koll, SPD-Vorsitzende von Bad Neuenahr-Ahrweiler, begrüßte ihn im Veedelstreff Domcafé und freute sich besonders darüber, dass viele junge Jusos unter den Gästen waren. Mit Witz und Kompetenz, mit Flip-Chart und rotem Zollstock ging es sofort los mit dem schwierigen und kontroversen Thema „Wohlstand für alle – ein neuer Gesellschaftsvertrag“. Als Mathematiker kennt Binding sich mit Zahlen, Geld und Demografie bestens aus. Seine provokante Eröffnungsfrage „Wer ist der größte Lügner im Land?“ beantwortete er mit: „Der Durchschnitt! Denn der mathematische Durchschnitt verschweigt die Armut und versteckt den Reichtum!“ Die Aussage „Uns geht‘s doch ganz gut!“ sei deshalb richtig und falsch zugleich. Im Durchschnitt stimmt sie. Schaut man aber genauer hin, sieht man viele Menschen, denen es nicht gut geht. Wir erkennen Armut in einer im Durchschnitt wohlhabenden Gesellschaft. Deshalb gehe es in der Politik mehr um den genauen Blick, um gute Lösungen für komplexe Probleme, als um lautes Geschrei.
Die Schere zwischen Arm und Reich geht seit Jahrzehnten immer weiter auseinander. Das Wohlstandsgefälle wächst stetig und gefährdet den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Wir brauchen zukunftsfeste Sozialsysteme, in die alle einzahlen. Dafür müssen wir unseren Blick ändern, so Binding. Nicht was gebe ich ab, sondern was bleibt mir, sei die Frage! Denn die Quelle unserer Produktivität ist immer die Arbeit. Diese muss für jeden auskömmlich entlohnt und das Ergebnis der Produktivität gerecht verteilt werden. Damit Demokratie und gesellschaftlicher Frieden erhalten bleiben.
Anschaulich und spannend setzte sich Binding mit den wahren und falschen Geschichten über Geld und Rente, Armut und Reichtum auseinander. Wohlstand für alle, so seine These, bedeute nicht, dass alle gleich reich seien – oder auch gleich arm! Wohlstand bedeute viel mehr, dass alle gut zurechtkommen und sich fair behandelt sehen. Den neuen Konflikt zwischen Jung und Alt in der Rentendebatte hält er für einen Mythos, der interessengeleitet gepuscht wird. Der eigentliche Konflikt besteht bei genauem Hinschauen zwischen Reich und Arm. Denn die Produktivität ist in den 80 Jahren nach dem Krieg um den Faktor 10 gestiegen – genug für alle! Deshalb muss die Politik an der Verteilung ansetzen und für mehr Steuergerechtigkeit sorgen.
In der Zeit nach dem zweiten Weltkrieg habe eine kleine Gruppe ein Vermögen von etwa 17 Billionen angehäuft, quasi Produktivitätsergebnisse in die eigene Tasche abgezweigt. Mittlerweile gehört Deutschland zu den Ländern mit den meisten Superreichen! „Wenn wir dieses Vermögen, diese 17 Billionen, heute mit zwei Prozent besteuern würden, könnten wir die öffentlichen Haushalte mit über 300 Milliarden verstärken. Viele Probleme im Bund, im Land und auch an der Ahr wären leicht zu lösen. Lassen Sie uns der Bewegung einiger Reicher folgen: „Tax me now“, so Binding.
Als Dankeschön für seinen Besuch erhielt der aus Heidelberg angereiste Experte für Finanzpolitik von Ursula Koll etwas für den Geist: „Abgründiges Ahrtal“, Krimi von Karin Joachim und von Dr. Rente Strauch etwas für den Gaumen: NE JOODE RUUDE – Ein Guter Roter aus dem Ahrtal.
Pressemitteilung der SPD Kreis Ahrweiler
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